iPod-Hack Apple fährt die Krallen aus
Drei Tage ließ sich Apple Zeit, um die am Dienstag von RealNetworks veröffentlichte Software "Harmony" zu prüfen - jetzt bläst Big Mac zum Halali. RealNetworks, heißt es in einem Pressestatement von Apple, habe sich "Hackermethoden" bedient, um die Software zur Konvertierung von Real- in iPod-kompatible AAC-Dateien zu produzieren. Jetzt prüfe Apple seine juristischen Möglichkeiten.
Reals' Publicity-Stunt bringt dem Unternehmen theoretisch einen echten Vorteil. Der Apple iPod, meistverkaufter digitaler Musicplayer der Welt, "versteht" zwar auch das MP3-Format, spielt dieses aber nicht ab, wenn es durch DRM-Maßnahmen kopiergeschützt ist. RealNetworks Harmony "harmonisiert" nun das von Real benutzte DRM mit Apples "FairPlay"-DRM. Dem Unternehmen ging es offenkundig darum, an Apples entstehendem Monopol auf dem Markt für Musikdownloads zu kratzen.
Denn dort setzt Apple mit seinem Konzept, das auf der Software iTunes, dem gleichnamigen Musicshop und dem Player iPod beruht, die Standards. Zurzeit hält Apple rund Dreiviertel des Weltmarktes für legale Musikdownloads, und der Anteil am Kuchen wächst, obwohl auch die Zahl der Konkurrenten steigt.
Apple nutzt dabei den Verkauf von speziell kodierten AAC-Dateien, um seine Shop-Kunden an den iPod zu binden: Shop und Gerät sind Verkaufsargumente füreinander. Zwar "versteht" der iPod auch herkömmliche MP3-Dateien, doch laufen die bei iTunes gekauften Dateien auf keinem anderen mobilen Player - und die Dateien anderer Shops nicht auf dem iPod.
RealNetworks "Harmony" bricht diese eng verzahnte Verwertungskette symbolträchtig auf. "Wir sind verblüfft, dass RealNetworks die Methoden und Moral von Hackern nutzte, um sich in den iPod zu hacken", heißt es von Seiten Apple. "Wir untersuchen nun die rechtlichen Implikationen dieser Handlung vor dem Hintergrund des Digital Millennium Copyright Act DMCA und anderer Gesetze."
Eine Drohung, der schon bald die Klage folgen könnte. RealNetworks stellte sich umgehend verteidigend auf die Hinterbeine: "Die Konsumenten, und nicht Apple, sollten entscheiden können, was auf ihren iPods landet", heißt es in einer Replik des US-Unternehmens.
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Noch einmal unterstrich Real, dass Harmony im reverse-engineering-Verfahren entstanden sei, einer "wohl etablierten, völlig legalen" Praxis. Real verweist dabei auf den Fall der ersten "IBM-kompatiblen" Compaq-PCs, die Compaq Mitte der Achtziger im reverse-engineering-Verfahren durch eine Analyse und Nachentwicklung der Produkte des Konkurrenten konstruiert hatte.
Der Drohung mit dem DMCA setzt Real den Verweis auf den Copyright Act von 1998 entgegen, der es ausdrücklich sanktioniere, dass man Software entwickele, die Daten mit Programmen anderer Unternehmen austauschen könne.
Einen Markt mit proprietären Konzepten anzugehen, ohne diese an andere zu lizensieren, ist typisch Apple. Ähnlich verfuhr der PC-Hersteller aus Cupertino auf dem Heimcomputermarkt - und manövrierte sich so ins Abseits des Mainstream. Auf dem Markt für digitale Musikdownloads scheint das Konzept jedoch aufzugehen, und Apple hatte sich beeilt, für sein Shop-Player-Konzept auch Windows-kompatible Software zur Verfügung zu stellen. Mit Erfolg: Nach nur einem Jahr ist der iPod Apples größte einzelne Einnahmequelle - die "Cash-Cow" des Unternehmens, das seinen künftigen Geschäftserfolg stark ans Thema Musik hängt.