IT-Adler Findulin soll's richten
Es war eine gewaltige Werbekampagne: 26.000 Spots in 1450 Kinos, Anzeigen in allen wichtigen Blättern, Postkartenaktionen sowie Internet-Werbung - und das alles, um einem eher unscheinbaren blauen Vogel einen Namen zu verleihen. Doch halt, das virtuelle Federvieh, angeblich ein stilisierter Adler, ist nicht einfach nur ein Vogel; es soll, so der Wille seiner Schöpfer, zum Wegweiser der Bundesregierung im Web werden.
Das Internet hat anscheinend, zumindest in den Augen der Regierung, derart virtuelle Höhenflüge nötig. Aufgabe des Adlers, von den PR-Strategen im Bundeskanzleramt "WWWappentierchen" getauft, soll es demnach sein, "Sympathie zu schaffen, Neugierde zu wecken und Schwellenängste vor dem Internet abzubauen".
Bis zum 1. März gingen 50.000 Namen ein - darunter knapp die Hälfte auf Papier. In die Endauswahl kamen letztlich 25 Vorschläge, die "innovativ aber nicht trendy, zukunftsweisend und traditionsbewusst zugleich, international verständlich und pfiffig" waren - oder von den auswählenden Studenten dafür gehalten wurden. Darunter waren so wegweisende Vorschläge wie "Olli Online", "Didi Dot", "Klikko" oder "Webster". Eine Jury, unter anderem mit Moderator Kai Pflaume, Staatsminister Hans Martin Bury und Pixelpark-Geschäftsführer Paulus Neef prominent besetzt, kürte schließlich den Sieger.
Der Originalität und dem Niveau so mancher Vorschläge angemessen fiel dann auch die Moderation der Preisverleihung aus: Das Presse- und Informationsamt hatte sich nicht lumpen lassen und Milka Loff Fernandez, das hyperaktive "Interaktiv"-Girl vom Musiksender Viva, verpflichtet. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye erklärte ungefragt warum: "Wenn wir Schülerinnen und Schüler erreichen wollen, müssen wir eine Sprache verwenden, die sie auch verstehen, und auf ihr Rezeptionsverhalten eingehen." Heye tut sich damit wohl schwer.
Und so kam es dann zum durchaus reizvollen Aufeinandertreffen von Nietenhalsband (Milka) und Anzug (Schröder). Der Kanzler allerdings schien dem Event, nach fast vier Stunden Messerundgang, wenig abgewinnen zu können. Statt auf Milkas ("Die Zukunft ist jetzt noch gar nicht so groß") naives Frage-Antwortspiel einzugehen, unterhielt sich Schröder lieber mit einer Gruppe Viertklässler, erzählte von seiner gleichaltrigen Tochter und posierte für Erinnerungsfotos. Der Kanzler, der zugibt, nur "bescheidene Kenntnisse" im Internet zu haben, strahlte.
Auch noch, als er erklärte, die Gattin sei für die Auffrischung seiner Internet-Fähigkeiten zuständig. "Das kann wirklich jeder lernen", so Schröder zu Milka, "auch Sie." Und selbst die Frage, welchen Namen er denn dem virtuellen Wappentier geben würde, brachte den Kanzler nicht ins Schwimmen. "Ich habe mir über einen Namen für Adler wirklich noch keine Gedanken gemacht." Kurze Denkpause. "Aber ich finde Gerhard ganz schön."
Weniger euphorisch war Schröders Reaktion dagegen, als endlich der Name des IT-Adlers verkündet wurde: Findulin. "Gefällt mir gut", so der knappe Kommentar des SPD-Chefs. Auch die 11-Jährige Lisa, von der der siegreiche Vorschlag stammt, hatte besseres zu tun, als über den Sinn des Namens zu sinnieren. Ihre einzige Frage an den Kanzler: "Kann ich ein Autogramm haben."