iTunes: Australien mit Lücken - DER SPIEGEL
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iTunes Australien mit Lücken

Apples iTunes Music Store gibt es ab sofort auch "Down Under". Damit ist Apple nun auf vier Kontinenten vertreten, und doch markiert der Schritt keine Fortführung der reibungslosen Erfolgsstory: Mit SonyBMG fehlt beim iTunes-Start wieder einer der Majors.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Geschichte des iTunes Music Store liest sich als Erfolgsstory, bei der Marketingfachleute schon mal in Euphorie verfallen können: Seit der Eröffnung des Shops im Frühjahr 2003 verkaufte der Download-Musikladen über 500 Millionen Lieder weltweit. Wo auch immer er seine Pforten öffnet, ist er bald die unumstrittene Nummer eins am Markt (mit Ausnahme von Deutschland: hier hält die Telekom mit Musicload dagegen). Weltweit hat iTunes so im - zwar noch immer kleinen, aber rapide wachsenden - Downloadmarkt einen Marktanteil von gut 80 Prozent. Apple fliegt derweil von einem Umsatzhoch zum nächsten, nicht zuletzt, weil iTunes den Verkauf der iPod-Musikplayer beflügelt.

Möglich machte all das ein spektakulärer Deal zwischen Apple und den damals fünf großen Musikfirmen Emi, Sony, BMG, Warner und Universal. Die gestanden Apple großzügige Lizenzbedingungen zu und gaben so zugleich ihre Blockadepolitik gegen den Musikverkauf im Netz auf. Apple konnte seine Waren mit attraktiven Preisen anbieten - und der Markt legaler, kostenpflichtiger Downloads, an den schon kaum jemand mehr glauben wollte, hob ab.

Zweieinhalb Jahre später ist die Partylaune bei den Plattenfirmen verflogen. Längst drängen sie Apple, endlich die Preise wieder zu erhöhen; längst ist ihnen jedenfalls das Stück, das sie vom Downloadkuchen bekommen, zu klein geworden. So setzte SonyBMG zur lang erwarteten Eröffnung des iTunes-Shopangebotes in Australien ein Zeichen: Die Songs und Alben des zum Mega-Label verschmolzenen Musikriesen fehlen im Angebot. Nicht zum ersten Mal, denn schon bei der Shoperöffnung in Japan übten SonyBMG und Time Warner Enthaltung.

Ein Schreckschuss

Zugleich funkt der Musikkonzern aber fleißig diplomatische Signale: Ein Abschluss der Verhandlungen zwischen SonyBMG und Apple stehe unmittelbar bevor. SonyBMG sei bester Hoffnung, seine Waren den Kunden bald auch in Australien per iTunes anbieten zu können. Was also soll das Ganze?

Unter dem Strich soll es eine Demonstration der Unabhängigkeit sein, denn mit zunehmendem Unbehagen sehen die Labels auf Apples Marktanteile und den daraus resultierenden Einfluss. Hier, murrt es auf den Korridoren der Musikindustrie, entstehe eine Monokultur, ein quasi-Monopol, dem man sich ausgeliefert habe. Die Majors, die mit erdrückender Macht jahrzehntelang den Musikmarkt beherrschten, sehen sich in einem Teil ihres Marktes plötzlich selbst abhängig von einem anderen Großen.

So weist SonyBMG Australien auch kaum zufällig darauf hin, dass es dort bereits mit einer ganzen Reihe von Downloadshops kooperiere und erst kürzlich die Zwei-Millionen-Downloads-Marke überschritten habe. Im Klartext: Willkommen, schön, dass ihr da seid - aber die Schuhe putzen wir Euch nicht, denn es ging auch ohne euch.

Branchengerüchten zufolge geht es diesmal nicht in erster Linie um die Preise, die - wie bei iTunes üblich - einmal mehr deutlich unter dem durchschnittlichen Verkaufspreis von CDs liegen. SonyBMG versuche vielmehr, Apple zu Konzessionen bei seinem Dateiformat zu bewegen. Den Platten-Produzenten missfällt, dass bei iTunes gekaufte Songs nur auf den digitalen Playern von Apple laufen. Offiziell allerdings will das niemand kommentieren.

Apple feiert derweil die Tatsache, dass der iTunes-Shop nun "in 21 Ländern der Erde" zugänglich sei. Die SonyBMG-Lücke taucht in den Pressemitteilungen des Unternehmens natürlich nicht auf: Apple verweist lieber auf "über eine Million Songs von Majors und Independent Labels" sowie auf zahlreiche regionale Specials. Man könnte auch sagen: Apple demonstriert ein selbstbewusstes "Ja und? Es geht auch ohne euch!".

Was der Realität ziemlich nahe kommen dürfte. Längst verstehen die Kunden das Fehlen von Songs eines Labels vor allem als Verweigerungshaltung - der Ärger darüber trifft nicht mehr den Shop, sondern fällt auf das Label zurück. Ob es den Majors schmeckt oder nicht, an iTunes kommen sie nicht mehr vorbei.

Frank Patalong