Jeff Bezos: Amazon-Chef erfindet Filter für Geschenke-Spam - DER SPIEGEL
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Geschenkebremse: Keine Chance, Tante Mildred!

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Jeff Bezos Amazon-Chef erfindet Filter für Geschenke-Spam

Nach Weihnachten ist vor dem Umtauschterror: Vor allem Versandhändler fürchten kostenträchtige Rückläufer. Amazon-Chef Jeff Bezos will jetzt verhindern, dass ungewollte Sendungen überhaupt an die Kunden ausgeliefert werden - die Beschenkten sollen diese künftig schon vorher herausfiltern können.
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Amazon hat den Kampf mit unser aller Tante Mildred aufgenommen: "Aunt Mildred" ist der in US-Patentantrag 7,831,439 B1  beschriebene Archetyp der schlechten Schenkerin. Sie bestellt für ihre Lieben mit Vorliebe nutzloses, ungewolltes oder doofes Zeug, das die dann mühsam wieder umtauschen müssen.

Versandhändler

Und wer hat den Schaden? Klar: Nicht nur die Beschenkten, sondern vor allem Amazon, der arme .

Bis zu 30 Prozent der im Internetversandhandel bestellten Geschenke werden nach den Feiertagen wieder umgetauscht, berichtet die "Washington Post",  die das auf den 9. November 2010 datierte Amazon-Patent in den US-Datenbanken entdeckte. Das wären allein in diesem Jahr im US-Weihnachtsgeschäft Waren im Wert von rund 6,4 Milliarden Euro. Die müssen nicht nur retourniert, sondern allesamt auch inspiziert, gegebenenfalls gereinigt, mitunter repariert und oft neu verpackt werden. Dabei verlieren Waren teils erheblich an Wert. Das weiß man auch in Europa: Sogenannte Versandrückläufer sind hier ebenfalls ein steigender Kostenfaktor für den Handel.

Entsprechend nah liegt die Idee einer Art Geschenkebremse, wenn man sein Geld im Versandgeschäft macht. So wie Jeff Bezos, Gründer und Chef von Amazon und unbestreitbar der erfolgreichste Online-Versandhändler der letzten eineinhalb Jahrzehnte.

Bezos

gilt als "Patent-Verrückter" (CNet), der trotz seiner Management-Funktionen nach wie vor auch als Entwickler tätig ist. In zahlreichen Patentanträgen  wird der studierte Ingenieur Bezos als Erfinder oder Miterfinder genannt. Mitunter geht es dabei um komplexe Dinge, oft aber auch ganz einfach nur um pfiffige Ideen. Als seine berühmteste und umstrittenste Erfindung galt bisher das patentierte Prinzip des sogenannten One Click Buy . Damit können Kunden im Web mit einem einzigen Mausklick einkaufen. Wer das System heute einsetzt, zahlt Lizenzgebühren an Amazon - ein Nutzer ist beispielsweise Apples iTunes-Store.

Das Patent behandelt ungewollte Geschenke wie Spam

Auch Bezos' neueste Idee könnte im Online-Handel zu einem Erfolg werden: Zusammen mit Colin Bryar, bei Amazon USA Chef der Abteilung Web Services und Partnerprogramme, reichte der Amazon-Chef am 9. November 2010 einen Patentantrag ein, den man als Geschenkebremse beschreiben könnte - oder treffender als Filter für Geschenke-Spam. Neben der bekannten "Wunschliste", mit der Amazon-Kunden über ihre öffentlich einsehbaren Profilseiten klarmachen können, was sie gerade noch brauchen, könnte es bei Amazon irgendwann auch eine Art Sperrliste für ungewollte Präsente geben.

Amazon

Und die geht deutlich über eine bloße Liste hinaus - hier kommt Tante Mildred ins Spiel. Was Bezos und Bryar sich vorstellen, ist ein System, dessen Einzelheiten der -Kunde selbst programmieren kann. Er kann beispielsweise festlegen, dass alle Geschenke, die Tante Mildred ihm oder ihr zukommen lassen will, nie ausgeliefert und stattdessen automatisch in Geschenkgutscheine umgewandelt werden.

Eigentlich ist damit allen gedient

Bryar und Bezos planen das Ganze als Datenbank, die durchaus feinfühliger agieren kann: Dann prüft sie beispielsweise nur, ob der von Tante Mildred anvisierte rotgestreifte Plüsch-Pyjama mit Bommeln wenigstens die richtige Größe hat - und sorgt dafür, dass das Schmuckstück auch passt. Aus Blu-ray-Discs oder VHS-Videos, für die der Adressat des Geschenkes keinen Player hat, wird eine DVD, aus den "Muschelsuchern" von Rosamunde Pilcher in letzter Sekunde noch der "Wolkenatlas" von David Mitchell - Glück gehabt.

Selbst wenn sich der Geschenkebremser aber dazu entscheidet, alle Präsente von Tante Mildred umgehend in Gutscheine umzuwandeln, muss das nicht zwangsläufig zum Familienkrieg führen. Denn ob Tante Mildred das je erfährt oder nicht, entscheidet ebenfalls der Beschenkte - der nebenbei auch erfährt, welche Scheußlichkeit sie ihm eigentlich zukommen lassen wollte.

Die Idee könnte tatsächlich Schule machen, wenn Amazon die Umsetzung schafft. Das ist längst nicht bei jedem Patent der Fall. Mitunter dauert so etwas auch einfach. So wurde ein ebenfalls von Bryar und Bezos eingereichtes Patent über abgestufte Zahlungen beim Bezug elektronischer Dokumente bereits im Juli 2004 eingereicht - mehr als drei Jahre, bevor Amazons bahnbrechender E-Reader Kindle auf den Markt kam.

Die Idee in diesem Fall: Online-Käufer zahlen unterschiedliche Summen für den Zugriff auf unterschiedliche "Portionen" eines Online-Inhalts oder bekommen diesen Zugriff abhängig davon rabattiert, wie viel sie elektronisch lesen und kaufen. Umgesetzt ist das Vorhaben bis heute nicht, aber das mag vielleicht noch kommen - zugesprochen wurde das Patent ja erst am 21. September 2010. Das interessanteste an dem Antrag : Das im Diagramm zum Antrag gezeigte User Device zum elektronischen Lesen zeigt schon 2004 ein Gerät, das dem späteren Kindle zumindest schon deutlich ähnelt.

Man sieht: Amazon gehört zu den Unternehmen, die ihre Projekte teils langfristig eintopfen und das auch noch erfolgreich unter der Decke halten. Wer weiß, vielleicht kommt die Geschenkebremse also schneller als man denkt. Aus Perspektive des Unternehmens wäre das eine weitere Verbesserung des Online-Handels, die Umtausch- und Versandkosten sparen würde.

Für den Kunden aber würde die größte Gefahr überhaupt gebannt: Dass man Tante Mildred im Folgejahr versehentlich den Mist, den sie mit so viel Liebe auf den Weg gebracht hat, zurückschenkt. Selbst das geschmacklose Tantchen dürfte da die Gutscheinlösung vorziehen.

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