Justizskandal Darf Sexsurfer noch urteilen?
Surfen am Arbeitsplatz, das hat auch in Deutschland schon die Juristen beschäftigt. Allerdings meist, weil Arbeitnehmer illegal durch die WWW-Weiten gewandert sind. Hohe Wellen schlägt zurzeit die Debatte darüber, ob der prominente Richter Robert Fisher in Neuseeland weiter urteilen darf. Nicht dass er schlecht Recht gesprochen hätte. Nein, Richter Fisher fischte sich pikante Seiten aus dem Netz auf seinen Dienstrechner. Hätten Jugendliche diese Filmchen geschaut, wäre der Richter sicher "not amused" gewesen.
So weit, so gut. Doch der kleine Surftrip des Juristen flog auf und Fisher hat alles gestanden. Und sich entschuldigt. Und versprochen, es werde nie wieder vorkommen. Er betont aber, seine Tour durchs Netz sei nicht illegal gewesen.
Weitere Fälle werden untersucht
Frauengruppen allerdings sehen das ganz anders und wollen nun, dass er seinen Stuhl räumt. Ihr Argument: Seine Glaubwürdigkeit habe gelitten, und er sei deshalb nicht länger tragbar. Eine Sprecherin der "Wellington Women's Refugee"-Gruppe hält es für unpassend, wenn ein Richter mit "pro-pornografischen Ansichten" weiterhin über Vergewaltigungsfälle und ähnliche Verbrechen urteilen darf.
Die Neuseeländer ermitteln weiter und haben herausgefunden, dass sich auch drei Bezirksrichter mit ähnlichen Seiten beschäftigt haben. Die Regierung ist eingeschaltet und eine Diskussion über die Unabhängigkeit der Justiz in vollem Gange.
Bleibt die Frage, wer noch alles seinen Stuhl räumen müsste. Richter Fisher ist sicherlich nicht der Einzige, der von seinem Arbeitsplatz aus Nackedei-Filme besurft hat: Man könnte vielleicht ganze Führungsetagen austauschen. Kann Neuseeland bald überhaupt noch regiert werden, wenn die Frauengruppen konsequent vorgehen? Bricht das Justizsystem zusammen? Steht das Land vor einer Wirtschaftskrise? Man darf gespannt sein.
Urs Zietan