Kampf der Konsolen: Nintendo macht weiter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kampf der Konsolen Nintendo macht weiter

Seit rund einem Jahr ringen auf dem hart umkämpften Markt der Spielekonsolen Sonys PS2 und Microsofts Xbox um die Pole-Position. Doch wo zwei sich streiten, freut sich der Dritte durchaus nicht immer: Die Verkaufszahlen des Gamecube enttäuschen, und prompt fallen Nintendos Aktien.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Eigentlich", zitiert "Forbes" einen Börsenexperten, "lagen die Erwartungen auch viel zu hoch. Die Aktie wird sich wieder erholen".

Natürlich wird sie das. Nintendo ist groß, stark und hat Rücklagen: Fällt das Papier zu sehr, kauft der Konzern einfach die eigenen Aktien auf und wartet auf bessere Handelstage. Davon ist Nintendo noch weit entfernt: Was der Konzern heute einstecken musste, verbuchen andere Unternehmen als übliche Schwankung.

Dass das Papier nun überhaupt nach unten ging, ist trotzdem kein Spiel, hat aber damit zu tun: Der Gamecube, im letzten Jahr als frecher Außenseiter mit bestens bewerteten Marktchancen angetreten, die Nummer 2 im Konsolenmarkt zu werden, hat nur den dritten Platz geschafft.

Klingt gut, doch mit nur drei Konkurrenten im Feld ist das der letzte Platz - die Verkaufszahlen des kleinen Konsolen-Kubus hinken den Erwartungen hinterher. Statt anvisierter 10 Millionen verkaufte Nintendo nur 9 Millionen der Würfel, und auch das Unternehmensziel, 55 Millionen Gamecube-Spiele abzusetzen, wurde "knapp verfehlt".

So sagt das Satoru Iwata, Chef des Daddelkonzerns. Klingt nicht wie eine Katastrophe, macht die Börsenzocker aber hellhörig genug, um das Papier an der Tokioter Börse direkt um 1,38 Prozent fallen zu lassen. Schließlich geht es im Konsolenmarkt um einen Verdrängungswettbewerb: Wenn das digitale Wohnzimmer-Daddelgeschäft profitabel sein soll, da sind sich die Experten einig, darf es höchstens zwei konkurrierende Systeme geben.

Auf solche Dinge schauen die notorisch hyperventilierenden Börsianer - und ignorieren, dass Nintendo mit dem Gamecube trotz der enttäuschenden Verkaufszahlen immer noch Profite macht, ganz im Gegensatz zu Microsoft, die die Xbox heftig Subventionieren müssen.

Logisch also, dass sich Iwata sofort mit Fragen konfrontiert sah, wann sein Konzern denn nun die Segel streichen werde. Davon jedoch will Nintendo nichts wissen: Der Daddelkonzern hat seinen Reichtum (derzeit rund 7 Milliarden US-Dollar Barrücklagen) auf Gameboy und Konsolen gebaut. Ob Platz 1, 2 oder 3, scheint Iwata egal zu sein, er will weitermachen: Schon 2005 oder 2006, verspricht er nun, werde es von Nintendo eine Konsole der nächsten Generation geben.

Ein Rückzug aus dem Hardware-Geschäft, wie ihn der jahrzehntelange, heute nur noch Software produzierende Konkurrent Sega vollzog, ist für Nintendo kein Thema: "Der Tag, an dem wir uns aus dem Markt der Videokonsolen verabschieden", sagt dazu Iwata, "ist der Tag, an dem wir uns aus dem gesamten Markt der Videospiele zurückziehen".

Das ist so, als wollte Volkswagen das Autogeschäft aufgeben und soll wohl heißen: Nie.

Mehr lesen über