Kampf der Konsolen Reger Würfelregen
Anders als auf dem PC-Markt geschieht es nicht sehr häufig, dass eine neue Spielekonsole der Öffentlichkeit vorgestellt wird: Bevor das passiert, werden Millionenbeträge investiert, vergehen Jahre.
Sony macht das gerade klar, indem das Unternehmen erste Nachrichten über die Playstation der nächsten, dann dritten Generation lanciert: Erst im Jahre 2005 sei mit dem Nachfolgemodell zu rechnen, heißt es aus den wie üblich "gut informierten Kreisen".
Ganz besonders gut sogar: Bereits Jahre vor der Veröffentlichung weiß Sony demnach schon, was drin sein wird in der neuen Kiste: Ein Grafikchip, der rund 200-mal schneller sein soll als alles, was derzeit in Konsolen arbeitet.
Satte 400 Millionen Dollar werde allein die Entwicklung des Grafikchips das Unternehmen kosten, so die Prognosen. Als Entwicklungspartner sitzen Toshiba und IBM im Boot. Zusätzliches Highlight des künftigen Konzeptes: Die PS 3 soll für ultraschnelle Glasfaser-Webanbindungen vorbereitet werden, der die Kiste dann zum Dauer-Netzwerk-Spielcenter befördern würde. Womöglich, munkeln die Auguren, entfalle dann sogar die Notwendigkeit von "Speichermedien" wie DVD.
Oder auch nicht. Die erste Stufe des Preiskrieges zwischen den Konsolenherstellern ist gerade beendet, der Verkaufspreis hat sich am unteren Ende der Rentabilitäten eingependelt und alle drei Hersteller zeigen, wie man künftig Kunden zu locken gedenkt: Durch Zugaben. Seien es in den Verkaufspreis eingeschlossene Spiele und Controller, seien es Netzwerkzugänge.
Der Weg scheint vorgezeichnet: Bald schon mag man all die Dinge, für die man nun noch extra zahlt, im Paket kaufen zu können. Alle Hersteller bemühen sich zudem, alles zu bieten, was die Konkurrenz auch bietet.
Was will der Daddler wirklich?
Nach dem Erfolg, den der Gamecube in den ersten Tagen feiern konnte, stellt sich die Frage, ob das überhaupt nötig ist. Besser als die gesamte Konkurrenz verkauft sich mit dem Würfel das einzige Gerät, das gar nicht mehr sein will als eine Daddelkiste. Stolze 50.000 Würfelchen wurde Nintendo allein am ersten Verkaufstag los. Die Konkurrenz hält sich zurzeit mit Zahlen zurück.
Die sagen letztlich auch wenig aus, wenn sie nicht "weltweit" sind. Das Konsolengeschäft kickt international Europa ist da nicht mehr als eine Region. Derzeit können alle Hersteller kräftig punkten: Nintendo räumt in Europa und Japan ab, Microsofts Xbox in den USA. Sony hingegen behauptet sich mit relativ stabilen Verkäufen was kaum wundern kann: Hier purzeln die ganz großen Zahlen schon lang nicht mehr.
Satte zwei Jahre ist die PS2 am Markt und wurde in dieser Zeit rund 28 Millionen Mal verkauft. Das wird erst einmal jemand nachmachen müssen - das ist aber auch eine Gefahr: Schnell, da sind sich die Experten einig, müsse nun ein Nachfolger her, wenn Sony nicht Marktanteile verlieren wolle. Grund genug für das Streuen gezielter und ziemlich detaillierter Gerüchte: So hält man sich die Kunden warm.
Interessant ist in dieser Hinsicht ein vergleichsweise kleiner Markt, der in jeder Hinsicht ein wenig zwischen den Welten steht: Australien zeigt, wie die verschiedenen Marktgänge und Preisinitiativen einschlugen.
Wie überall senkte auch hier Ende April Microsoft die Preise für die sich bis dahin nur sehr schleppend verkaufende Xbox. Von 649 australischen Dollar fiel der Preis auf 399 australische Dollar und verlieh dem Verkauf damit Flügel. Gingen in der vorletzten Aprilwoche gerade einmal magere 912 Xboxen über die Ladentheken, schoss der Verkauf in der ersten Woche nach der Preissenkung auf 12.681 Einheiten hinauf.
Bei Sony Australien knallen derweil zwar keine Sektkorken, aber großartige Sorgen macht man sich dort wohl auch nicht: Im gleichen Zeitraum stagnierte der Verkauf der PS2 weitgehend. Die Zahlen fielen von 3965 verkauften Einheiten gerade einmal auf 3779: Selbst die Preissenkung der Xbox tat Sony nicht besonders weh. Die PS2 hat ihren Markt.
Die Geschichte hat trotzdem mehr als nur eine Moral: Zum einen zeigen die Zahlen klar, dass die Xbox egal, wie teuer sie in der Herstellung sein mag für den Markt zu teuer war. Zum anderen zeigt es, das es viel zu früh wäre, Microsofts großes Experiment auf dem Markt der Konsolen schon abzuschreiben: Der Kampf um Marktanteile ist längst noch nicht entschieden.
Und es zeigt sich, dass, obwohl mit Xbox, PS2 und Gamecube nun drei Konsolen vergleichbaren Standards konkurrieren, die großen Erfolge der PS2 vor allem die Erfolge von gestern sind.
Das weiß auch Sony. Im Sommer sollen der PS 2 noch einmal Flügel wachsen, wenn der Onlinezugang zur Daddelkiste live geschaltet werden soll. Bis August sollen entsprechende Adapter am Markt sein Microsofts Xbox braucht so was nicht: Hier ist die Ethernet-Schnittstelle bereits "on board".
Nintendo, die bisher in elegantem Understatement ihr Produkt als "Kiste für die Kleineren" verkauften, will da nicht zurückstehen: Erstmals tönt es laut und deutlich aus Kreisen des Unternehmens, dass man schon mit "Platz Zwei" rechne. Hilfreich soll da auch der Onlinezugang zum Gamecube sein: Von dem war bisher noch gar nicht die Rede, während die Konkurrenz seit über einem Jahr entsprechende Ankündigungen macht.
Dafür soll es aber ganz besonders schnell gehen: Bereits am 21. Mai will Nintendo ein entsprechendes Konzept auf der Electronic Entertainment Expo (E3) vorstellen. Und wieder setzt sich Nintendo kleine Ziele: Gerade einmal um die Marktführerschaft bei Netzwerkspielen für sechs- bis vierzehnjährige gehe es. Tief angesetzt ist das und könnte zum Tiefschlag werden.
Frank Patalong