Kampf der Konsolen: Willkommen im Daddel-Netzwerk - DER SPIEGEL
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Kampf der Konsolen Willkommen im Daddel-Netzwerk

Der Kampf der Konsolen, glauben Experten, wird online entschieden. Nintendos Gamecube hat den Weg ins Internet schon gefunden, Sony und Microsoft kontern mit eigenen Onlineplänen. Doch der Weg ins Netz hat bei allen seine Tücken.
Von Richard Löwenstein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gute Güte, war Segas Dreamcast-System seiner Zeit voraus. Die Konsole hatte sogar ein Modem eingebaut! Geholfen hat´s nichts. Dreamcast ist seit einem Jahr mausetot, und einen Online-Anschluss, den hatte bis zu dieser Woche keines der verbliebenen Systeme.

Jetzt also geht Gamecube online. Mit dem heutigen Erscheinen des Modems ist die Nintendo-Konsole Sonys Playstation 2 und Microsofts Xbox um einen Schritt voraus, als erste reine Daddelmaschine die Spieler hierzulande miteinander und mit der Welt zu verbinden.

Wenn´s dann mal klappt mit der Verbindung.

Denn schon die Verkabelung hat ihre Tücken. Aus Rücksicht auf den EU-Markt, so die offizielle Version von Nintendo, liegt dem Modem-Zubehör ein Kabel mit quadratischen Western-Steckern bei. Die mögen in vielen europäischen Haushalten gebräuchlich sein, aber bei uns linsen eher längliche TAE-Buchsen aus den Wänden. Einen Adapter für unsere Buchsen legt Nintendo nicht bei, den soll man extra kaufen. In die Röhre guckt außerdem, wer sich von Robert T-Online einen (digitalen) ISDN-Anschluss hat aufschwatzen lassen. Damit tut´s das (analoge) Modem nämlich nur, wenn man einen Digital/Analog-Wandler vorschaltet.

Gamecube kann analog, andere nicht

Löblich immerhin, dass Nintendo überhaupt an die Trödler mit Internet aus ollen Analog- und ISDN-Leitungen denkt. Sony und Microsoft grenzen diese Gruppe von vornherein aus. Playstation 2 und Xbox bekommt man ausschließlich per Breitband-Anschluss ins Web, also nur, wenn DSL-Anschluss, Kabelmodem oder ein Computer-Netzwerk mit T1-Anbindung vorhanden sind.

Breitband kann der Gamecube dabei auch. Dazu braucht´s ein anderes Zubehör, das zwar genauso aussieht wie das Modem, aber auf der Packung "Broadband-Adapter" stehen hat.

Überraschung: Diesem Zubehör liegt nicht etwa ein falsches Kabel, sondern gar keines bei. Muss man extra kaufen. Der Anschluss desselben und das Einrasten des Modems bzw. Breitband-Adapters in eine Aussparung am Boden des Gamecubes kostet nur Sekunden - doch das anschließende Einrichten der Wähl-Software eher Stunden als Minuten.

Im besten Fall muss man nur die Telefon-Nummer des Online-Providers eingeben, dazu Passwörter und Benutzer-Kennungen. Im schlimmsten Fall will Gamecube sogenannte Subnet-Masken, DNS-Server und IP-Adressen kennen lernen, bevor er sich ins Internet einklinkt. Diese endlosen Ziffernfolgen einzutrippeln wäre schon per Tastatur ein nervtötendes Unterfangen, doch mit dem Controller des Gamecubes ist´s zermürbend. Besitzer von Playstation 2 und Xbox sollten aber nicht voreilig grinsen. Auch diese zwei Konsolen nötigen ihre Besitzer durch einen wahren Daten-Schlamassel, bevor sie den Weg ins Internet finden.

Die Tücken der Technik

Immerhin weiß die Telefon-Hotline von Nintendo Rat, und das für nur 12 Cent die Minute. Wenn dann irgendwann alles funktioniert, kommt die verblüffende Erkenntnis - so ein Modem, das macht an sich gar keinen Spaß! Der Gamecube zeigt nach dem Einschalten ein unverändertes Einschaltbild, nichts weist auf den Umbau hin. Schade, aber logisch, denn wie sollte es anders sein ohne Unterhaltungs-Software für die neue Hardware. Dem Zubehör liegt weder ein Spiel noch eine Demo-CD bei.

Null zu fünfzig gegen Nintendo: Null Spaß für fünfzig Euro, denn soviel kosten Modem und Breitband-Adapter. Wer Spaß haben will, muss weitere 55 Euro für das Spiel ausgeben.

Das Spiel, also Einzahl, weil bisher ausschließlich das Abenteuergame "Phantasy Star Online" zum weltweiten abenteuern einlädt. .

Erst Mitte Mai will Nintendo anlässlich der Branchenmesse E3 weitere Online-Pläne offen legen. Nintendo-Chef Axel Herr gibt unumwunden zu, dass ihn Onlinegaming bis dahin wenig interessiert. Er will lieber mit den Offline-Toptiteln "Metroid Prime" und "Zelda" dafür sorgen, dass Gamecube nicht weiter Boden an Playstation 2 und Xbox verliert.

Die Konkurrenz schläft nicht: Microsoft testet "Xbox Live" bereits seit Dezember. Im Sommer ist das Feld komplett - und schon jetzt zeichnet sich ab, dass es die Großen zumindest billiger machen werden. Aber auch besser? Weiter...

Die Konkurrenz schläft nicht

Der Xbox Live-Dienst von Konkurrent Microsoft scheint im Vergleich zum Nintendo-Pendant ausgereifter und durchdachter. Xbox Live läuft schon seit Anfang Dezember 2002 im Testbetrieb. Bisher durften nur privilegierte Gamer beim Motorrad-Rennspiel "MotoGP" um Podestplätze kämpfen oder beim Ballergame "Mechassault" Straßenzüge platt stampfen. Am 14. März nimmt Xbox Live offiziell seinen Dienst auf.

Vorteile des MS-Dienstes: Ausgereifte Technik, ein halbes Dutzend nette Spiele zum Start, und dazu die tolle Idee, dass alle Teilnehmer daddeln und per Headset miteinander plaudern können. Das Headset ist Teil des 60 Euro teuren Starter-Kit, wie Microsoft sein Einstiegs-Zubehör für Xbox Live nennt. Im Gegensatz zum Gamecube-Dienst braucht man keine Monatsgebühren zu bezahlen: Das erste Jahr Xbox Live ist total gratis. Das dem Starter-Kit beiliegende Spiel "MotoGP" lädt sofort zum Start eines Online-Rennens ein.

Sony kontert im Juni

Das mit dem Gratis-Jahr hat auch Sony vor. Fix ist aber noch nix, eine Entscheidung will Sony noch treffen. Es bleibt etwas Zeit.

Erst in der letzten April-Woche will die Playstation 2-Company den Testbetrieb des Online-Dienstes in Deutschland, Frankreich und Spanien aufnehmen. Etwa 2500 Daddler aus diesen drei Ländern sollen daran teilnehmen können. Bewerbungen nimmt Sony auf der Webseite www.playstation.de entgegen, das Los soll entscheiden. Die glücklichen Gewinner werden dann zwar ein paar Euro ärmer sein, dafür aber um einen Breitband-Adapter, eine vier Missionen umfassende Mini-Version des Egoshooter "Socom" und die Gewissheit reicher, Teil einer exklusiven Elite zu sein.

Ab Ende Juni werden normalsterbliche Playstation 2-Besitzer geschätzte 50 Euro gegen einen Breitband-Adapter tauschen dürfen. Der soll dann übrigens die Arbeit aufnehmen, auch ohne dass man eine Kreditkarten-Nummer eintippt. Microsofts Xbox Live setzt dagegen das Vorhandensein von Plastikgeld voraus, "Phantasy Star Online" genauso.

Was darf man dann im Juni auf der Playstation 2 daddeln? Die Vollversion von "Socom" inklusive Headset beispielsweise, das Abenteuer "Everquest Online Adventures" und die spektakuläre Auto-Schrott-Simulation "Destructon Derby Online". Das heiß begehrte Rollenspiel "Final Fantasy XI" wird mindestens bis Ende des Jahres auf sich warten lassen.

2004, sagt Sony, wird Playstation 2 dann zum Multimedia-Portal. Wer dann eine Festplatte hinten in den freiliegenden Schacht schiebt, kann MP3-Musik und Filme aus dem Netz laden. Microsoft sieht Xbox Live dagegen als reines Unterhaltungs-System für Videospieler. Nintendo spielt nach dem aktuellen Modem-Schnellschuss erst mal auf abwarten.

Einiges eint Sony, Microsoft und Nintendo. Sie alle wollen die lukrative Software weiter auf handfesten Datenträgern verkaufen, statt sie zum Download anzubieten. Und alle drei teilen die Meinung, dass Videospieler zwar weltweit miteinander daddeln dürfen, aber nicht mit dem Nachbarn, falls der die falsche Konsole besitzt. Wenn der Kumpel also eine Xbox hat, und man selbst Playstation 2 oder Gamecube - Game over!

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