Kannibalen im Web "Eine neue Dimension"
Die so genannte Kannibalen-Szene in Deutschland ist nach Informationen des MDR-Magazins "Fakt" offenbar aktiver als bisher angenommen. Im Internet seien Hunderte von Kannibalen, Gewaltpornofans und gewaltbereiten Satanisten auf der Suche nach Opfern, berichtet das Magazin in seiner heutigen Sendung (ARD, 21 - 21.45 Uhr). In den Web-Beiträgen werde kaum vorstellbare Gewalt propagiert.
Reporter hätten bei monatelangen Recherchen festgestellt, dass es einem Teil der "virtuellen Folterer und Menschenfresser" dabei um echte Kontakte in die reale Welt gehe. So lauteten Sucheinträge in den einschlägigen Foren "Echte Metzger" oder "Mahlzeit für Kannibalen".
Der Frankfurter Oberstaatsanwalt Peter Köhler sieht in diesen Websites "eine neue Dimension". Hier würden nicht nur Schmerzen zugefügt. "Das Ziel ist es ja zu töten, und das ist etwas, was beängstigen kann", fügte der Staatsanwalt hinzu.
Auch der Abteilungsleiter des bayerischen Landeskriminalamtes Albert Bischeltsrieder zeigte sich bestürzt. Diese im Netz diskutierten Straftaten seien sehr real, sagte der Kriminalist in der Sendung. "Und es ist natürlich ein fließender Übergang zwischen einer virtueller Welt, also bestimmte Straftaten begehen zu wollen, und deren Umsetzung in der Realität."
Unterdessen sind sieben Monate nach Aufdeckung des Kannibalismusfalles im osthessischen Rotenburg die Ermittlungen gegen den tatverdächtigen Armin M. abgeschlossen. Mit einer Entscheidung über eine Anklageerhebung rechnet die zuständige Kasseler Staatsanwaltschaft in "allernächster Zeit". Offen ist, ob der 41-Jährige wegen Mordes angeklagt wird oder lediglich wegen Tötung auf Verlangen. In letzterem Fall würde M. maximal eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren erwarten.