Kartellprozess Microsoft will mehr Zeit
Washington - Im Berufungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen das US-amerikanische Kartellrecht spielt Microsoft weiter auf Zeit. Wie das Unternehmen in der Nacht auf Freitag mitteilte, bestehe Microsoft auf einem Zeitraum von fünf Monaten für die Vorbereitung auf die Anhörungen im Revisionsverfahren. Das knappe halbe Jahr sei notwendig, um alle Streitpunkte in dem Kartellverfahren zu berücksichtigen.
Microsoft reagierte damit auf eine Vorgabe der US-Regierung vom Dienstag, die Anhörungen bereits in drei Monaten zu starten. Ein Ende des Prozesses in absehbarer Zeit, so die Argumentation des Justizministeriums, sei für einen Kernsektor der Wirtschaft von großer Bedeutung.
Der Softwarekonzern warf der Regierung dagegen vor, durch den von ihr vorgeschlagenen Zeitplan die Belastung des Gerichts nicht zu vermindern, sondern die Chancen von Microsoft mit unfairen Beschränkungen zu beeinträchtigen. Das Urteil von Richter Thomas Penfield Jackson vom Frühsommer gefährde die Existenz des Unternehmens.
Microsoft liegt naturgemäß wenig an einer schnellen Entscheidung - immerhin steht die Aufspaltung des Konzerns auf dem Spiel. Entsprechend stark soll das Verfahren in die Länge gezogen werden. So beansprucht der Softwaregigant nicht nur eine ausgedehnte Vorbereitungszeit; der Schriftsatz, der dem Gericht vorgelegt wird, soll auch bislang unerreichte Ausmaße annehmen - vier mal mehr als den Parteien normalerweise zugestanden wird.
Hinter der Microsoft-Strategie steht, so vermuten Analysten, offensichtlich die Hoffnung, dass der ursprüngliche Streitfall bis zu einem endgültigen Urteil durch technologische Entwicklungen in der Computerindustrie irrelevant geworden sei.
Prozessbeobachter rechnen damit, dass das Gericht in den kommenden Tagen über das Datum der Anhörung und die Länge der schriftlichen Eingaben entscheiden wird.