Kasparow gegen Deep Junior Vorentscheidung oder Ausgleich?
Im mondänen New York Athletic Club sitzt Großmeister Garry Kasparow heute Nacht zum dritten Mal dem Schachprogramm Deep Junior gegenüber. Der erstritt in der zweiten Partie ein Remis, nachdem Kasparow die erste souverän gewonnen hatte. Grund genug für den Meister, nervös zu werden?
Weiß ist Kasparows Farbe, und Schwarz - diesen Eindruck konnte man nach der ersten Partie gewinnen - nicht unbedingt Juniors. Mit ein, zwei unerwarteten Zügen in der Anfangsphase konfrontiert sah dieser sich schnell aus seiner Eröffnungsbibliothek gedrängt: Logisch also, dass die Experten heute Nacht eher auf Kasparow tippen. In der zweiten Partie hatte Junior mehr Biss besessen, konnte aber auch seine Angriffsstrategie wählen. In der Defensive traut man ihm weniger zu, als Kasparow im Angriff: Der ist bekanntlich ein Spieler, dem der Angriff liegt.
Doch verwiesen erste Analysen der zweiten Partie sowie Kasparows eigene Reaktionen auf einen leichten Fehler zunächst darauf, dass das Remis der zweiten Partie eher auf Kasparows Lapsus, als auf Deep Juniors Spielstärke zurückzuführen war, zeigten eingehendere Analysen später, dass das Stellungsspiel des Computers so schlecht nicht gewesen war. Eine Frucht der Mühen um eine Optimierung des Rechnerspieles nach der ersten Partie?
Das wird man heute Nacht sehen. Für Junior würde es sehr schwer, ein gutes Ergebnis im Match zu erzielen, sollte er heute nicht zumindest einen Teilpunkt gewinnen. Kasparow wiederum hätte die Gelegenheit, sich bequem abzusetzen: Sollte ihm das 2.5 zu 0.5 gelingen, könnte er die restlichen drei Partien schon relativ relaxed angehen. Man darf gespannt sein - und wir sind live dabei.