Keine Ente Reise nach Indien
Im Sommer 2000 bekam Andrew H. Post: Dem Manager des walisischen Unternehmens Molecular Light Technology (MLT) wurde von einem Angestellten der Ausdruck einer E-Mail-Anfrage vorgelegt, die tatsächlich interessant klang. Ein "Dr. Sunil Hankawanka" aus Indien interessierte sich für die Produkte des Unternehmens. Andrew H. beschloss, zurückzuschreiben.
Ein E-Mail-Wechsel begann, der sich über Wochen hinzog und am Ende in rund 30 Anfragen und Antworten, die teils mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden waren (einmal verlangte Dr. Hankawanka eine Übersetzung ins Urdu), die Umrisse eines viel versprechenden Geschäftes erkennen ließen.
Als Hankawanka schließlich in brüchigem Englisch vorschlug, diese ernsten Dinge ließen sich doch besser Auge in Auge verhandeln, da war Andrew H. bereit: MLT begann, für den Manager eine Reise nach Indien zu arrangieren.
Andrew H. reiste einmal um den halben Globus - die Kosten der Reise werden auf 10.000 bis 14.000 Pfund geschätzt. In Indien angekommen entdeckte der entnervte Manager bald, dass man ihm einen Elefanten aufgebunden hatte und er sich in einer Art unfreiwilligem Urlaub befand: "Dr. Sunil Hankawanka" entpuppte sich als Phantom. Andrew H. war auf einen perfiden E-Mail-Hoax hereingefallen.
Zwei Tage nach seiner Rückkehr nach Wales, berichtete gestern Staatsanwalt Nicholas Jones dem Crown Court in Cardiff, erlitt Andrew H., der seit längerem psychische Probleme hatte, einen Nervenzusammenbruch.
Auf der Anklagebank, berichtet die Cardiffer Lokalzeitung "The Western Mail" in ihrer heutigen Ausgabe, sitzen deshalb Jeremy A., Raymond B. und Ivan L., drei ehemalige Angestellte von MLT. Sie sollen ihren ehemaligen Vorgesetzten auf den Weg nach Indien gebracht haben, nachdem es zum Streit zwischen den inzwischen selbstständigen Ex-Angestellten und ihrer alten Firma gekommen sei.
Die Anklage ist davon überzeugt, dass das Ganze als "Test" begonnen habe, weil die drei ihrer Ex-Firma unterstellten, wichtige E-Mails nicht an sie weiterzuleiten. Trotzdem läge hier ein Fall von Betrug vor.
Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Nicht aussagen wird im gestern begonnenen Prozess Andrew H., der sich von seinem Nervenzusammenbruch im Juli 2000 nicht erholt habe und sich weiterhin in stationärer Behandlung befinde.