"Kinder statt Inder" Indische Software-Industrie kritisiert Rüttgers
Neu Delhi - "Die Äußerungen sind völlig unbegründet", sagte Dewang Mehta, Vorsitzender des indischen Software-Verbandes NASSCOM. Die indischen Ingenieure würden nur für kurze Aufenthalte von ein bis zwei Jahren nach Deutschland kommen. Und nicht alle würden ihre Familien mitbringen, sagte Dewang in Bezug auf Rüttgers Äußerung, ein Engagement von 30.000 Computerexperten würde eine Zuwanderung von insgesamt 150.000 Indern mit sich bringen. Auch Rüttgers Vorwurf, es sei "schlichtweg unmoralisch", aus Ländern der Dritten Welt die Eliten abzuziehen, kann der Experte nicht nachvollziehen. Eine Gefahr für Indien sehe er durch den vorübergehenden Abzug der Experten nicht: "Dies ist das Zeitalter der Globalisierung, und die Initiative würde beiden Ländern nützen."
Rüttgers hatte seine Bemerkung zuletzt ausdrücklich verteidigt. "Ich habe da überhaupt nichts zurückzunehmen", sagte er als Reaktion auf den von Bundeskanzler Schröder und weiteren SPD Politikern geäußerten Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Kürzlich hatte auch der Direktor der Deutsch-Indischen Handelskammer in Bombay, Günther Krüger, Rüttgers erheblich kritisiert. Das Ansehen Deutschlands drohe sich innerhalb der indischen Bevölkerung zu verschlechtern. Vor allem Rüttgers Bemerkung, dass "jetzt auch noch Hindus" nach Deutschland kommen würden, sorgte für erhebliche Verstimmungen in der indischen Öffentlichkeit.
Kritikwürdig findet den Green-Card-Ansatz dagegen die SPD-Jugendorganisation Jungsozialisten (Jusos). Sie warnt vor einer "drohenden Ausbeutung von Schwellenländern" und forderte, die deutsche Industrie zu verpflichten, für jede Fachkraft einen Ausgleich an das entsprechende Land zahlen.