Klage Der kleine Prince ist sauer
Nicht schuldig, sagt Matthew Lankford. Der Betreiber der Website FreeMyHeart.com bekam Anfang der Woche Post, und ziemlich prominente: Paisley Park Enterprises verklagt den Klein-Web-Publisher. Hinter dem Unternehmen verbirgt sich niemand anderes als Prince, der Musiker im Dauerclinch mit der Musikindustrie.
Von der sagte sich Prince schon vor Jahren los: Die Streitigkeiten mit seinen ehemaligen Plattenfirmen Warner, Emi und Arista (BMG) eskalierten stets im Bruch zwischen Künstler und Label. Und weil Warner über Jahre gar die Rechte am Künstlernamen Prince hielt, wechselte der die Identitäten wie andere Leute das Unterhemd: "Symbol" hieß er zeitweilig, "TAFKAP" zu anderen - "The Artist formerly known as Prince".
Pünktlich zum Höhepunkt des Streits kam der Siegeszug des WWW, und Prince stürzte sich auf die verheißungsvolle Möglichkeit, künftig die Funktion des Plattenlabels überflüssig zu machen. Als weltweit erster prominenter Künstler begann er damit, seine Werke (fast) ausschließlich über das Web zu vertreiben.
- Das Prince-Portal
- FreeMyHeart:Bekannt gemacht durch die Klage von Prince gegen das Musikportal
- Prince.org:Die Vereinigung der Fans
- Kontrastprogramm:Die Website des Prince of Wales
Für ihn hatte das durchaus Konsequenzen: Neben einer spürbaren Genialitäts-Flaute trug auch das zeitweilige Verschwinden aus den Plattenläden dazu bei, Prince zu einem Superstar von gestern zu machen. Die Fans blieben ihm zwar treu, doch von Verkaufszahlen wie zu "Purple Rain"-Zeiten kann der kleine Prinz heute nur träumen.
Heute ist Prince wohl einer der wenigen Musiker, die von ihrem Web-Vertrieb nicht nur ganz erquicklich leben, sondern damit auch Gewinne erwirtschaften, die Firmen erwähnenswerter Größe am Leben halten. Doch die Zeit der Megamillionen ist vorbei.
Entsprechend empfindlich reagiert Paisley Park, Princes' Vermarktungsfirma, auf Wilderer im prinzlichen Revier. Pech für Lankford: Über seine Website gelangte man zu MP3-Dateien mit unautorisierten Mitschnitten von Prince-Konzerten - so genannten Bootlegs. Doppeltes Pech: Justamente von diesen Konzerten bietet Paisley Park eine Drei-CD-Box mit Live-Mitschnitten an.
Los rollt die Prozesslawine: Ein seit längerem gut geübter Reflex. Bereits 1999 verklagte Prince über Paisley Park neun verschiedene Websites, die Bootleg-Mitschnitte seiner Konzerte anboten.
Das, sagt Matthew Lankford, habe er aber gar nicht getan: Seine Webseite verweise nur mit Links auf Dateien, die auf anderen Servern zu finden seien. Die Paisley-Park-Anwälte interessieren solche Feinheiten nicht und wollen die Klage trotzdem vorwärts treiben. Das macht die ganze Sache erst relevant: Quasi als Nebeneffekt des Streits Musiker gegen Bootleger wird Amerika damit ein erster Musterprozess beschert, der weitreichende Auswirkungen haben könnte. Denn im Grunde geht es nun nicht mehr um Musik: Es geht um die rechtliche Verantwortung für Links.
Frank Patalong