Klimaschutz: 100.000 Protest-E-Mails gegen Bush - DER SPIEGEL
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Klimaschutz 100.000 Protest-E-Mails gegen Bush

Umweltorganisationen rufen dazu auf, das Weiße Haus mit Protest-Mails gegen US-Präsident George W. Bushs Klimapolitik zu überfluten.
Von Holger Kulick
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Bushs Abneigung gegen das Internet dürfte sich gegenwärtig verstärken. Mehrere Umweltorganisationen appellieren im Internet dafür, seine Mailbox im Weißen Haus in Washington mit E-Mails zu überfluten. Anlass des Aufrufs ist die Weigerung des amerikanischen Präsidenten, das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase zu akzeptieren. Bush weist die längst ausgehandelte Verpflichtung zur Kohlendioxid-Reduktion mit dem Argument zurück, dies "mache ökonomisch keinen Sinn für Amerika".

"Lassen Sie George W. Bush spüren, was Klimawandel bedeutet und wie viele Menschen darüber besorgt sind", fordert unter anderem die Gesellschaft "Freunde der Erde" im Internet auf, ein Verband von mehr als 30 Umweltorganisationen. Dem "Texas oil-man Bush" wirft die Organisation vor, dass Kyoto-Protokoll zerstören und sich umweltpolitisch isolieren zu wollen.

Bereits 100.000 Mails an den Präsidenten registriert

Auf ihrer Website "www.foeeurope.org" bieten die "Freunde der Erde" (friends of the earth) weitere Informationen zum Thema und Textmuster für einfallslosere E-Mail-Autoren an, außerdem als wichtigste Anschriften: president@whitehouse.gov oder vice.president@whitehouse.gov . Die Initiative bittet aber um Duplikate der Texte, um sie später zu dokumentieren.

Bislang habe man über 100.000 E-Mails an George W. Bush gezählt. Laut "Freunde der Erde" würden zu Stoßzeiten im Sekundenabstand Protestmails im Weißen Haus eingehen.

Vielfältiger Druck auf die US-Regierung

Die Berliner Initiativgruppe "www.thepeoplesproject.com" , eine Ideenwerkstatt von Künstlern, Werbefachleuten und Wissenschaftlern empfiehlt unter dem Motto "climatize the White House" Bittbriefe aus dem gleichen Anlass auch an die Ehefrauen des Präsidenten und seines Vize Richard Cheney zu schicken, und zwar an: first.lady@whitehouse.gov und mrs.cheney@whitehouse.gov .

Außerdem nennt "thepeoplesproject" in einer Rundmail die Telefonnummer und den Fax-Anschluss des Weißen Hauses, um Amerikas Regierung direkt zu erreichen.

Wirkungslose Umweltallianz?

Auch in den USA mehren sich inzwischen Appelle an Präsident Bush, im Netz, per Post und via Medien. "Die Zeit drängt zum Konsens und zum Handeln" rufen beispielsweise mehrere Prominente in einem offenen Brief im "Time Magazine" auf. Darunter die Ex-Präsidenten Jimmy Carter und Michail Gorbatschow, aber auch George Soros, Walter Cronkite, Harrison Ford und der Wissenschaftler Stephen Hawking, der mit seinem Daumendruck unterzeichnet hat. Sie drängen Bush, dass er trotz seiner Bedenken gegen das Kyoto-Protokoll, umgehend Strategien entwickeln lässt, weniger Treibhausgase in den USA zu produzieren: "Die Zukunft unsere Kinder und ihrer Kinder hängt davon ab, welche Entschlossenheit Sie und andere Staatsführer in dieser Frage zeigen", heißt es in dem Aufruf.

Bislang bleibt Amerikas neuer Präsident jedoch stur.