Kommentar: Am Ende gewinnt der Verbraucher - DER SPIEGEL
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Kommentar Am Ende gewinnt der Verbraucher

Dieser Kommentar kommt - für Online-Verhältnisse - spät, und das hat vier gute Gründe. Die lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Absturz meines Rechners um 10.12 Uhr, um 11.03 Uhr, um 11.42 Uhr und um 12.24 Uhr. Allgemeine Schutzverletzung. Das hält auf.
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Vielleicht sind es solche "Reibungsverluste" bei der Arbeit mit dem (Windows-) PC, die Werner Senger, Geschäftsführer des Bundesverbands Informations- und Kommunikations-Systeme im Sinn hat, wenn er meint, mehr Wettbewerb könne sich "positiv auf die Qualität der Produkte" auswirken?

Nein, meinen Microsoft-Vertreter: Eine Aufspaltung des Unternehmens gehe klar auf Kosten der Verbraucher. Niemand wolle schließlich die Kompatibilitäts-Probleme noch einmal erleben, die den PC-Alltag in den Achtzigern beherrschten. In den Worten von Microsoft-Sprecher Kurt Braatz: "Die Kommunikationsfähigkeit von weiten Teilen der Wirtschaft ist ziemlich eng mit dem Namen Microsoft verbunden."

Stimmt. Den "Industrie-Standard", den Microsoft mit Windows schuf, darf sich das Unternehmen sowohl als Sünde (Monopol) als auch als Verdienst ins Stammbuch schreiben. Ob sich die Kompatibilität von Computerplattformen allerdings künftig noch an Betriebssystemen wird festmachen lassen, darf bezweifelt werden. Brutal gesagt: Im Internet-Zeitalter kommt es nicht mehr darauf an, ob alle auf einer Plattform arbeiten, sondern darauf, dass alle Plattformen über das Internet miteinander kommunizieren können. Längst hat Microsoft ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen: Apple ist wieder erstarkt und die Open-Source-Bewegung feiert mit ihrem Flaggschiff Linux Erfolge. Jeder Entwickler von Anwendersoftware ist künftig zudem gefordert, Dateiformate zu nutzen, die kompatibel zum - wie auch immer definierten - "Standard" sind.

Den gab in den letzten 15 Jahren Microsoft vor - und auch eine Aufspaltung des Unternehmens muss daran nicht zwangsläufig etwas ändern. Brancheninsider trauen dem Unternehmen zu, auch eine Zweiteilung zum eigenen, finanziellen Vorteil nutzen zu können. Börsianer, die Nase stets im Wind, wissen das: Das Urteil verursachte nicht etwa einen Kursrutsch der Microsoft-Aktie, sondern ein Plus.

Über die nächsten Jahre wird sich erst einmal wenig ändern, Prozess auf Prozess folgen. Am Ende wird es wieder mehrere "Plattformen" geben - und darauf aufgesetzt Anwendersoftware, die trotzdem Kompatibilität aller wichtigen Dateiformate garantiert. Der Linux-Verband "Live" forderte folgerichtig nur Stunden nach der Urteilsverkündung "die Dokumentenformate und Schnittstellen der Microsoft-Betriebssysteme offen zu legen".

Ob im Markt künftig ein oder zwei Microsoft-Unternehmen mitmischen werden, ist letztlich irrelevant: "MS" wird am Ende zu den Gewinnern gehören. Und auch die Verbraucher, denn ob das Urteil nun vollstreckt wird oder nicht, die Zeit der "marktbeherrschenden Stellung" Microsofts geht ihrem Ende entgegen. Es wird mehr Wettbewerb, mehr Vielfalt geben. Und das ist im Sinne des Verbrauchers.