Kompromiss: Inhaftierter Blogger kommt frei - DER SPIEGEL
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Kompromiss Inhaftierter Blogger kommt frei

Er hat länger in Beugehaft gesessen als je ein US-Journalist. Jetzt, nach mehr als sieben Monaten, ist Blogger Josh Wolf aus San Francisco wieder frei. Der Deal: Er muss nicht vor Gericht aussagen, veröffentlicht aber sein Video einer Antiglobalisierungs-Demonstration.
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Nach 226 Tagen in Beugehaft ist der Blogger Josh Wolf (24) heute in San Francisco aus dem Gefängnis entlassen worden. Wolf hatte sich geweigert, den Behörden ein Video zu übergeben, das er im Juli 2005 während einer Demonstration von Globalisierungsgegnern und Anarchisten in San Fransisco gedreht hatte. Bei den Protesten gegen den G-8-Gipfel im schottischen Gleneagles war ein Polizist verletzt worden. Außerdem sollen Demonstranten versucht haben, ein Polizeiauto anzuzünden.

Wolf nennt seine Freilassung einen "Sieg". Der Zeitung "Washington Post" sagte er: "Es ist ein großes Problem, dass Behörden versuchen, Reporter als Ermittler für ihre Untersuchungen zu benutzen." Dieser Versuch sei in seinem Fall gescheitert, erklärt Wolf in seinem Blog : "Ich konnte das Video solange nicht veröffentlichen, bis ich die Zusage des Staatsanwalts hatte, dass dies nicht als bedingte Kooperation betrachtet werden würde, was die Behauptungen der Staatsanwaltschaft gestärkt hatte, dass ich dazu gezwungen werden könnte." Außerdem wollte Wolf auf keinen Fall vor Gericht als Zeuge der Demonstrationen aussagen.

Der Blogger beantwort zwei Fragen des Staatsanwalts

Beides habe ihm die Staatsanwaltschaft zugesagt, versichert Wolf. Seine Zugeständnisse an die Behörden: Er hat zugesagt, zwei Fragen zu beantworten, die er zuvor lesen durfte. Nein, er weiß nicht, wer die Person ist, die während der Demonstration einen Gegenstand auf ein Polizeiauto geworfen hat. Nein, er weiß nicht, wen der später verletzte Polizist Pete Shields verfolgt hat. "Ich denke, es war eine gute Entscheidung, diese Frage zu beantworten" sagte Wolf dem Nachrichtenmagazin "CNET".

Außerdem hat Wolf zugestimmt, das Video auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Beweise für Gewalttaten sind nicht zu entdecken. Man sieht Interviews mit friedlich herumstehenden Demonstranten, Gespräche mit Vermummten, Aufnahmen von Menschen, die Protestplakate ("Zerstört die Kriegsmaschine") durch die Straßen tragen. Eine Szene zeigt, wie ein Mädchen einen Zeitungskasten als Blockade auf die Straße zerrt – mehr Gewalt ist nicht auszumachen.

Wolf vermutet "politische Kampagne" gegen Blogger

Wolf selbst kommentiert in seinem Blog die Bilder so: "Es ist nichts Wertvolles in diesem unveröffentlichten Material." Es sei der Staatsanwaltschaft nicht nur darum gegangen, herauszufinden, wer das Polizeiauto angezündet habe, vermutete Wolf gegenüber "CNET". Die Untersuchung sei auch eine "hässliche politische Kampagne" gewesen, die absichtlich nicht gegen einen Journalisten, sondern gegen einen Blogger geführt wurde.

lis