Internetzugang Kubaner dürfen jetzt private WLANs aufbauen
Internetnutzerinnen in Havanna
Foto: Desmond Boylan / APWer durch die Straßen von Havanna spaziert, sieht an vielen Plätzen der Stadt größere Ansammlungen von Menschen sitzen, die sich über ihre Smartphones oder Laptops beugen. Weil in Kuba kaum jemand einen Internetanschluss zu Hause hat, sind WLAN-Hotspots der einfachste Weg für die Kubaner ins Netz. Doch es gibt nur wenige dieser offenen Netzwerke, manche waren bisher auch illegal.
Das soll sich nun ändern. Seit Montag erlaubt die kommunistische Regierung ihren Bürgern, WLAN auch in den eigenen vier Wänden zu nutzen. Der Import von entsprechenden Routern wurde auf der Insel zugelassen, wer einen solchen hat, kann zu Hause sein privates Netzwerk installieren und für andere öffnen. Besonders für Restaurants, Cafés oder kleine Pensionen dürfte das interessant sein, schließlich verlangen vor allem auch Touristen einen Internetzugang. Gleichzeitig werden die vielen mit illegalen Antennen aufgebauten Hotspots legalisiert.
Um den Zugang zum Internet zu erleichtern, hatte die Regierung bereits im vergangenen Dezember mobiles Internet über ein 3G-Netzwerk eingeführt. Die Kubaner können sich seitdem Datenpakete für ihre Smartphones kaufen. 2,5 Millionen der 11,2 Millionen Einwohner tun das. Aber nur 80.000 Haushalte haben einen eigenen Internetanschluss.
Mehr Nutzer, aber nicht mehr Anschlüsse
Daran dürfte sich auch durch die neuen Regeln wenig ändern. Die Anschlüsse sind schlicht viel zu teuer. Das Land steckt in einer Wirtschaftskrise, vielen Kubanern fehlt selbst für Lebensmittel das Geld. Erhöhen wird sich höchstens die Zahl der Internetnutzer, weil es mehr Hotspots geben wird.
Zudem läuft das Internet weiterhin nur über den staatlichen Telefondienst Esecsa. Damit wird das Netz - wie schon zuvor - vom Staat überwacht und zensiert. Viele regierungskritische Seiten können nicht aufgerufen werden.
Vize-Kommunikationsminister Ernesto Rodriguez Hernandez sagte in einem Interview, die kubanische Regierung wolle die Bevölkerung durch die Einschränkung von Inhalten "erziehen". Nicht alles im Internet sei gut. "Es bringt nichts, jenen einen Internetzugang zu ermöglichen, die nicht zwischen Nützlichem und Schädlichem unterscheiden können."
Anfang Juli veröffentlichte die Regierung eine Reihe von Verordnungen zur "verantwortungsvollen Nutzung durch die Bürger". Das Netz solle ein "Instrument zur Verteidigung der Revolution" sein, heißt es.
3G-Datenpakete sind zu teuer
Trotz der Zensur glaubt Yossi Mekelberg, Senior Consulting Research Fellow am Forschungsinstitut Chatham House und Professor an der Regent's University in London, dass sich die Regierung einen Schritt in Richtung Globalisierung bewegt. Sie sei "auf der Suche nach einem Weg, sich einerseits zu öffnen und gleichzeitig ihre sozialistischen Werte beizubehalten", sagte Mekelberg dem SPIEGEL. Auch in anderen Bereichen könne man einen Öffnungsprozess beobachten, etwa im Tourismus, der auf der Insel boomt. "Vor allem die junge Bevölkerung, die in Kuba sehr gebildet ist, will das Internet", sagt Mekelberg.
Welchen Stellenwert das Internet für die Kubaner hat, zeigte vor einigen Wochen eine Social-Media-Kampagne. Unter dem Hashtag #BajenLosPreciosDeInternet (auf Deutsch: "Senkt den Preis für das Internet") forderten Hunderte Einwohner günstigere Netztarife. Sieben Dollar kostet ein Datenpaket mit 600 Megabyte umgerechnet - viel Geld für ein Land, in dem der Durchschnittslohn bei monatlich 50 Dollar liegt.
Der Hashtag wurde tausendfach auf Twitter geteilt, es waren die größten Proteste im Land seit Jahren - wenn auch nur virtuell. "Die Regierung hat das verstanden", glaubt Mekelberg.
Er vermutet, dass die Ausweitung des Internetzugangs mit der Zeit auch zu einem Abbau der Zensur führen wird. Die Behörden würden sich an abweichende Stimmen gewöhnen und sie akzeptieren, sagt er. "Je weiter man das Netz öffnet, desto schwieriger wird es sein, es zu kontrollieren."