Künstler malen schrecklich-schöne Computerviren - DER SPIEGEL
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Computer Virus Catalog: So stellen sich Künstler digitale Fieslinge vor

Foto: HORT

Künstler malen digitale Schädlinge Schrecklich-schöne Computerviren

Computerviren bestehen aus Zahlen und Buchstaben, aus Steuerbefehlen, die sich auf den ersten Blick nicht von denen völlig harmloser Software unterscheiden. Der "Computer Virus Catalog" zeigt, wie sich Künstler die digitalen Fieslinge vorstellen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als der Chaos Computer Club den Staatstrojaner enttarnte, ein Spionagewerkzeug deutscher Behörden von höchst fragwürdiger Legalität, druckte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" reihenweise Programmcode ab: var_40= dword ptr -40h, sbb ecx, ecx, and ecx, 0FFFFFFF8h, und immer so weiter.

Mit den kryptischen Steuerbefehlen können nur Eingeweihte etwas anfangen. Auf den ersten Blick lässt sich der Code nicht von einem harmlosen Programm unterscheiden: Der Schrecken gelöschter Dateien und fiepsender Rechner verbirgt sich in banalen Befehlsketten.

Der "Computer Virus Catalog"  zeigt statt schnödem Maschinencode knallbunte Bilder. Bas van de Poel  hat Designer, Illustratoren und Künstler gesucht, die berühmten Computerviren ein Aussehen geben. 23 berüchtigte Schädlinge gibt es in der digitalen Ausstellung des Kurators aus Amsterdam nun zu sehen.

Darunter ist auch der Marburg-Virus, der sich 1998 vor allem über die CD eines Spiels verbreitete. Drei Monate nach der Infektion malte das Programm Fehlerzeichen über den Windows-Bildschirm. Eike König, Gründer des Berliner Studios HORT, zeigt dazu ein schwarz-weiß-rotes durcheinander aus Icons und Fenstern.

Passwörter zu Pornoseiten

Während aktuelle Viren den Rechner geradezu entführen und mit offiziell aussehenden Warnmeldungen Geld von den Nutzern erpressen, sind einige der im Katalog gezeigten Viren älteren Datums und deutlich verspielter. Das Lichen-Virus, das auf MS-DOS-Rechnern psychedelische Muster malte, zeigt Jonathan Zawada als 3D-Bildnis aus Steinfiguren und grün glühender Lava.

"Ich war schon immer von der dunklen Seite des Computings fasziniert", sagt van de Poel. Die Idee zum Kunstprojekt hatte er, als er erfuhr, dass der Programmierer das gefährliche Melissa-Virus nach seiner Lieblingserotiktänzerin benannte. Das Programm hatte er in einer Datei versteckt, in der Passwörter zu Pornoseiten gesammelt waren.

Der Katalog ist auch ein Streifzug durch die Geschichte der Computer-Schadprogramme, und so gibt es ein Wiedersehen mit ILOVEYOU, Cookie Monster und Sircam. Wer schon einmal einen seiner Rechner von einem der digitalen Piesacker hat befreien müssen, dem könnte der Katalog außerdem einen Schauer über den Rücken laufen lassen.