Kunst am Körper: 1441 - "No War am Arsch" - DER SPIEGEL
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Kunst am Körper 1441 - "No War am Arsch"

In Anlehnung an die Uno-Resolution haben zwei Künstlerinnen aus Köln 1441 Bundeswehrfeldtarnhosen gekauft. Auf den Allerwertesten drucken sie ein deutlich sichtbares "No War". Verkauft werden die Camouflage-Hosen auf ihrer Homepage: Das ist erfolgreicher E-Commerce.
Von Martin Stümper
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Keine vier Wochen ist es her, dass Zehntausende Deutsche demonstrierend und "No War" skandierend durch die Straßen marschierten. Viele prophezeiten schon eine ähnlich große Friedensbewegung wie Anfang der achtziger Jahre. Demonstrieren war wieder schick. Doch viel ist davon nicht geblieben. Nur einen Modetrend glauben Sarah Siegl, 29, und Vivian Vrancken, 29, aus Köln mit ihren "Junktroop"-Hosen setzen zu können.

Die beiden Künstlerinnen sind entsetzt darüber, dass gut einen Monat nach Kriegsende niemand mehr vom Krieg spricht. Siegl: "Als der Krieg nach ein paar Wochen vorbei war, haben doch alle gedacht, es sei ja noch mal gut gegangen, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Gehen wir zum nächsten Punkt über."

Die Hose, ein Appell

Die Idee, Feldtarnhosen im Internet zu verkaufen, kam den beiden Absolventinnen der Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln, als sie im Januar selbst auf einer Demo waren. "Wir haben da unglaublich viele Menschen in diesen Army-Klamotten gesehen. Das ist ja seit einiger Zeit ziemlich trendy. Und da haben wir uns gedacht, eigentlich ist das doch ein bisschen pervers und makaber, und sind auf die Idee gekommen, solche Hosen zu kaufen."


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Ingesamt 1441 echte Feldtarnhosen der Bundeswehr stapeln sich jetzt also in Siegls Wohnzimmer. 1441, eine symbolische Zahl für Vrancken: "Ich kenne nur eine Uno-Resolutionsnummer, eben 1441, die wird sich wohl in mein Hirn brennen und die Nummer steht dafür, dass die Uno wirklich probiert hat, den Krieg zu verhindern. Deshalb ist diese Idee mit den Hosen unser Appell, dass man die Uno als weltpolitische Instanz nicht übergehen sollte."

Um den Appell optisch zu untermalen, bekommt jede Hose deutlich und weiß "No War" aufs Hinterteil gedruckt. Keine wirklich neue Idee, aber "ein schön bedruckter Po, der hat doch was. Wir wollen mit dieser Hose auch provozieren. Wir wollen nicht sagen: No war - am Arsch. So soll das bitte nicht verstanden werden."

Spenden an die Uno-Flüchtlingshilfe

Verkauft wird im Internet. Und weil die Kölnerinnen nicht nur provozieren, sondern auch etwas Gutes tun wollen, gehen von jeder verkauften Hose 14,41 Euro an die Deutsche Stiftung für Uno-Flüchtlingshilfe in Bonn. Denn die Deutschen haben mit dem Krieg auch ihre sonst so großzügige Spendenbereitschaft aus den Köpfen verbannt.

Die, beschwert sich Siegl, liege quasi bei null, "weil einfach weniger Flüchtlinge da sind, als alle gedacht haben, und weil eben die Bilder auch nicht da waren. Und da haben sich die Leute gedacht, warum sollen wir denn spenden, ist doch gar nichts passiert."


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Bei der Uno-Flüchtlingshilfe e.V. ist man für die Unterstützung durch die 1441-No-War-Initiative von Junktroop sehr dankbar - und hält die Idee für passend.

Editha Limbach, Vorsitzende der Deutschen Stiftung für die Uno-Flüchtlingshilfe: "Während in Dutzenden Ländern der Welt Krieg geführt wird, bevölkern bei uns Military-Hosen die Straßencafés und Fußgängerzonen. Die Initiative der Kölner Künstlerinnen kommt zum richtigen Zeitpunkt: Der Irak-Krieg ist erst vor kurzem zu Ende gegangen und droht schon aus den Köpfen der Menschen zu verschwinden. Doch gerade jetzt brauchen die irakischen Flüchtlinge unsere Hilfe für den Wiederaufbau."

Anleitung zum Maßnehmen im Netz

Die Hose für den guten Zweck kostet allerdings satte 109 Euro. Kein Schnäppchen, aber dafür bekommt man ein beinahe maßgeschneidertes Unikat. Denn Siegl und Vrancken haben alle Hosen exakt ausgemessen - und Kunst hat ihren Preis.

Wer bei der Bestellung die genaue Länge und Breite einer eigenen gut sitzenden Hose angibt, bekommt das Gegenstück in Camouflage. Die Anleitung zum Ausmessen gibt es übrigens auch im Netz. Wer sich beeilt, wird bedient, noch sind alle Größen lieferbar."First come - first serve. Wir haben auch Hosen, da passen wir beide rein, echt riesig, da kann man drin zelten. Bei der Bundeswehr gibt's wohl nicht nur gut trainierte Kerle."