Kunst im Netz: Auf der Suche nach Warhol - DER SPIEGEL
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Kunst im Netz Auf der Suche nach Warhol

Wer schon immer glaubte, ein verkanntes Kunstgenie zu sein, hat jetzt eine einmalige Gelegenheit: Niemand Geringeres als Charles Saatchi hat sich mal wieder auf die Suche nach dem neuen Popstar der Kunst gemacht - im Internet, mit Community-Hilfe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der exzentrische Londoner Galerienbesitzer will diesmal nicht wie sonst seinen eigenen Geschmack entscheiden lassen, sondern vielmehr die Internetnutzer in aller Welt. Sie sollen per Mausklick den neuen Andy Warhol küren. Mitmachen bei der Aktion "Showdown" kann jeder, gewinnen letztlich auch.

"Showdown ist eine einzigartige Gelegenheit für Künstler, ihre Werke einem breiten Publikum zu zeigen", preist Saatchi seine Idee an. Wer mitmachen will, muss sein Gemälde oder Kunstwerk einfach auf der Internetseite der Saatchi-Galerie  einstellen - und dann auf das Votum der Internetgemeinde warten. Jeder Besucher der Website kann für jedes Bild auf einer Skala von eins bis zehn sein Votum abgeben.

Derzeit sind vor allem Ölgemälde zu sehen; darunter auffallend viele mehr oder weniger gelungene Porträts. Die ganze Aktion soll sechs Monate lang dauern, am Ende sollen dank der Voten der Internetnutzer aus vermutlich Zehntausenden angebotenen Kunstwerken die besten zwölf herausgefiltert werden. Diese treten dann zum großen Finale an - der Sieger soll der neue Star am derzeit boomenden Kunstmarkt werden. "Wenn man allein die Zahl der Klicks in der ersten Woche sieht, dann wird der Sieger voraussichtlich von einer großen internationalen Gemeinschaft gewählt - und hat damit automatisch über Nacht weltweit einen Namen", sagt ein Saatchi-Sprecher.

Zunächst einmal winken dem Sieger rund 1500 Euro Preisgeld - und viel wichtiger: Das Kunstwerk wird ab Oktober im Nobelviertel Chelsea für drei Monate am neuen Standort der Saatchi-Galerie gezeigt. Diese zählt jährlich rund 600.000 Besucher und hat sich weltweit einen Namen als Anlaufstelle für moderne Kunst gemacht - ebenso wie Charles Saatchi. Der frühere Werbefachmann ist dafür bekannt, auf der Suche nach neuen Künstlern stundenlang durch die kleinen, unbekannten Galerien und Ateliers Londons und anderer Metropolen zu streifen. Der heute 63-Jährige war es, der unter anderem die Kunstrebellen Damien Hirst und Tracey Emin bekannt und auch reich machte.

Auch heute noch schaut sich Saatchi nach eigenen Angaben gern in Künstlervierteln um. Erfolgversprechender bei der Suche nach dem neuen Megastar erscheint ihm aber derzeit das Internet mit seiner weltweiten Vernetzung. "Es ist sehr schwierig für die meisten Künstler, ihre Werke einer großen Öffentlichkeit zu zeigen", weiß der Kunsthändler. "Unser Wettbewerb wird Tausenden die Möglichkeit geben, sich weltweit zu präsentieren." Und dies ist nicht gelogen: Die Website der Galerie zählt täglich mehrere Millionen Besucher. Allein durch das Mitmachen beim "Showdown" bekommen zumindest Laienkünstler mehr Aufmerksamkeit, als sie jemals zu träumen wagten.

Auf die Idee für den "Showdown" ist Saatchi übrigens durchs Surfen im Internet gekommen, genau genommen durch die äußerst umstrittene Website Hot or Not . Auf ihr kehren die Teilnehmer nicht durch ihre Bilder ihr Innerstes nach Außen - im Gegenteil. Auf www.hotornot. com zählt nur das Äußere. Jeder, der will, kann ein Foto von sich selbst einstellen - und seine eigene Attraktivität von der Community beurteilen lassen.

Von Antje Gemeinhardt, AFP