Kurz und knapp: Das Wort zum Dienstag - DER SPIEGEL
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Kurz und knapp Das Wort zum Dienstag

Hacker klauen Cisco-Quellcode + 521-Millionen-Dollar-Klage: Microsoft gewinnt Aufschub + Softwarepatente: Tag der Abstimmung + US-Flüge: High-Fly mit WiFi + USA speichern Daten europäischer Passagiere + Aachener brechen Weltrekord im Dauer-Glotzen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cisco: Internes Leck oder Hackereinbruch?

Die Gerüchte über den zumindest teilweisen Diebstahls des Quellcodes von Ciscos Internetwork Operating System IOS haben sich bestätigt. Teile des Quellcodes wurden über eine russische Webseite veröffentlicht. Wie der Code dorthin gelangt ist, prüft Cisco nun nicht nur Firmenintern, sondern auch assistiert vom FBI und anderen Behörden.

Denn Angriffe auf das IOS würden die Stabilität und Sicherheit des Internet gefährden. Cisco ist unter den Entwicklern und Herstellern von Routern und Switches für den kommerziellen Einsatz der dickste Player am Markt, IOS ist entsprechend weit verbreitet.

Prinzipiell ließe sich der Quellcode dazu nutzen, Angriffspunkte im IOS-Betriebssystem zu finden und anzugreifen. Ob das geschehen wird, steht jedoch in den Sternen: Selbst identifizierte Windows-Lecks werden längst nicht immer angegriffen. Der "Washington Post" sagte die Hackerlegende Kevin Mitnick, dass einzig die Veröffentlichung des Quellcodes über eine Webseite ungewöhnlich sei: Cisco-Quellcode kursiere in Hackerkreisen schon seit längerem.

Eolas-Prozess: Aufschub für Microsoft

Ob Microsoft nun 521 Millionen Dollar wird zahlen müssen, weil sich aus den Programmen der Firma heraus per Mausklick andere Programme aufrufen lassen, bleibt weiter abzuwarten: Die ursprünglich vom Gericht gesetzte Frist, bis zum 17. Mai einen Einspruch gegen das sensationelle Urteil einzureichen, wurde bis zum 3. Juni verlängert.

Damit gewinnt Microsoft zwei kostbare Wochen, das Urteil von einer ganz anderen Seite her anzugehen: Der Softwareriese will, dass das heftig umstrittene Patent der Firma Eolas auf das Prinzip, per Klick Programme aus Programmen zu starten, von der US-Patentbehörde aufgehoben wird. Die prüft das tatsächlich, was echten Seltenheitscharakter hat: Was die Behörde einmal entscheidet, revidiert sie nur äußerst selten - selbst wenn sich ein vergebenes Patent als triviale, bloße Abzocke erweist.

Softwarepatente: Highnoon in Brüssel

Überraschend offen erscheint das Ergebnis der für heute erwarteten Abstimmung im EU-Ministerrat zur Frage der Softwarepatente. Angeblich favorisieren Kommission und Ministerrat den Ansatz, der europäisches Recht weitgehend mit US-Recht gleichschaltet und Groß- und hier insbesondere US-Unternehmen, die über viele Patente verfügen, begünstigt. Vertreter kleiner und mittelständischer europäischer IT-Unternehmen wehren sich da mit Händen und Füßen, sehen den Bestand ihrer Geschäfte bedroht. Beim Europaparlament hatten sie bereits Erfolg: Die EU-Volksvertreter kassierten den Antrag mit deutlicher Mehrheit dagegen.

Heute nun kommt der zweite Anlauf, in einer leicht revidierten Form. Ob allerdings der Ministerrat weiterhin so fest hinter dem Entwurf steht, ist fraglich: Die Vertreter Deutschlands wackeln seit einigen Wochen. An Stelle der Zustimmung soll als deutsches Votum eine Enthaltung ergehen. Als weitere Wackelkandidaten werden Luxemburg, Ungarn und Spanien gehandelt. Mutiger outen sich da die Belgier, die gegen den Entwurf stimmen werden.

Das Ergebnis der Abstimmung gilt nun - entgegen vieler Erwartungen - als offen. Die Gegner brauchen 37 Stimmen, um den Softwarepatententwurf im Ministerrat scheitern zu lassen. Deutschland verfügt allein über 10 Stimmen, doch Justizministerin Brigitte Zypries mag sich nicht festlegen.

Sollte sich der Ministerrat für den Entwurf entscheiden, wäre in EU-Parlament, Kommission und Ministerrat wohl noch für Jahre für Diskussionsstoff gesorgt. Eine zweite Lesung durch das Parlament wäre nicht vor dem Herbst zu erwarten. Lehnten die Parlamentarier den Entwurf ab, käme es zur Schaffung eines Vermittlungsausschusses. Diese Brüsseler Ausschüsse stehen im Ruf, ihre Aufgabe sehr ernst zu nehmen.

Lufthansa: High-Fly mit WiFi

Angekündigt wurde es viele Male, als es endlich passierte, bemerkte es kaum einer: Am Montag überquerte erstmals ein Langstreckenflieger den Atlantik, der seinen Passagieren WiFi-Internetzugang während des Fluges erlaubte. "LH 452" hieß der Flug eines auf WiFi umgerüsteten Airbus A340-300 von München nach Los Angeles, der zumindest theoretisch erstmals 237 Passagiere in den Genuss kabellosen Surfens hätte bringen können. Wie viele das Angebot tatsächlich nutzten, ist nicht bekannt.

Lufthansas "FlyNet" basiert auf der Satellitenübertragung der Internetdaten. Der Air-Carrier will bis 2006 seine gesamte Flotte von 78 Langstreckenfliegern mit FlyNet ausstatten.

Das ist bequem, aber nicht kostenlos: Die 30-minütige Internetnutzung an Bord kostet 9,95 US-Dollar, jede weitere Minute 0,25 US-Dollar; ein gesamter Flug schlägt mit 29,95 US-Dollar zu Buche.

EU unterzeichnet Abkommen zu Passagierdaten

Am Montag unterzeichnete die EU-Kommission das lang heftig umstrittene Abkommen mit der US-Regierung zur Speicherung der Daten von Flugpassagieren. Wer künftig über den Atlantik will, muss Daten lassen: Das Abkommen erlaubt den Amerikanern, 34 Datensätze von der Kreditkartennummer bis zu erflogenen Bonus-Meilen abzufragen und dreieinhalb Jahre zu speichern.

Die EU-Kommission "geht davon aus", dass die Daten angemessen geschützt werden. Weit weniger Vertrauen hatte da das EU-Parlament, das ursprünglich sogar den Europäischen Gerichtshof anrufen wollte. Jetzt hat die Kommission, gedeckt durch die Regierungen der meisten Mitgliedsstaaten, Tatsachen geschaffen. Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger glaubt, die Kommission habe "einer Erpressung durch die Amerikaner nachgegeben". EU-Kommissar Frits Bolkestein argumentiert dagegen, mit der Unterschrift unter dem umstrittenen Abkommen sei "Chaos für europäische Reisende und Fluggesellschaften" vermieden worden. Genau das meinte wohl auch Frau Leutheusser-Schnarrenberger.

Dauer-Fernsehen: Neuer Weltrekord

Andreas Federspieler aus Italien, Alexander Hall und Ramona Rosenfeld aus Aachen, Josef König aus Österreich und Hartmut Wedow aus Herzogenrath haben am Montag den Weltrekord im Dauerfernsehen gebrochen. Nur unterbrochen von einer "Pinkelpause" alle acht Stunden und jeweils 5 Minuten Augenschließen pro Stunde saßen sie 50 Stunden und fünf Minuten vor der Glotze. Den alten Weltrekord überboten sie damit um rund drei Stunden.

Lohn der Tortur: Ein Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Wer hingegen den 5000 Euro teuren Fernseher gewinnt, muss erst das Los entscheiden: Eigentlich waren die fünf nämlich nicht nur mit-, sondern auch gegeneinander angetreten. Doch es gab keinen Fernseh-Sieger: Am Montag beschloss die Gruppe, geschlossen aufzugeben.

Welches deutsche TV-Programm geeignet wäre, es 50 Stunden zu ertragen, ohne völlig wahnsinnig zu werden, ist auch der Rekordgruppe nicht bekannt. Dreiländereck sei Dank hatten sie die Auswahl aus 130 TV-Programmen, die sie fleißig durchzappten. Das Ganze fand unter ständiger Beobachtung im Schaufenster eines TV-Händlers statt. Zumindest ramona dürfte damit keine Probleme gehabt haben: Seit ihrem Gastspiel bei "Big Brother" gehört sie zur Gilde der G-Prominenten.

Frank Patalong