Mehr Leistung: Windows 8 im "Chip"-Test
Langzeittest So schnell ist Windows 8 wirklich
Das nächste Windows bietet einen Blitzstart in acht Sekunden, schnelle Dateitransfers dank USB 3.0, Surfen auf der Überholspur und ruckelfreie, bombastische Spielegrafik - sagt Microsoft.
Wie viel davon am Ende übrig bleibt, soll unser Langzeittest zeigen. Bis zum offiziellen Verkaufsstart von Windows 8 misst "Chip" die Leistung jeder Vorabversion mit Benchmark-Tools, die Ergebnisse landen in einer mitwachsenden Tabelle. So können Sie jederzeit nachvollziehen, welche Fortschritte die Entwickler des neuen Betriebssystems erzielt haben und wo noch Handlungsbedarf besteht. Der Testrechner bleibt im gesamten Zeitraum unverändert, der Einsatz von Tuning-Tools ist tabu.
Diesmal tritt die auf der Build-Konferenz für die Allgemeinheit veröffentlichte Developer Preview gegen ein vollwertiges Windows 7 mit Service Pack 1 an. Das zeigt, ob und wie Microsoft sein Betriebssystem gegenüber dem Vorgänger weiterentwickelt hat. Die drei im Web kursierenden sogenannten Milestone-Builds von Windows 8 bleiben außen vor, denn sie wurden nie offiziell zum Testen freigegeben.
Booten mit der Maus
Die Developer Preview zickt bei der Installation etwas, belohnt den Ärger aber später mit einem hübschen Bootmanager, den Sie mit der Maus bedienen können.
Im ersten Anlauf banden wir die ISO-Datei der Developer Preview in Virtual CloneDrive ein, ein Tool, mit dem man virtuelle Laufwerke erzeugen kann. Dann versuchten wir, das neue System von Windows 7 aus in eine frisch formatierte 20 Gigabyte große Partition zu installieren. Das Setup präsentierte sich in einem brandneuen Design und unterscheidet sich an einigen Stellen gewaltig von Windows 7. So prüft Windows 8 beispielsweise, ob installierte Anwendungen auch im neuen Betriebssystem laufen. An dieser Stelle mäkelte es an CloneDrive herum und brach das Set-up ab. Möglicherweise wäre das später sowieso passiert, weil die Set-up-Routine nach einem Rechner-Neustart das Installationsmedium nicht mehr gefunden hätte - ein von Vista und Windows 7 bekanntes Problem.
Brennen Sie hingegen die fast 4 Gigabyte große ISO-Datei auf einen DVD-Rohling und booten damit Ihren Rechner, so entspricht die Installation weitgehend der des Vorgängers. Windows 8 benötigte allerdings neun Minuten mehr Zeit.
Windows 8 kann schneller sein, wenn es darf
Beim Hochfahren des fertig eingerichteten Systems erscheint zunächst ein Ladebildschirm und anschließend ein brandneuer Bootmanager, in dem Sie das Betriebssystem mit der Maus auswählen können. In der Liste fehlte allerdings eine vorhandene XP-Partition. Der Bootmanager erkennt lediglich Betriebssysteme ab Vista aufwärts. Über "Change defaults" können Sie diverse Änderungen vornehmen, etwa die Anzeigedauer des Bootmanagers verkürzen. Das Einbinden von Windows XP ist dort aber nicht möglich. Hier muss Microsoft dringend nachbessern.
Der Bootmanager ist auf den BIOS-Nachfolger UEFI zugeschnitten, was auf älteren PCs zu sonderbarem Verhalten führt: Wählen Sie dort ein älteres Betriebssystem, zum Beispiel Vista, startet der Rechner neu, bevor er das gewählte Windows lädt. Offensichtlich bastelten die Entwickler eine Kompromisslösung für Systeme mit BIOS-Chip.
Die Startzeit von Windows 8 hingegen kann sich sehen lassen: Es fährt doppelt so schnell hoch wie sein Vorgänger. In der Auflistung der laufenden Dienste löst sich das Rätsel, Microsoft hat offenbar unser jahrelanges Flehen erhört: Windows 8 aktiviert nicht wie frühere Versionen einfach alle verfügbaren Dienste, sondern nur die wirklich notwendigen. Schattenkopien, der Jugendschutz im Internet Explorer und viele weitere Anwendungen, die kaum jemand nutzt, sind abgeschaltet und müssen explizit per Rechtsklick aktiviert werden. Lassen Sie alle Dienste mitlaufen, kommen Sie wieder auf die von Windows 7 gewohnten Startzeiten.
Blitzstart für Anwendungen
Gewaltig zugelegt hat Windows 8 auch beim Starten großer Anwendungen. Das Aufrufen von Programmen wie Adobe Photoshop fühlt sich fast so flüssig an wie das Starten einer App auf Tablets und Smartphones. Dabei unterstützt Sie die neue Metro-Oberfläche, auf der Sie das Programm wie eine App aufrufen können. Besitzen Sie einen Touchscreen, tippen Sie einmal auf seine Kachel. Alternativ klicken Sie einmal mit der Maus darauf, was gewöhnungsbedürftig ist.
Fast alle Programme, die in Windows 7 laufen, konnten wir auch in der Developer Preview installieren. Am schnellsten geht das per Klick auf die Kachel "Windows Explorer". Starten Sie im Dateimanager die Einrichtung der gewünschten Anwendung per Doppelklick auf die dazugehörende Setup-Datei. Windows 8 generiert automatisch eine neue Kachel, über welche Sie das Programm später aufrufen können. Um diese Kachel zu sehen, scrollen Sie den Bildschirm mit dem Rollbalken am unteren Bildrand ganz nach rechts. Windows 8 hängt neue Kacheln grundsätzlich am hinteren Ende an. Gefällt Ihnen dieser Platz nicht, ziehen Sie die Kachel einfach weiter nach vorne.
Etwas ungewohnt ist der Aufruf von Windows-Standardprogrammen wie Notepad und MS Paint. Sie können über die Kachel "Desktop" auf eine Oberfläche wechseln, die stark an Windows 7 erinnert. Klicken Sie dort auf den "Start"-Knopf, erscheint jedoch nicht das gewohnte Menü inklusive Suchzeile, sondern es sind wieder die Kacheln.
Führen Sie stattdessen den Mauszeiger unter den Startknopf. Ein Menü öffnet sich, in dem Sie "Search" wählen. Klicken Sie nun am rechten Bildrand auf "Apps" und geben Sie dann den Namen des gewünschten Programms ein. Ein Klick auf den Treffer startet das Tool - deutlich schneller als in Windows 7 wohlgemerkt. Die Windows-Programme sind größtenteils mit der von Office bekannten Ribbon-Leiste ausgestattet, die auf den ersten Blick unübersichtlich wirkt. Nach einer Eingewöhnungsphase bedienen Sie Programme damit aber schneller und effizienter. Ähnlich wie die Kacheln verlangt auch Ribbon Offenheit für neue Bedienkonzepte.
Wie viel Power steckt drin?
Mit einem neuen, deutlich verbesserten Taskmanager erhalten Sie einen Blick auf das Innenleben von Windows 8. Das Menü zum Auswählen des Taskmanagers ruft man, wie gewohnt, über das Tastenkürzel Strg-Alt-Entf auf. Das Tool zeigt alle laufenden Prozesse in einer Übersicht. In den Spalten daneben sehen Sie, wie stark ein bestimmter Prozess die CPU, den Arbeitsspeicher, das Netzwerk und die Festplatte belastet. Eine Gesamtübersicht über die Systemauslastung erhalten Sie per Klick auf "Performance". Die alte Übersicht sehen Sie im Register "Details". Besonders erfreulich: Die neuen Register "Startup" und "Services" zeigen automatisch startende Programme und erlauben das Abschalten von Diensten.
Einen Windows-Leistungsindex fanden wir in der Developer Preview nicht. Für den Test kamen deswegen nur spezialisierte Benchmark-Tools wie PCMark 7 und Cinebench zum Einsatz. Sie offenbarten eine sehr gute Gesamtleistung, die bei Anwendungen mit hohen Grafikanforderungen aber schnell wieder einbrach. Bei alltäglichen Aufgaben, etwa Komprimieren in ein ZIP-Archiv, konnten wir keine nennenswerten Verbesserungen gegenüber Windows 7 feststellen. Browsen im Web mit dem neuen Internet Explorer 10 geht laut Messergebnis etwas schneller. Für den Anwender spürbar ist die höhere Geschwindigkeit aber nicht. Das Rendern eines Bildes mit der Raytracing-Methode dauert genauso lange wie in Windows 7. Möglicherweise ändert sich das, sobald Grafikkarten zur Verfügung stehen, die DirectX 11.1 unterstützen.
Rasend schneller Abschied
Microsoft hat nicht nur das Hochfahren deutlich beschleunigt, Windows 8 fährt auch schneller herunter. Einziges Problem: Der Ausschaltknopf ist gut versteckt - Sie müssen ihn erst einmal finden.
Bewegen Sie den Mauszeiger unter den Startknopf und wählen Sie im Menü "Settings". Klicken Sie am rechten Bildrand auf "Power" und wählen Sie "Shut down". Windows 8 verabschiedet sich rasend schnell, laut Ereignisanzeige braucht es dafür knapp sieben Sekunden. Sein Vorgänger benötigt für die gleiche Aktion doppelt so lange. Die Verzögerung in Windows 7 wird durch zahlreiche im Hintergrund laufende Prozesse und Dienste verursacht. Sie alle müssen beim Herunterfahren der Reihe nach beendet werden. Weil in der Windows 8 Developer Preview viele dieser Dienste nicht aktiviert sind und bei den Prozessen kräftig ausgemistet wurde, tritt dieses Problem dort nicht auf - hoffentlich bleibt das auch bei den folgenden Versionen so.