Lehrerverband Machen Computer blöd?
Berlin - Der Deutsche Lehrerverband befürchtet, dass die Schüler durch den zunehmenden Einsatz von Computern das Lesen verlernen. Verbandspräsident Josef Kraus warnte am Montag im DeutschlandRadio Berlin vor einer reinen "Computerpädagogik". Die Lese- und Schreibfähigkeit der Schüler sei gefährdet, wenn sie nicht mehr den Umgang mit umfangreicheren gedruckten Texten erlernten, betonte er.
In den Schulen sei es aus der Mode gekommen, sich mit so genannten "Ganzschriften" auseinander zu setzen und sie durchzulesen, beklagte Kraus. Ziel der Lehrer müsste es jedoch sein, die Schüler mit im Unterricht gelesenen Büchern auch zum Lesen daheim zu animieren: "Ich stelle mir hauptsächlich einen Deutschunterricht vor, der auch zukünftig wieder zu einer gewissen Pflichtlektüre zurückkommt", sagte der Verbandschef. Auch Handels- und Handwerkskammern wie auch Universitäten beklagten die nachlassenden Fertigkeiten, ausdauernd zu lesen und richtig zu schreiben.
Fernsehen und Internet sind nach Ansicht von Kraus zur übermächtigen Konkurrenz des Buches geworden. Gerade die elektronischen Medien verringerten die Lesezeit immer weiter. "Man kämpft sich nicht mehr durch komplexe Informationen durch, die wichtig sind, um die Komplexität zu erfassen, sondern man neigt zu einer Häppchenkultur", sagte der Lehrerverbands-Chef. Aber auch Eltern hätten eine Verantwortung in der Leseerziehung der Kinder: "Wenn Eltern vor der Glotze sitzen und Chips knabbern, aber aus dem Wohnzimmer rausschreien: 'Michaela, lies du mal gefälligst ein Buch!', läuft das nicht", stellte er klar.