Lesetipp Die Geschichte vom geklauten Handy
Das Gerät war chic, neu und weg: Ivanna ließ ihr teures T-Mobile-Smartphone in einem Taxi liegen. So etwas passiert, ist ärgerlich und natürlich selbst verschuldet. Ein kleiner Krimi wird nur daraus, wenn der Finder des Gerätes es nicht einfach verschwinden lässt oder - idealerweise - gar zurückgibt, sondern einfach weiter nutzt - auf Kosten des eigentlichen Besitzers.
Genau das passierte Ivanna, und natürlich hatte sie Wut - aber auch einen Freund, der wusste, was man nun tun konnte: Evan Guttman, berichtet die "New York Times" in einem bemerkenswerten Artikel , kennt sich mit Computern aus. Der erste Versuch, die neue Halterin des Handys zur Rückgabe zu bewegen, schlug fehl. Kein Problem.
Die 16-jährige zu identifizieren, die das Handy nun nutzte, deren Handy-Fotos im Web in Ivannas Account auftauchten, war nicht schwer. Guttman nahm einfach die Bilder und Textnachrichten und veröffentlichte sie im Web. Und so, wie sich in Großbritannien vor Wochen der frustrierte Käufer eines schadhaften Laptops am Verkäufer rächte, in dem er dessen privateste Dateien veröffentlichte, begann nun auch für Sasha G., die neue Besitzerin und unrechtmäßge Nutzerin des Handys, ein öffentliches Märtyrium. Guttmann stellte sie an den Pranger.
Und los ging die Hatz.
Natürlich fand Guttman schnell Helfer. Frustrierte, denen man selbst schon einmal das Handy gestohlen hatte. Mitfühlende, die sich an Mailkampagnen beteiligten. Leute, die bei der Familie der Diebin anriefen. Solche, deren Hilfsbereitschaft so weit ging, einmal dort vorbei zu fahren, um die Familie der Handy-Diebin auf offener Straße zu beschimpfen.
Die Reportage der "Times" erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven, und natürlich ist es nicht leicht, hier Gut und Böse zu trennen. Wer ist skrupelloser: Die Diebin und ihre Familie, oder der kühle Vigilant, der ihnen das Leben zur Hölle macht? Gegen den sie sich auch mit Androhungen von Gewalt wehren wollen, was dieser treulich und detailliert veröffentlicht. Der schriftliche wie verbale Schlagabtausch summiert sich im Web zu einem Geständnis.
Am Ende klicken Handschellen und ein weiterer Präzedenzfall ist geschaffen: Dass die Polizei die Sache nun regelt, dürfte selbst von den Dieben des Gerätes als Erleichterung empfunden werden. Die Nutzung des Webs als Pranger hat sich einmal mehr bewährt und wird Nachahmer finden.
Immer öfter.
pat