"Mafiaboy": Jugendlicher Hacker bekennt sich schuldig - DER SPIEGEL
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"Mafiaboy" Jugendlicher Hacker bekennt sich schuldig

Der Junge ist sechzehn und lehrte im Februar 2000 die Industrie das Fürchten. "Mafiaboy" legte mit gezielten Attacken Websites wie die von CNN lahm. Jetzt könnte ihm eine Haftstrafe drohen.
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Montreal - Ein 16-jähriger Kanadier hat sich zu 56 Hackerangriffen auf die Computer von Unternehmen und Universitäten bekannt. Das Gericht in Montreal legt dem unter dem Szenenamen "Mafiaboy" bekannt gewordenen Jugendlichen insgesamt 66 Angriffe zur Last. "Mafiaboy", dessen wirklicher Name nach kanadischem Recht nicht veröffentlicht werden darf, stand hinter einigen der verheerenden Denial-of-Service-Attacken des letzten Jahres.

Der 16-Jährige war im vergangenen Jahr festgenommen, unter strengen Auflagen aber wieder zu seinen Eltern geschickt worden. Unter anderem wurde ihm jede Verbindung ins Internet untersagt.

Gut möglich, dass es dabei nicht bleibt. Nach kanadischem Recht könnten dem Schüler eine bis zu zweijährige Haftstrafe und eine Geldbuße von rund 1000 kanadische Dollar drohen (rund 1200 Mark). Bis zum ersten Verhandlungstag hat "Mafiaboy" sich weder für seine Attacken entschuldigt noch Kooperationsbereitschaft signalisiert. Vor Gericht erschien er schüchtern und adrett gekleidet - sein Ruf jedoch sieht anders aus.

Kurz nach seinen Hackattacken sah er sich im letzten Jahr gezwungen, die Schule zu verlassen, nachdem er in allen Fächern außer Sport versagte. Seitdem arbeitet er in einem Steakhaus in Montreal. Vor wenigen Wochen verbrachte er drei Wochen hinter Gittern, weil er wiederholt gegen seine Bewährungsauflagen verstieß. Alles Punkte, die vor Gericht gegen ihn sprechen werden, wie es in Presseberichten hieß.

Zum Verhängnis wurde "Mafiaboy" seine eigene Eitelkeit. Wiederholt hatte er vor Freunden, per E-Mail und in Chats mit seinen Attacken geprahlt. In einer Mail wurde er so konkret, dass er verriet, wo er die belastenden Festplatten "versenkt" hatte. Marc Gosselin, Chefermittler im Fall "Mafiaboy": "Er war verteufelt stolz auf das, was er getan hatte. Wie er es hinbekommen hatte, und welche Tools er benutzte. Er gab damit an, dass das FBI nicht in der Lage sei, ihn zu schnappen, dass die Idioten seien, und das er weitere Attacken starten, viel Geld damit verdienen und berühmt werden würde." Nach diesen öffentlich verbreiteten Ankündigungen griff die Polizei zu.

Von "Mafioboys" Hackerangriffen waren rund 1200 Webseiten betroffen, darunter der Fernsehsender CNN, der Web-Katalog Yahoo! und der Buchhändler Amazon.com sowie Internetseiten der Universitäten Yale und Harvard. Die Attacken hatten in den USA erhebliche Besorgnis ausgelöst, Fachleute der Regierung waren deswegen zu Krisensitzungen zusammengekommen. Nach Schätzungen des FBI verursachte "Mafiaboy" einen Gesamtschaden von rund 1,7 Milliarden Dollar. Ein Urteil wird am 17. oder 18. April erwartet.