Malware-Anstieg bei Android, Facebook-Flaute und iOS-Fehler - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Malware bei Android, Facebook-Flaute, iOS-Fehler

Heute im Netzwelt-Ticker: Security-Experten befürchten massiven Malware-Anstieg bei Android-Apps +++ Rückgang der Nutzerzahlen bei deutschen Facebook-Nutzern oder nur Sommerloch? +++ iOS-Update legt Apps lahm +++
Android-Maskottchen: Apps mit üblen Absichten verseuchen die Geräte
Android-Maskottchen: Apps mit üblen Absichten verseuchen die Geräte

Android-Maskottchen: Apps mit üblen Absichten verseuchen die Geräte

Foto: Stephen Lam / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Selbst wenn man einrechnet, dass Antiviren-Firmen immer ein bisschen für ihre Produkte trommeln müssen: Der Hinweis von Trend Micro ist beunruhigend. Der japanische Sicherheitsdienstleister erklärt, die Anzahl mit Malware verseuchter Android-Apps habe massiv zugenommen. Seien es zu Jahresbeginn noch an die 5000 betroffene Anwendungen im Google-Play-Marktplatz gewesen, liege deren Zahl inzwischen bei 20.000, mit einer Verdopplung allein im vergangenen Monat . Bis zum Jahresende rechnet Trend Micro mit einem weiteren Anstieg auf 130.000 Apps.

Wie gefährlich eine derartige Verseuchung sein kann, illustriert der Bericht eines Microsoft-Technikers im hauseigenen Blog der Redmonder. Normalerweise mit der Analyse und Bekämpfung von Windows-basierten Bot-Netzen wie Zeus beschäftigt, fielen Terry Zink Spam-Mails auf, die vordergründig von Yahoo-E-Mail-Accounts stammten. Bei näherem Hinsehen habe sich aber gezeigt, dass die eigentliche Quelle Android-Geräte gewesen seien. Zink schreibt: "Zum ersten Mal sehe ich, dass ein Spammer ein Bot-Netz aus Android-Geräten kontrolliert. Ich wette, die Nutzer dieser Smartphones haben sich irgendeine bösartige App heruntergeladen,  um das Geld für die legale Version zu sparen." Auch Sophos verweist auf das Android-Botnetz  - wiederum nicht ganz uneigennützig, sondern mit explizitem Hinweis auf die eigene Schutz-Software.

Für Android-Produktmanager Hugo Barra sind derartige Warnungen von Antiviren-Unternehmen hingegen nichts als Angstmacherei. "Diese ganzen Berichte über Malware und unsichere Apps sind reine Panikmache von Security-Firmen. Die haben ein einziges Ziel und das ist, ihre Software zu verkaufen", erklärte er gegenüber "futurezone".  Immerhin sei ja noch niemand zu Schaden gekommen.

Tatsächlich, so die Einschätzung des österreichischen Fachdienstes, habe Google bei allem Bemühen um hohe Sicherheitsstandards ein Hauptproblem: das der Fragmentierung. Die zunehmend unübersichtliche Zahl von im Umlauf befindlichen, Android-fähigen Gerätetypen und Versionen des Betriebssystems machten es für Entwickler immer schwieriger, ihre Programme auf dem neuesten, für alle nutzbaren Stand zu halten. Mit Android 4.1 Jelly Bean soll hier Abhilfe geschaffen werden. Die Updates würden beschleunigt und den Entwicklern schon drei Monate vor Auslieferung zur Verfügung gestellt. Auch Jelly Bean läuft aber wieder nur auf Geräten der jüngsten Generation.

Die Glaubwürdigkeit solcher Anstrengungen leidet ein wenig, wenn Barra in Frage stellt, ob jeder Android-Nutzer überhaupt stets über das aktuelle Betriebssystem verfügen müsse. Seine Begründung: "Man sollte gar nicht davon ausgehen, dass jeder Mensch auf der Welt die aktuellste Softwareversion braucht, nur weil wir das in der Tech-Welt von uns glauben oder es sofort haben wollen."

Sommerloch bei deutschen Facebook-Nutzern?

Wie viele Nutzer hat Facebook gerade? So genau will das Unternehmen das nicht verraten. Über einen Umweg kommt man trotzdem an Zahlen: Man kann sich von Facebook anzeigen lassen, wie viele Menschen mit einer Werbenanzeige in Deutschland erreicht werden könnten. Allfacebook.de ist ein Dienst, der aus diesen Zahlen regelmäßige Rankings erstellt. Mit dem Stichtag 2. Juli 2012 habe es in Deutschland genau 23.750.160 aktive Facebook-Nutzer gegeben, also solche, die sich in den vergangenen 30 Tagen mindestens einmal beim Netzwerk angemeldet haben. Das seien knapp 200.000 weniger  als noch im Vormonat.

Rückgang der Nutzerzahlen beim Netzwerk-König, das beflügelte sofort  einige Medien.  Bei Facebook selbst gibt man sich gelassen. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Sprecherin Tina Kulow, mit Zahlen könne sie nicht weiterhelfen. Aber: "Wir freuen uns, dass wir nach wie vor in Deutschland und in anderen Ländern wachsen."

Vielleicht ist aber einfach nur Sommer, und die Menschen sind lieber im Freibad als im Social Network.

Auch das noch:

  • Mehrere iOS-Apps funktionieren nach Update nicht mehr:  Apples Aktualisierungsfunktion für iOS- und einige Mac-Apps hat derzeit anscheinend einen Schluckauf und produziert bei den auf den neuesten Stand gebrachten Anwendungen lästige Abstürze. Das Problem betrifft nicht nur kleinere Apps, sondern auch beliebte Anwendungen wie Angry Birds Space HD. Einzige Abhilfe scheint derzeit das Löschen der betroffenen Apps und die anschließende Neuinstallation zu sein.
  • Polizei-Software bestimmt Orte mit höherer Verbrechenswahrscheinlichkeit:  Das Programm wertet die bisherigen Kriminalitätsschwerpunkte aus und rechnet soziologische Erkenntnisse zusätzlich zum menschlichen Verhalten mit ein. Daraus resultieren Karten, die genau zeigen, wo zum Beispiel mit vermehrten Einbrüchen oder Autodiebstählen zu rechnen ist. Die Trefferquote liegt doppelt so hoch wie selbst bei erfahrenen Polizisten. Gezielte Streifengänge in die entsprechenden Gebiete konnten die Kriminalitätsrate angeblich um 25 Prozent senken.
  • Hacker leiten vertrauliche Daten von Indiens Marine nach China:  Über infizierte USB-Sticks konnten sich mutmaßlich chinesische Hacker offensichtlich Zugang zu geheimen Militärdaten verschaffen. Das vom Sicherheitsleck betroffene Eastern Naval Command ist unter anderem für eine Basis von Atom-U-Booten zuständig.
  • Wie ein modernes Microsoft-Design aussehen könnte:  Ein bisschen altbacken und zopfig ist das Image von Microsoft. Eine gute Gelegenheit, da mal wieder Pfiff reinzubringen. Ein Designstudent wagte sich ran und schuf ein minimalistisches Konzept.