Mein digitaler Alltag Ab ins elektronische Nirwana
Wie es dazu kommt, dass ich erst im letzten Augenblick etwas einsende? Nun, im Januar unternahm ich den ersten Versuch, einen brauchbaren Text zu kreieren. Ich verfasste eine Geschichte, die sich mit dem Vergleich des Internets und der antiken Bibliothek von Alexandria beschäftigte. Dafür recherchierte ich sorgfältig: Ich hatte viele Quellen im Internet gesucht, gefunden und gelesen. Als mein Text fertig war, war meine Festplatte es leider auch. Sie hauchte ihr digitales Leben aus und nahm meine Geschichte mit ins elektronische Nirwana.
Nach einer Frustwoche machte ich mich wieder ans Werk. Dieses Mal schwebte mir eine andere Geschichte vor. Warum ich die erste nicht noch einmal reproduziert habe? Weil ich mich nach einer Woche voller Frust und Wein an keine Details mehr erinnern konnte.
Ich plante also etwas Neues: einen Erlebnisbericht. Mich rief neulich ein Sachse an, um mir mitzuteilen, dass er neuerdings meine E-Mails bekommt. Nach kleineren - mundartlich bedingten - Kommunikationsschwierigkeiten stellte sich schnell heraus, dass wir auf den gleichen Namen hören. Unsere E-Mail-Adressen unterscheiden sich lediglich durch ein "_" beziehungsweise durch einen "." zwischen unserem Vor- und Nachnamen. Der Fehler lag eindeutig bei mir: Irgendwo hatte ich meine Adresse falsch angegeben. Soviel zum Hintergrund des Erlebnisberichtes.
Die neue, niedergeschriebene Geschichte hatte ich dieses Mal direkt auf Diskette gespeichert. Ich lerne ja aus meinen Fehlern.
Am nächsten Tag wurde mein Telefonanschluss gesperrt. Lange Zeit hatte ich im Internet nach der fehlerhaften Angabe der E-Mail-Adresse suchen müssen. Dadurch ist wohl meine Telefonrechnung explodiert.
Das war ein unglücklicher Zeitpunkt, da ich meine Geschichte jetzt nicht per E-Mail verschicken konnte. Aber da gab es einen Ausweg: Ich konnte die Diskette ja mit zur Arbeit nehmen und dort den Text über das Internet versenden. Zwar wird da auf Macintosh-Rechnern gearbeitet, während ich zuhause den PC bevorzuge, aber das ist ja kein Problem. Das dachte ich fatalerweise, und schob die Diskette in den Rechner. Da diese für einen PC formatiert war, hat sich der Mac gleich die Diskette geschnappt und initialisiert. Damit war diese kleine Speicherplatte jetzt zwar für den Mac lauffähig, aber mein Text wieder einmal rückstandslos vernichtet.
Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt und meine Zähne wieder aus der Tischplatte gegraben hatte, war mir klar: Das ist ein Zeichen. Ich soll das Schreiben bleiben lassen.
Wie unschwer zu übersehen ist, habe ich das Zeichen ignoriert wie sämtliche Standards zum Sichern von Daten. Ich denke in diesem letzten Moment vor dem Einsendeschluss: Was kann meinen "digitalen Alltag" besser beschreiben als meine verzweifelten Versuche, einen Text in die SPIEGEL-ONLINE-Redaktion zu senden.
Anmerkung der Redaktion: Die Abgabefrist für den Wettbewerb wurde bis Ende April verlängert.