Mein digitaler Alltag Bick Sista kommt später
Freizeit hieß für Sie Klubbing, japanisch kochen, authentische Psychologie - und Rielleifklipps. So nannte sie diese Filmsequenzen, die sie sich durch das unbemerkte Deponieren kleiner Kameras verschaffte. Sie hatte einen Fäbel für alles Authentische, Riällitie-Formate langweilten sie nur noch.
An ihre Klipps kam sie mittels Leifkemms - die Nachfolger jener WebCams, die mit dem Internet aufgekommen waren. Kleiner und leistungsfähiger waren die Leifkemms. Batterie, Mikro und Sender waren integriert. Mit ihrer bewegungssensitiven Ausschnitt- und Brennweitenautomatik überwachten Sie einen ganzen Raum und konzentrierten sich immer auf die Äktschen.
Als Dieseinerin kam Editha viel rum. Sie kannte die Dieseiner- und Klubszene der Stadt, und sie kannte viele Metropolen der Welt. Überall stellte sie diese kleinen Kameras auf. Auf Partys und in Hotelzimmern, in Wohnzimmern und in Schlafzimmern, auf Schränken oder zwischen Büchern. Die Dinger liefen oft mehrere Monate - bis die Batterie leer war oder jemand sie entdeckte. Solange war Editha "leif dabei" - wie sie es nannte. Die Signale empfing sie mit ihrem Rissiewer ab Kanal 300 auf dem Monitor in ihrem Apartment.
Carlos, der einzige Mensch, der Editha wirklich etwas bedeutete, wusste nichts von diesen Klipps. Seit vier Monaten traf Editha ihn, fast schon eine Beziehung. Wenn er nur nicht so spießig und monogam wäre. Anderseits schätze sie gerade das an ihm. Ein geiler romantischer Querkopf, der ihr privat eine Perspektive gab.
Editha zeichnete alle Signale auf, und die interessanten Klipps archivierte sie. Ihre Interessen wechselten dabei - aber meistens hatte es mit Sex zu tun. Zur Zeit interessierte sie sich für das Privatleben ihrer Klienten - und für das Leben in Los Angeles, die Stadt der verlorenen Engel.
Dort hatte sie vor kurzem über 20 Leifkemms deponiert. Die meisten in Beverly Hills und West Hollywood. Eine in Zimmer 27 im Alta-Cienega Motel, wo Jim Morrison 1967 gewohnt hatte, und eine in Zimmer 105 im Landmark Hotel, wo sich Janis Joplin 1970 den goldenen Schuss gesetzt hatte. Aus LA kam ziemlich schräges Zeugs. Auch hässliche und brutale Sachen darunter, eine schlimme Vergewaltigung - jedenfalls sah es so aus.
Carlos war allein in Edithas Wohnung. Es war schon nach Mitternacht, und Editha wollte schon längst von der Opening-Party zurück sein. Er langweilte sich ein wenig vor dem Monitor und flippte durch die Kanäle. Er kann auch in die 300er, konnte aber nicht viel damit anfangen.
Da - ein alter Klipp mit Editha! Den Typen, mit dem sie da flörtete, kannte er nicht. Scharfe Braut, dachte er - und wurde ganz geil bei der Vorstellung, dass sie gleich hier aufkreuzte.
Jetzt wurde es spannend auf dem Monitor. Editha und der Typ rauchten einen Dscheunt und machten schwer rum. Carlos wusste gar nicht, dass Editha mal Strapse getragen hatte.
Editha ging zum Telefon und wählte eine Nummer - sie sah wirklich scharf aus mit den blauen Strapsen. Gerade jetzt klingelte es an der Tür. Das musste Editha sein. Nein - es war gar nicht die Tür, es war das Telefon. Carlos nahm ab - und Editha war dran: "Carlos - sei mir nicht böse - aber mir ist was Dummes dazwischen gekommen! Ich komme später, du brauchst nicht auf mich zu warten. Geh ruhig schon heim!", hörte er ihre Stimme aus dem Telefon - und sah sie auf dem Monitor.
Verflucht - das war gar kein alter Klipp. Das war leif! Jetzt wurde es richtig spannend.
Jetzt war Carlos Leif dabei.