Mein Wunschzettel Der Hut fürs Leben
Kultur-Kollege Borcholte ist schuld. Schickt er mich doch immer in solche Krach-Bumm-Peng-Kerle-Filme wie "Todeszug nach Yuma". Oder "American Gangster". Aufgefallen ist es mir jedoch erst bei der melancholischen Western-Variante "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", als ich während einer der unzähligen Closeups von Brad Pitt versuchte, mich an den vollständigen Filmtitel zu erinnern: Alle Männer tragen Hut. Alle. Wer keinen aufhat, könnte genauso gut nackt durch die Gegend laufen. Und ich zeige mich ungern nackt in der Öffentlichkeit.
Hut trägt Mann heutzutage außer auf der Kinoleinwand leider kaum noch. Deshalb wünsche ich mir unbedingt einen. Einen Hut fürs Leben. Schuhe sind irgendwann durchgelatscht, Hosen ausgewaschen, Hemden spannen trotz aller Ich-bleibe-schlank-Vorsätze vielleicht doch in ein paar Jahren, aber der Hut, der hält ewig und wird zum Markenzeichen.
Zumal ich langsam in ein Alter komme, in denen ich mir immer mehr Dinge anschaffe, die lange halten sollen. Vielleicht ein Leben lang. Ach, jetzt werde ich gerade ein wenig schwermütig. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich zu viele Western mit Brad Pitt ("Die Ermordung des ", Sie wissen schon) schaue oder die Artikel von Kollegen Patalong lese. Was ich meine: Ich hab doch mein riesiges neues Aquarium nicht in den vierten Stock geschleppt, um es irgendwann wieder runterzutragen. Und umziehen ist mit diesem Brocken auch kein Thema mehr.
Da der Umzug flachfällt, bleibt genug Zeit für die Suche nach dem Hut fürs Leben. Ein paar billige Exemplare einer schwedischen Textilkette habe ich schon zu Hause liegen. Aber die sitzen halt nicht so astrein, und, wie Kollege Theurich warnte, laufen bei Regen schon mal ein. Aber zum Probetragen reichen sie erstmal. Ist ja nicht so einfach, plötzlich mit Hut vor die Leute zu treten. Und als langer Lulatsch stoße ich im Bus schon ohne Kopfbedeckung an meine Grenzen, mit Hut wird das noch schwieriger.
Nächste Hürde: Es gibt mehr Modelle als Western von John Ford. Dennoch habe ich nach langer Suche meinen Hut fürs Leben gefunden. Melone, schwarz, klassisch, mit dem tollen Namen "Elitism". Allerdings ergeben sich prompt die nächsten Schwierigkeiten: Der Designer kommt aus New York, heißt Rod Keenan, in Deutschland sind seine Hüte nicht zu bekommen. Und er kostet 715 US-Dollar. Der Hut, nicht der Designer.
Aber es soll ja der Hut fürs Leben sein. Auf nach New York!