MI6 im Web: Das Outing der Geheimniskrämer - DER SPIEGEL
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MI6 im Web Das Outing der Geheimniskrämer

So geheim war dieser Geheimdienst, dass die britische Regierung erst 1994 zugab, dass es ihn überhaupt gibt: Seit heute zeigt sich "MI6" sogar mit Homepage im Web. Zumindest theoretisch: So groß war die Neugier der Briten, dass die Seite direkt wieder unterging.
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Noch Anfang der Neunziger stritt die britische Regierung ab, dass es diesen geheimnisvollen Auslandsgeheimdienst überhaupt gäbe: Wechselnd als "MI6" oder "SIS" bezeichnet, waren die Schlapphüte längst Legende - in jeder Hinsicht. Zugleich hatte kein Londoner Taxifahrer ein Problem damit, einen Fahrgast auf Aufforderung zum Hauptquartier des MI6 zu fahren. Wo das lag, wusste in Großbritannien so gut wie jeder.

Seit 1994 heißt dieses Hauptquartier Vauxhall Cross und liegt am Süfufer der Themse: Das mächtige, futuristische Gebäude (die Londoner nennen die Kiste scherzhaft "Legoland") gehört zu den auffälligsten Bauwerken der Gegend, seine Nutzung ist längst kein Geheimnis mehr.

Denn mittlerweile lässt MI6, wie der Dienst eigentlich nur in der Öffentlichkeit heißt, regelrecht die Hosen herunter: Seit Donnerstag leistet sich der Secret Intelligence Service SIS, wie der Dienst korrekt heißt, sogar eine Webseite.

Dort wird nüchtern die Geschichte von MI6 erzählt, dem Geheimdienst, der auch als "Arbeitgeber" des Martini-Rührers James Bond bekannt wurde. Tatsächlich gibt es Eigenarten, die frappant an Bonds Comic-Geheimdienstwelt erinnern: So heißt der Chef von MI6 seit jeher schlicht "C", seit der erste Geheimdienstchef Mansfield Cumming seine Signatur bis auf den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens hinunter stilisierte.

Die Marotte lebt auch in Zeiten von John Scarlett fort, der dem Dienst seit dem August 2004 vorsteht. Sein durchaus offizieller Titel: "C".

Auch "Vauxhall Cross" hatte seine Auftritte in Bond-Streifen: Im vorletzten Film erscheint kurz das Gebäude, im letzten Bond-Schinken "Die another Day" schließlich ist es der Name einer sehr exklusiven U-Bahn-Station, die Touristen freilich bis zum Dezember 2004 vergeblich auf ihrer Verkehrsübersicht suchten. Erst da wurde aus dem fiktiven ein echter Verkehrsknotenpunkt. Heute ist Vauxhall Cross Londons zweitgrößter Busbahnhof.

Der liegt allerdings - anders als im Bond-Film - nicht direkt am Parlament, sondern auf der anderen Seite des Flusses. Zumindest die räumliche Nähe zum Geheimdiensthauptquartier bleibt damit gewahrt.

An Stelle der alten Geheimniskrämerei ist nun also offenbar ein eher augenzwinkernder Umgang mit der Öffentlichkeit getreten, der man statt Legenden und Gerüchten nun klitzekleine Einblicke gönnt. Natürlich verrät MI6 auch auf seiner Webseite mehr über 1909 als über 1999.

Bestimmte Dinge aber verrät MI6 sogar sehr gern. Ziel der aktuellen Öffentlichkeitsoffensive sei laut Sprecher Nev Johnson, mit dem weit verbreiteten Irrglauben über die Arbeit des Geheimdienstes aufzuräumen. "Glamour und Spannung", wie sie aus James-Bond-Filmen bekannt seien, gehörten eher nicht zu den Aufgaben der Agenten. Allerdings erwarte den Schlapphut-Nachwuchs eine "anregende" Laufbahn, heißt es auf der Karriere-Seite, die es natürlich auch gibt: In der Laufbahn von MI6-Mitarbeitern gebe es "Momente, in denen die Kluft zwischen Wirklichkeit und Fiktion ein wenig enger wird". Davon ab hat MI6/SIS Öffentlichkeitsarbeit bitter nötig: Seit Jahrzehnten ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um den Geheimdienst, und die wenigsten davon sind schmeichelhaft. "Verschwörungstheorien wie diejenige, dass Prinzessin Diana ermordet wurde, sind so lächerlich, dass sie korrigiert werden müssen", meint Pressesprecher Johnson dazu.

Das versucht MI6 nun per Web, am ersten Tag jedoch mit sehr durchwachsenem Erfolg: So groß war die Neugier der Briten auf "ihren" nun auch offiziell existierenden Auslandsgeheimdienst, dass die Seite kurz nach dem Launch direkt in die Knie ging. Über Stunden ging gar nichts, inzwischen ist die Seite zumindest zeitweilig zu sehen.

Tipp: Wenn's nur schleppend und langsam oder gar nicht geht, einfach später versuchen.