Michael Chaney Hotmails Retter
Was ist das für ein Mensch, der selbstlos und spontan in die Tasche greift und einen der weltweit größten kostenlosen E-Mail-Services rettet, indem er ihm die offenen Rechnungen bezahlt? Ein Robin Hood des Internet, der einzig und allein daran denkt, wie viele Millionen da draußen sehnsüchtig auf ihre Post warten?
Wohl kaum: Eher schon ein Till Eulenspiegel. Michael Chaney ist selbstständig, Eigner einer kleinen Computerberatungsfirma. Spezialisiert hat er sich auf Linux, Microsoft-Programme benutzt er "selten". Eher verhalten reagierte er darum wohl auch auf das kleine Dankeschön, dass ihm Microsoft für die Rettung von Hotmail zukommen lassen wollte: Microsoft-Programme im Wert von 200 Dollar. Immerhin hat Microsoft den Betrag nun aufgestockt - und in Form eines Schecks überwiesen: Chaney darf sich über 465 Dollar freuen, zuzüglich der 35, die er "ausgelegt" hatte. Macht 500 Mäuse - ein Großzügigkeits-Beweis, der dem (ehemaligen) Mittelständler Microsoft wahrlich zur Ehre gereicht.
Was war geschehen? Chaney stellte am 24. Dezember fest, dass sein nur gelegentlich benutzter Hotmail-Account nicht zugänglich war. Im Internet-Forum slashdot.org erfuhr er, dass auch andere Nutzer Hotmail nicht mehr erreichen konnten. Das Problem lag an der Stilllegung der Adresse passport.com, die Microsoft für den passwortgeschützten Zugang zu Hotmail verwendet.
Bei der Registrierungsstelle Network Solutions war offenbar die Gebühr von 35 Dollar (68 Mark) für die Verlängerung der Gültigkeit nicht eingetroffen. Die Adresse wurde von Network Solutions deswegen kurzerhand gelöscht. Chaney schaute sich die Registrierungsdaten zu passport.com an, überwies den Betrag aus eigener Tasche und brachte so die wichtige Adresse wieder ins Netz.
Eine kleine Peinlichkeit so ganz nach dem Geschmack des Michael Chaney: Der 31-Jährige ist ein lebender Beweis für die These vom "Kind im Manne". Schnell fiel ihm auch ein, was er mit dem 500-Dollar-Scheck von Microsoft anfangen könnte: Er versteigert ihn bei eBay - zu wohltätigen Zwecken. Stand am Mittwoch Morgen: 5000 Dollar - eine satte Wertsteigerung.
Auch eine Business-Website , die so viel vom Charakter ihres Besitzers offenbart wie "Michaelchaney.com", sieht man selten. Chaney unterteilt seine Website in "serious" und "unserious", albert nur zu gern herum.
Das wissen anscheinend auch die Mächtigen der Welt zu schätzen, mit denen er sich stolz in seiner Bildergalerie zeigt. Dort sieht man ihn mit der amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright, mit Jassir Arafat, mit Präsident Bill Clinton nebst Gattin und - natürlich - mit Bill Gates. Bleibt nur die Frage, ob die das auch wissen.
Frank Patalong