Microsoft: Kommission untersucht "weitere schwebende Fälle" - DER SPIEGEL
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Microsoft Kommission untersucht "weitere schwebende Fälle"

Trotz aller Kritik: Microsoft will Windows 2000 wie geplant am 17. Februar auf den Markt bringen. Doch die EU hat bereits weitere Ermittlungen gegen den Softwarekonzern angekündigt.
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Brüssel/Redmond - Die EU-Kommission nimmt den US-Softwareriesen Microsoft wegen möglicher Wettbewerbsverstöße stärker ins Visier als bisher bekannt. "Wir haben weitere schwebende Fälle, die mit Microsoft zu tun haben", sagte ein EU-Mitarbeiter in Brüssel.

Erst am Vortag hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti gesagt, seine Behörde untersuche das Betriebssystem Windows 2000 wegen möglicher Wettbewerbsvergehen. Ein förmliches Verfahren wurde bislang aber nicht eröffnet. Die Kommission will Informationen nachgehen, wonach die Bündelung verschiedener Windows-2000-Varianten im Gegensatz zu den Wettbewerbsbestimmungen der EU stehen.

Microsoft zeigt sich davon unbeeindruckt. Wie der Konzern in Redmond mitteilte, soll Windows 2000 trotz der Untersuchung wie geplant am 17. Februar auf den Markt gebracht werden. Der Softwareriese will "umfassend" mit der EU zusammenarbeiten. "Die Kommission hat uns aufgefordert, bestimmte Informationen bis Anfang März zur Verfügung zu stellen. Wir werden diesem Wunsch gerne nachkommen", sagte Microsoft-Jurist John Frank.

Der Software-Konzern betonte, Microsoft werde die Versionen von Windows 2000 für Arbeitsplatz-Rechner und Server nicht in einem Paket anbieten. "Die Kunden stehen vor der freien Entscheidung, die Produkte separat von einander zu erwerben." Windows 2000 könne auch von denjenigen Kunden benutzt werden, die in einem größeren Netzwerk unterschiedliche Server-Programme einsetzten.

Microsoft macht für die Aktion der EU-Kommission eine Beschwerde des Konkurrenten Sun Microsystems verantwortlich. "Sun verlangt ein Eingreifen des Staates, um von der Tatsache abzulenken, dass Microsofts Server-Technologie den Kunden ein besseres Preis/Leistungsverhältnis bietet."

Sun wollte dies nicht dementieren: Es gehöre zur Geschäftspolitik des Unternehmens, über eine eventuelle Kommunikation mit staatlichen Stellen Vertraulichkeit zu wahren. Darunter fielen auch Angaben, ob man überhaupt mit den Behörden in Kontakt getreten sei.

Zudem untersucht die Kommission, ob Microsoft seine marktbeherrschende Stellung dazu benutzt hat, Reimporte seiner Programme nach Frankreich zu verhindern. Der Europäische Gerichtshof hatte die Kommission aufgefordert, ein bereits ergebnislos abgeschlossenes Verfahren, in dem sich ein Importeur über die Preispolitik des Softwarekonzern beschwert hatte, neu zu eröffnen.

Mit dem Vorgehen der EU weiten sich Microsofts juristische Probleme auch auf Europa aus. Die EU-Kommission unterstrich aber, ihr Vorgehen habe nichts mit den Verfahren der US-amerikanischen Kartellbehörde zu tun.

Der Microsoft-Vertreter in Paris sagte weiter, die Wettbewerbsbehörden richteten ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf Microsoft. Er wäre daher "nicht überrascht", wenn es zu weiteren Untersuchungen kommen sollte.