Microsoft-Prozess: Gates rechnet nicht mit Zerschlagung - DER SPIEGEL
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Microsoft-Prozess Gates rechnet nicht mit Zerschlagung

Noch ist nichts entschieden: Nach dem erwarteten Schuldspruch gegen Microsoft wird spekuliert, wie es mit dem Software-Riesen weitergehen soll. Konkurrenten und Regierung wollen die Zerschlagung. Bill Gates sieht das freilich anders.
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Seattle - Der Microsoft-Gründer gibt sich überzeugt, dass sein Unternehmen auch nach dem Kartellurteil nicht untergehen wird. Er glaube nicht, dass eine Aufspaltung von Microsoft im Einklang mit den Äußerungen des Gerichts steht, sagte Gates im britischen Fernsehsender BBC. "Der gesunde Menschenverstand spricht für uns."

Ein US-Gericht hatte Microsoft zuvor erwartungsgemäß für schuldig befunden, seine marktbeherrschende Position bei Betriebssystemen für Computer missbraucht und damit US-Kartellrecht verletzt zu haben. Richter Thomas Penfield Jackson muss nun in den kommenden Monaten über mögliche Strafen gegen das Unternehmen entscheiden. Dazu wird es eine Serie von gerichtlichen Anhörungen geben.

Der auf das Kartellrecht spezialisierte stellvertretende Justizminister Joel Klein sagte, die Regierung überlege noch, welche Schritte sie gegen Microsoft anstreben werde. Schlimmstenfalls könnte dem Unternehmen die Zerschlagung drohen.

Microsoft kann erst nach der Entscheidung über die Strafe Berufung einlegen. Kommt es wie von Gates angekündigt dazu, könnte das Schicksal des Unternehmens noch für Jahre offen bleiben.

Jackson gab der Regierung und den 19 klagenden Bundesstaaten in seinem 43-seitigen, zum Teil scharf formulierten Urteil in fast allen Punkten Recht. Hauptsächlich warf er Microsoft vor, seinen Browser Internet Explorer widerrechtlich mit dem Betriebssystem Windows gekoppelt zu haben. Damit sei Konkurrenz-Produkten wie Netscapes Navigator das Wasser abgegraben worden.

Der Richter nannte Netscape als Hauptleidtragenden unter den "unterdrückten" Unternehmen. Er sprach aber auch von einem "Heer an Taktiken", mit dem Microsoft die Programmier-Sprache Java bekämpft habe.

Größere Computer-Hersteller seien durch Vertragsrestriktionen und Drohungen unter Druck gesetzt worden, das Windows-System zu laden. Das wettbewerbswidrige Verhalten habe die Innovation gehemmt und dem Verbraucher geschadet.

Offensichtlich erfreut über das Urteil zeigten sich die US-amerikanische Justizministerin Janet Reno und Staatsanwalt Joel Klein. Reno bedankte sich vor der Presse für das Urteil. Microsoft habe die Rechte der Konsumenten verletzt, es sei gut, dass das Unternehmen nun die Verantwortung dafür übernehmen müsse.

Auch verschiedene Konkurrenten von Microsoft begrüßten das Urteil. Die gerechte Lösung wäre nun eine Zerschlagung von Microsoft in drei separate Unternehmensteile.