Microsoft-Prozess Jackson will die Zerteilung des Softwareriesen
Bei einer möglichen Teilung von Microsoft könnten nicht wie bisher geplant zwei, sondern drei einzelne Firmen entstehen.
Nach einer Anhörung von mehr als vier Stunden wies der Bundesrichter die Anwälte der Kartellabteilung des Ministeriums an, bis Freitag einen überarbeiteten Plan zu unterbreiten.
Die erste Fassung sieht die Aufteilung von Microsoft in einen Teil für Betriebssysteme und einen Teil für Office-Anwendungen vor. Doch eine Zerlegung in zwei Unternehmen würde nach Auffassung Jacksons nur bedeuten, dass statt des einen dann zwei Monopole mit einer dominierenden Stellung auf dem jeweiligen Markt entstehen würden. In der Diskussion ist nun eine dritte Firma für Internetsoftware.
Branchenanalysten in den USA halten die Umsetzung dieses Planes jedoch für unwahrscheinlich. Dies bedeute etwa die Schaffung eines eigenständigen Browser-Unternehmens, dessen geschäftliche Aussichten fragwürdig seien. "Das ist vom industriellen und vom technologischen Standpunkt her Nonsens", sagte unter anderem Harry Fenick, Analyst bei Zona Research hinsichtlich einer Dreiteilung. "Es gibt kein Geschäftsmodell für ein eigenständiges Browser-Unternehmen."
Als "exzellentes Informationsmaterial" bewertete Jackson beim Gericht eingereichte Dokumente der Vereinigung der Computer- und Kommunikationsbranche und der Vereinigung der Software- und Informationsbranche, in denen beide Verbände für eine weitergehende Aufspaltung von Microsoft plädieren. Die bisherige Forderung der Regierung würde effektiv lediglich zwei getrennte Monopolisten schaffen, argumentierten sie. Richter Jackson schloss sich dem an.
Microsoft hat voraussichtlich bis Dienstag nächster Woche Zeit, auf den abgeänderten Plan des Justizministeriums zu antworten. Danach will Richter Jackson beide Vorlagen prüfen und anschließend sein Strafmaß bekannt geben. Ein Rechtsvertreter von Microsoft sagte nach der Anhörung: "Wir sind der Berufungsphase in diesem Rechtsstreit sehr nahe." Das Unternehmen werde das Vorgehen während des gesamten Verfahrens anfechten. Microsoft hatte sich bereit erklärt, seine Geschäftspraktiken zu verändern, wenn dafür die Einheit des Konzerns bestehen bleibe. Sollte das Verfahren durch mehrere Instanzen gehen, ist erst in mehreren Jahren mit einem rechtskräftigen Urteil zu rechnen.