Microsoft-Zerschlagung Gates will um sein Lebenswerk kämpfen
Washington - Microsoft kündigte rechtliche Schritte gegen das Urteil an. "Das ist der Anfang eines neuen Kapitels in diesem Fall", sagte Firmengründer Bill Gates. Der Richterspruch stehe im Widerspruch zu früheren Urteilen und zu den Realitäten auf dem Markt der Informationstechnologie. Während der Berufung werde Microsoft seine laufenden Projekte weiterentwickeln.
US-Bundesrichter Thomas Penfield Jackson fällte das Urteil nach einem mehr als zweijährigen Kartellverfahren. Microsoft soll nach dem Spruch von Richter Jackson in zwei Teile zerlegt werden: ein Unternehmen für das Betriebssystem Windows, das seit 15 Jahren die Basis für den Erfolg von Microsoft bildet, und ein Unternehmen für Anwendungssoftware wie Microsoft Office und den Web-Browser Internet Explorer.
US-Justizministerin Janet Reno begrüßte den Richterspruch, der den Wettbewerb in der Softwarebranche fördere und die Bedeutung der Anti-Kartell-Gesetze unterstreiche. Das Urteil gilt als dramatischste Entscheidung der US-Wirtschaftsgeschichte seit der Zerschlagung des Telekommunikationskonzerns AT&T im Jahr 1984.
Jackson gab dem Unternehmen vier Monate Zeit, um einen eigenen Plan für die Aufteilung vorzulegen. Bis dahin darf die Gesellschaft ihre interne Struktur nicht verändern, um die geplante Zerlegung zu erschweren. Der Richter folgte in Strafmaß und Zeitrahmen dem Antrag des Justizministeriums. Mit dem Justizministerium als Bundesbehörde hatten 19 US-Staaten Microsoft verklagt, von denen sich 17 dem Plädoyer für eine Aufteilung anschlossen.
Jackson hatte Microsoft am 3. April wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung schuldig gesprochen. In dem Verfahren wurde Microsoft vorgeworfen, seine Stellung im Bereich der PC-Betriebssysteme missbraucht zu haben, um Konkurrenten zu schädigen. Auslöser der Klage im Mai 1998 war die Koppelung des Internet-Browsers von Microsoft mit Windows 98, mit der die ehemals dominierende Stellung des Konkurrenten Netscape auf dem Browser-Markt gebrochen wurde. Netscape hat inzwischen seine Selbständigkeit verloren und ist von AOL übernommen worden.
Erste Reaktionen von Microsoft Deutschland
Microsoft Deutschland hält das Urteil zur Zerschlagung des Softwarekonzerns schädlich für Wirtschaft und Verbraucher. Dies erklärte Richard Roy, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland und Vizepräsident Microsoft Europa, am Donnerstag in München.
"Nach einem solchen Richterspruch muss jeder Jungunternehmer, der mit einer guten Idee eine erfolgreiche Firma aufbaut, zweifeln, ob seine Investition in geistiges Eigentum wirklich sinnvoll ist", sagte Roy. Microsoft Deutschland werde sich auch in Zukunft voll und ganz auf die Entwicklung von Spitzentechnologie konzentrieren - "mit einem Integrationsgrad, wie die Kunden ihn von uns erwarten", sagte Roy.