Microsofts Hmail: Hotmail soll Googlemail Paroli bieten - DER SPIEGEL
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Relaunch: Ist Hotmail wieder heiß?

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Microsofts Hmail Hotmail soll Googlemail Paroli bieten

Vor eineinhalb Jahrzehnten war Hotmail einer der ersten Web-basierten E-Mail-Dienste. Dann verkam das Angebot zur berüchtigten Spam-Schleuder. Ein aufwendiges Großreinemachen wirkte, doch Hotmail war längst abgeschlagen. Eine neue Version schickt sich nun an, Googlemail Konkurrenz zu machen.
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Es gibt Webmail-Dienste, über die ruft man Post ab oder man nutzt sie als Auffangbecken für Trivial-Kommunikation und Spam-Werbemüll. Und es gibt Webdienste, die den Ehrgeiz entwickeln, mehr sein zu wollen: Googles Gmail oder Googlemail, wie es aus juristischen Gründen in Deutschland heißen muss, gehört in letztere Kategorie. Der als Freemail-Dienst begründete E-Post-Service bietet zahlreiche Funktionen vom Kalender über die Office-Features von Google-Docs, von Chat über einfache Videokonferenzen bis hin zu den teils heftig kritisierten Social-Features des Dienstes Buzz. Googlemail ist längst kein Postfach mehr, sondern eine Art webbasierer zweiter Desktop, über den Nutzer Zugriff auf alle möglichen Google-Programme suchen sollen.

Microsofts Hotmail  gehört zu Googlemails größten Konkurrenten, hat mit nach Firmenangaben 360 Millionen Nutzern angeblich sogar erheblich mehr Kunden als das Google-Angebot, dem bis zu 200 Millionen Nutzer nachgesagt werden. Wie viele der registrierten Hotmail-Nutzer allerdings Karteileichen sind oder sozusagen stille Mitglieder, die den Service nicht wirklich nutzen, ist nicht bekannt.

Denn Microsoft pflegt eine einzige Anmeldung für alle seine so genannten Live-Services, unterscheidet nicht, reklamiert also etwa Nutzer des Messengers oder von Xbox Live wahrscheinlich auch als Hotmail-Nutzer - denn prinzipiell verfügen auch sie über einen Account. Doch Schwamm drüber, Zahlen, die auf Unternehmensangaben basieren, sind im Internet nie überprüfbar und stehen immer unter Mondzahlen-Verdacht. Unbestritten ist, dass Hotmail nach wie vor eine Größe ist, die auf dem Freemailer-Markt Gewicht hat.

Mit Hotmail begann der Freemail-Boom

Klar, denn die Marke ist sozusagen die Mutter aller Freemail-Dienste: 1996 gegründet, wurde Hotmail 1997 von Microsoft aufgekauft und entwickelte sich schnell zu einem der populärsten Web-Dienste. Bis zum Boom der Freemailer war E-Mail eine Dienstleistung, die für die meisten Nutzer tatsächlich kostenpflichtig war. Hotmail war also eine heiße Sache, schnell aber verkam der Dienst auch zu einer berüchtigten Spam-Schleuder - sowohl weil es für den Werbemüll-Versand instrumentalisiert wurde, als auch auf der Empfängerseite. Als erste wirklich funktionierende Spamfilter aufkamen, sortierten nicht wenige davon Hotmail-Mails automatisch aus - für eine ganze Weile war der Dienst professionell kaum nutzbar.

Microsoft hat sich intensiv und weitgehend erfolgreich darum bemüht, die Bude wieder sauber zu bekommen - dass heute Botnetze bei der Spam-Verteilung weit wichtiger sind als Freemail-Angebote, kam dabei auch Hotmail zugute. Doch der schlechte Ruf hing Hotmail an, ließ allerorten Konkurrenten zum Zuge kommen. Im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums gab es zudem keinen größeren Web-Dienst, der auf eigene Freemail-Angebote verzichten wollte. Hotmail verschwand in der Masse, während Googlemail glänzte - anfänglich einfach nur, weil es bis dahin ungekannt großzügig Speicherplatz einräumte.

In den letzten Jahren schließlich konnten nur noch Maildienste punkten, die mehr zu bieten hatten als E-Mail. Zu diesem Kreis will ab sofort auch Hotmail gehören.

Postfach? Wie wäre es mit Online-Office?

Der mittlerweile zumindest von Microsoft Windows Live Hotmail genannte Dienst wird ab sofort Funktionalitäten integrieren, wie man sie aus Microsofts Office-Programmen kennt. Das Handling des Dienstes verändert sich, Post bestimmter Absender kann man nun intuitiv und mit Gesten bündeln, zusammenfassen und per "Sweep" entweder wegordnen oder in die Ablage E (wie Eimer) befördern. Solche Sweeps merkt sich der Dienst dann und verfährt mit folgenden Sendungen entsprechend.

Während Googlemail einst die 1-GB-Schranke beim Speicherangebot knackte, damit einen neuen Standard setzte und einen Speicherplatz-Wettlauf der Konkurrenten anheizte, knackt Hotmail eine neue Schallmauer: Der Dienst erlaubt nach Unternehmensangaben ab sofort bis zu 10 GB große Dateianhänge. Der Begriff ist allerdings irreführend gebraucht: Gemeint sind nur Attachments dieser Größe, die nicht regulär per Mail verteilt werden, sondern per "SkyDrive" - Microsofts Version eines Filehosting-Services.

Es geht also um die Verteilung großer Datenmengen über die viel beschworene "Cloud": Man legt einen Datenbatzen auf einem Microsoft-Server ab und vergibt per Mail direkte Autorisierungen zum Download der Daten an Kommunikationspartner, Web-basiert, versteht sich. Zehn Gigabyte große Datenpakete dürften dabei sogar Profi-Anwender ansprechen - die Datenmenge würde reichen, drei Kinofilme in 720p-HD-Qualität zu verpacken. Das allerdings ist natürlich verboten, nicht von ungefähr enthalten die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Hotmail klare Verbote, Urheberrechte oder Persönlichkeitsrechte Dritter zu verletzen.

Auch Profi-Anwender im Visier

Wozu also dieses Protzen mit großen Datenmengen, wenn man nicht Rapidshare oder Megaupload als Konkurrenten im Auge hat? Es ist natürlich ein Schritt hin zu einer Arbeitsumgebung, in der über Distanzen kollaborativ an geteilten Projekten gearbeitet werden soll - darunter mag sich der eine berufliche Aufgaben vorstellen, der andere die gemeinsame Arbeit am ultimativen Familien-Fotoalbum.

Webbasierte Werkzeuge dafür wird es von Microsoft ebenfalls geben. Seit längerem betreibt die Firma die Entwicklung einer Web-basierten Version ihrer erfolgreichen Office-Anwendungen, um diesen bisher so lukrativen Markt mittelfristig nicht an Kostenlos-Anbieter von Open Office bis Google Docs zu verlieren. Via Hotmail sollen nun große Nutzer-Zirkel damit vertraut gemacht werden: Der Dienst wird webbasierte Dokumenten- und Fotobearbeitung erlauben, er wird Diashows und Videos darstellen. Auch die Darstellung von E-Mails hat Microsoft angepasst: Sind Fotos, Dokumente oder Videos angehängt, stellt Hotmail diese automatisch übersichtlich dar, etwa als Diashow oder Dokumentenübersicht für das integrierte Online-Office. Kurzum: Ähnlich wie Googlemail hat Hotmail den Ehrgeiz, vom Postfach zu einer Art Service-Seite zu werden, auf und mit der man sich beschäftigt.

All das hatte Microsoft schon Mitte Mai angekündigt, jetzt wird es konkret. Die Umstellung, der so genannte Roll out der Seiten, wird sich allerdings ziehen: Microsoft stellt nicht gleich alle Konten auf einmal um, sondern tut dies sukzessive seit Dienstag. Bemerkt haben werden das allerdings erst wenige Hotmail-Nutzer, denn der Umstellungsprozess wird sich wohl über die Sommermonate hinziehen. Grund dafür ist die relativ aufwendige Struktur des Hotmail-Dienstes: Der liegt dezentral auf Hunderten verschiedenen Servercluster in etlichen Ländern verteilt, eines nach dem anderen wird nun auf den neusten Stand erhoben. Und dabei geht es um mehr als nur eine Design-Änderung, es ist eine strukturelle Veränderung des Dienstes.

pat