Morpheus: Legaler Pseudo-Dienst als letzte Hoffnung? - DER SPIEGEL
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Morpheus Legaler Pseudo-Dienst als letzte Hoffnung?

Der angeschlagene P2P-Service Morpheus versucht, sich als Independent-Dienst der Unterhaltungsindustrie anzudienen. Besonders aussichtsreich scheint die Initiative nicht.
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Filesharingbörse Morpheus setzt auf Kuschelkurs mit der Unterhaltungsindustrie. Wie der Betreiber des Peer-to-peer-Dienstes, StreamCast Networks, am Donnerstag im Rahmen des "South by Southwest"-Entertainment-Kongresses in Texas ankündigte, soll der Service im April um ein Portal für Independent-Künstler erweitert werden.

Das neue Online-Angebot soll über die MusicCity.com-Site zu erreichen sein und Nachwuchskünstlern als Plattform für Promotion und Verkauf ihrer Werke dienen. Zu diesem Zweck sollen auch ein Digital-Rights-Management-System und Anti-Piracy-Technologien in den Digi-Tauschservice integriert werden. StreamCast vereinbarte hierfür auch eine Kooperation mit dem auf Indie-Musik spezialisierten Web-Händler CD Baby.

Irgendwie kommt einem dieses Modell reichlich bekannt vor. Vor zwei Jahren bereits hatte der unter juristischen Beschuss geratene Urheber der ganzen P2P-Revolution, Napster, denselben Spagat vollführt und sich kurzerhand auch als Webdienst für Nachwuchskünstler zu profilieren versucht.

Diese Service-Erweiterung sollte dabei als Trumpf gegen die Urheberrechtsklagen der US-Entertainment-Industrie dienen. Napster stützte sich zu seiner Verteidigung auf das sogenannte "Betamax-Urteil" aus dem Jahr 1984. In diesem Prozess wurde entschieden, dass Videorekorder der Firma Sony nicht ausschließlich zur Erstellung von Raubkopien dienen, sondern sich auch für legale Anwendungen - sprich Aufnahme von TV-Programmen oder Abspielen von Amateurvideos - einsetzen lassen. Mit der Einführung des Indie-Dienstes versuchte Napster seinerzeit ebenfalls, eine rechtmäßige Anwendung seiner Technologie nachzuweisen.

Nur wenige Monate später lancierten die Tauschbörsen-Kollegen von Scour einen ähnlichen Coup. Mit der Integration von Software zum verteilten Rechnen sollten definitiv legale - und sogar philanthropische - Funktionen Teil des Netzwerks werden. Per "Distributed Computing" kann brachliegende Rechenleistung angeschlossener User gebündelt werden und zur Berechnung komplexer Prozesse zur Verfügung stehen, für die sonst der Einsatz teurer Hochleistungsrechner erforderlich wäre - so zum Beispiel in der Krebsforschung.

Schlau eingefädelt - und dennoch erfolglos

In beiden Fällen handelte es sich in erster Linie um Imagepolitur und juristische Ablenkungsmanöver, die dann allerdings auch nicht halfen: Kern der beiden Anwendungen blieb natürlich das File-Sharing. Napster wurde den "legalen Services" zum Trotz im Juli 2001 auf richterliche Anordnung aus dem Netz verbannt. Scour ereilte dasselbe Schicksal bereits Ende 2000.

Obwohl die Morpheus-Betreiber es vehement beteuern, ist auch der nun angekündigte Dienst kaum ernsthaft als neue Business-Strategie aufzufassen. Geld ist damit schließlich kaum zu verdienen. Vielmehr handelt es sich erneut um einen Versuch, die Unterhaltungsindustrie zu besänftigen - worauf die P2P-Firma jedoch wohl vergebens hofft:

"Morpheus stiehlt unsere Werke und gibt dennoch vor, ein Freund der Unterhaltungsindustrie zu sein", kommentierte Mark Litvick, Vizepräsident für Legal Affairs bei der Motion Picture Association of America (MPAA), die Morpheus-Ankündigung. "Dabei basiert deren Geschäftsmodell eindeutig auf Piraterie."

Schon seit Monaten versuchen die MPAA und die RIAA vor einem US-Bundesgericht in Los Angeles die Schließung von Morpheus, KaZaa und Grokster durchzusetzen.

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