Multikulti Die Barackisierung der Popkultur
Schon bevor er sein Amt antritt, ist der designierte US-Präsident Barack Hussein Obama ein Phänomen. Seine Wahl zeigt nicht nur, was möglich ist in den USA des Jahres 2008 - sie erweitert auch diese Möglichkeiten. Denn wer, wenn nicht der Präsident der Vereinigten Staaten, definiert, was prototypisch ist für die bevölkerungsreichste nordamerikanische Nation?
Der neue Prototyp sieht also so aus: Ein globalisierter Mensch ist er, mit multikulturellen Wurzeln. Geboren auf Hawaii, aufgewachsen auf mehreren Kontinenten. Ein Mann mit einem ab sofort typischen amerikanischen Namen. Und typisch ist jetzt, dass jeder Name geht, nicht mehr nur das angelsächsische Modell John, William, Robert. Kein George oder Ronald, kein Bud, Dick, Bill, Greg oder Chuck. Stattdessen: Barack.
Ein Segen ist das nicht nur, weil Barack eben Segen bedeutet. Ein Segen ist es, weil es interkulturell kompatibel ist. In den Kneipen der Heimat seiner Vorfahren singen sie deshalb Loblieder auf O'Bama .
Und die liegt - wie bei jedem normalen Amerikaner, der was auf sich hält - natürlich in Irland . Die schräge Hymne schwappte schnell auch über den Atlantik und wurde von den american Irish freudig aufgenommen (siehe unten): Im Wahlkampf unterfütterte der Song die kleine Kampagne "Obama - vote irish". Alle sind gerade ein bisschen Obama.
Ganz besonders Obama ist eine wachsende Zahl von Babys, und nicht nur in den USA. Wirklich überraschend ist das nicht, wenn man Laura Wattenberg glaubt, denn bisher sei noch jeder Präsidentenname in die Top-Gruppe der beliebtesten Babynamen aufgerückt. Wattenberg veröffentlicht in den USA populäre Babynamen-Bücher - und betreibt eine der pfiffigsten Web-Seiten weltweit zu diesem Themenbereich . Dort lässt sich zurzeit beobachten, wir der Obama-Advent die Namensgebungs-Vorlieben der Amerikaner verändert.
Barack selbst hat dabei keine Chance, zum Babynamen des Jahres gewählt zu werden. Völlig unmöglich ist das, weil er es schon vergangenes Jahr war: In diesem Jahr aber hätte Barack die Chance, in die Top-100-Liste der beliebtesten, meistvergebenen Jungennamen einzuziehen. In der Namipedia ist gerade zu beobachten, wie sich die Wahrnehmung des Namens an sich verschiebt: Barack gilt unter anderem als clever, sexy und freundlich .
Dafür hat schon eine Kampagne gesorgt, die in jeder Hinsicht beispiellos war - auch, weil sie ganz offensichtlich von einer unorganisierten Basis mitgetragen wurde, die Barack zu Pop machte. Darüber ist schon viel geschrieben worden, und doch haben wir alle bisher nur an der Oberfläche gekratzt: Die Zahl der allein via YouTube veröffentlichten Lieder über Barack Obama ist mittlerweile fünfstellig.
Darunter finden sich: Unterstützer-Videos bekannter Stars, HipHop und Rap-Nummern, Reggae-Hymnen, die ausschließlich aus Obama-Zitaten bestehen und eine wachsende Zahl von Obama-Songs in verschiedensten Sprachen von allen Kontinenten.
Die Wahl mag gelaufen sein, die Party hat gerade erst angefangen. Zu den zahlreichen Songs aus der Wahlkampfzeit gesellen sich nun neue, die das Warten auf den Aufbruch thematisieren. Wir haben auf den folgenden Seiten einige der schönsten Song-Beispiele zusammengestellt (siehe unten). Mehr findet man über den "Obama Songs"-Kanal bei YouTube , der zurzeit eine Auswahl von über 1200 Liedern bereithält.
pat