"Murderabilia": Online-Auktion mit Mörder-Andenken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Murderabilia" Online-Auktion mit Mörder-Andenken

Haare, Zeichnungen oder Briefe eines Massenmörders gefällig? In den USA blüht ein makabrer Online-Handel mit "Andenken" an Verbrecher und Verbrechen. Auch in Deutschland gibt es erste Ansätze, diesen Horror zu Geld zu machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - eBay hat wieder einmal Probleme. Mit sogenannten "Murderabilia" wird auf den Seiten des Online-Versteigerers reger Handel betrieben. Die Angehörigen der Mordopfer sehen den fragwürdigen Geschäften fassungslos zu und können doch nichts unternehmen. US-Gerichte schmetterten Einsprüche gegen den Verkauf ab und gaben dem makaberen Treiben im Cyberspace grünes Licht. Das amerikanische Verfassungsrecht auf freie Meinungsäußerung decke die Auktionen ab, so die Begründung.

Nur selten schreitet eBay ein und verbietet eigenständig Angebote. Letztens schien die Toleranzschwelle der Sitebetreiber erreicht zu sein, als ein User an den Fotos eines dreifachen Kindermordes verdienen wollte. Für die Bilder der ermordeten Jungen im Leichenschauhaus und des blutverschmierten Tatorts fanden sich durchaus Interessenten. Mindestens eins der Bilder wurde verkauft, bevor eBay auf seinen Seiten den Handel untersagte.

Für zehn Dollar (rund 22 Mark) verkaufte unlängst eine eBay-Anbieterin unter dem Pseudonym "Kate loves Crime" einen Brief des Serienmörders Jerome Brudos, der fünf Menschen brutal umbrachte. Für 14,95 Dollar wird derzeit ein Videoband angeboten, dass den Tatort des Schulmassakers von Littleton in Colorado zeigt.

Haare stehen bei den "Murderabilia-Fans" hoch im Kurs. Für zwölf Dollar wurde eine Locke des geisteskranken Charles Manson unlängst bei eBay ersteigert. Für 500 Dollar wird derzeit ein Bild des Mörders angeboten, auf dem ein Haar Mansons kleben soll. Eine DNS-Analyse soll die Echtheit belegen.

Aber nicht nur auf den Seiten virtueller Auktionshäuser wie eBay wird mit Dingen gehandelt, die eigentlich in Asservatenkammern oder wissenschaftliche Archive gehören. Auf der Website einer Deutschen, die sich als Kunst-und-Antiquitäten-Händlerin bezeichnet, findet sich ein besonders perverses Angebot. Sie bietet Haare von Adolf Hitler an - Preis auf Anfrage.