Musik-Coup Roxio kauft Pressplay
Roxio hat große Pläne. Pressplay, lässt das ursprünglich auf CD-Kopier-Software spezialisierte Unternehmen verlauten, solle zur Basis eines neuen Musikdienstes werden, der unter dem Namen der ehemaligen Musiktauschbörse Napster operieren soll.
Dafür griff Roxio noch einmal tief in die Tasche: Die Transaktion hat nach Angaben der "Washington Post" einen Wert von 30 Millionen Dollar (26 Millionen Euro). Roxio wird dabei mit Aktien und Bargeld bezahlen. Roxio hatte im vergangenen Jahr auf einer Auktion des Insolvenzgerichts fünf Millionen Dollar für den Namen und die Vermögenswerte der stillgelegten Musiktauschbörse Napster hingeblättert. Nun nennt Roxio nicht nur einen schicken Markennamen sein eigen, sondern auch eine funktionierende Vertriebsplattform, die tatsächlich bereits mit den nötigen Rechten zum Musikvertrieb ausgestattet ist.
Dass Pressplay nie abhob, war kein technisches Problem: In der Konkurrenz zu kostenlosen, von der Industrie als illegal bekämpften P2P-Börsen hatte das anfänglich mit zu hohen Preisen und zu rigiden Nutzungsbeschränkungen gestartete Unternehmen nie eine Chance.
Wie das besser geht, zeigt dagegen seit einigen Wochen der Musikdienst von Apple, der unter dem Label iTunes Music Store wöchentlich eine Million Songs an den Käufer bringt. Der Überraschungserfolg hat auch in Kreisen der Industrie eine hitzige Debatte darüber entfacht, wie künftig online mit Musikdateien zu verfahren ist. Zumindest Universal und Sony scheinen nun verstärkt darauf zu setzen, ihre Produkte von unabhängigen Händlern vertreiben zu lassen, statt selbst eine kostspielige Plattform zu unterhalten.
Bei Roxio selbst wird nun kräftig für den künftigen Erfolg getrommelt. Ein Schnellstart ist aber anscheinend nicht geplant. Chris Gorog, CEO von Roxio: "Mit dem Kauf von Napster haben wir die stärkste Marke im Bereich Online-Musik erworben. Mit der aktuellen Übernahme von Pressplay verfügen wir über die umfassendste, skalierbare und legale Infrastruktur, die wir als Plattform für den Relaunch von Napster einsetzen. Wir werden uns die notwendige Zeit nehmen, um Funktionsumfang sowie Benutzerfreundlichkeit zu erweitern und zu optimieren."