Musik-Piraterie Queen beklaut Diebe
Freddie Mercury, der charismatische Sänger der Rockgruppe Queen, starb zwar bereits 1991 an der Immunschwäche Aids, doch seine Bandkameraden leben bis heute ganz erklecklich vom nur langsam verblassenen Ruhm. Noch immer ist Queen "Kult", vermarktet altes wie gelegentlich bisher unveröffentlichtes Material, ist jüngst gar zum Subjekt eines eigenen, natürlich selbst geschriebenen Musicals geworden, das ab 12. Dezember in Köln gastiert.
Ja, sie sind rege, die verbeibenden Bandmitglieder - und sie wissen, womit man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt. Mit Aktionen wie "100 Bootlegs" zum Beispiel.
Seit einigen Tagen verkauft Queen über den Shop der Band-Website illegale Mitschnitte diverser Queen-Konzerte. Denn natürlich entstand das Problem der illegalen Mitschnitte, die für meist wenig, manchmal aber auch viel Geld an den Urherbern vorbei verkauft wurden, nicht erst mit dem Boom des Internet und der CD.
"Bootlegs" nannte man solche Mitschnitte einst, die auf Fan-Börsen und Trödelmärkten gehandelt wurden. Von Queen, schätzt die Band, kursieren um die 700 unauthorisierte Konzertmitschnitte. Die besten davon wurden am Mischpult mitgeschnitten, die schlechtesten mit dem Diktiergerät in der Hand aus der Menge aufgenommen. Vieles davon, sagt Queen, sei nur dazu da, "den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen".
Also sei die Band hingegangen und habe mit einigen Bootleg-Experten die besten illegalen Mitschnitte ausgewählt. Drei Bootlegs pro Monat will sie nun veröffentlichen, die Fans zum Pauschalpreis von 5 Pfund pro Download erstehen können - egal, wie viele Lieder mitgeschnitten wurden. Der erste Mitschnitt eines Konzertes aus dem Jahre 1979 umfasst 25 Lieder, die schon fast die Best-of-der Gruppe umreißen. Profite will die Band damit nicht machen, sondern "ein Zeichen setzen" gegen die Pest der Raubkopien, indem sie "den Bootlegern den Grund entziehe".
Die Idee ist pfiffig, auch wenn sie nicht neu ist.
Ausgebrütet hat sie der 1993 verstorbene, genialische US-Musiker Frank Zappa. Nachdem er Anfang der Achtziger Jahre nach etlichen Streitigkeiten mit seiner Plattenfirma selbst die Vermarktung seiner Live-Scheiben übernommen hatte, bekam er die negativen Konsequenzen der Bootlegs unmittelbar zu spüren. Auch er versuchte, den Bootlegern das Geschäft abspenstig zu machen und zugleich daran zu verdienen: Unter dem Label "Beat the Boots!" gab er 1991 und 1992 gleich 15 Konzertmitschnitte heraus.
Die Form der Live-Bootlegs verlor in den Folgejahren an Popularität, nachdem die Musikindustrie seit Anfang der Neunziger den Wechsel zur CD forcierte - und damit quasi "Masterbänder" in Umlauf brachte, die ohne Qualitätsverluste kopierbar waren.
Auch die "100 Bootlegs" der Band Queen sind eher ein attraktives Angebot an die Fans, als ein ernsthafter Versuch, einen heute wirklich wichtigen Schwarzmarkt aufzubrechen. Der Band geht es um "Signale": Die Profite aus der Aktion sollen zu 100 Prozent der Mercury Phoenix Trust zugute kommen, einer im Namen Freddy Mercurys eingerichteten Stiftung, die sich weltweit dem Kampf gegen Aids widmet.