Tidal: Das bietet der Musik-Streaming-Dienst in Deutschland - DER SPIEGEL
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Musik-Streaming: Tidal startet in Deutschland

Neue Musik-Flatrate Was Tidal in Deutschland bietet

Neue Konkurrenz für Spotify und Deezer, aber auch für YouTube: Mit Tidal startet in Deutschland eine neue Flatrate für Musikstücke und -videos. Nutzer will der Dienst durch eine hohe Klangqualität gewinnen, die sich aber im Preis widerspiegelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ab Montagnacht ist der deutsche Streaming-Markt noch ein wenig unübersichtlicher: Mit Tidal startet ein neues Flatrate-Angebot, das Musikfans für einen monatlichen Pauschalpreis mit Liedern und Videos versorgen will. Auf der Webseite von Tidal  läuft bislang ein Countdown, ab 23 Uhr dürfte der Dienst zur Verfügung stehen.

Die Nutzer haben die Wahl zwischen zwei Flatrate-Varianten: 9,99 Euro pro Monat kostet der Basis-Dienst, der unbegrenztes Streaming von AAC-Dateien in mit bis zu 320 Kbit/s bietet. Für 19,99 Euro pro Monat liefert Tidal Musik auch als FLAC-Datei in 1411 Kbit/s aus, was CD-Qualität entspricht. Für diese sogenannte HiFi-Option empfiehlt Tidal eine Verbindung mit mindestens 2 Mbit/s, das Ganze ist für den Browser Chrome optimiert.

Sein Angebot beziffert Tidal auf rund 25 Millionen Songs. In Deutschland findet man zum Beispiel diverse Alben von Chart-Künstlern wie Rihanna, David Guetta und Helene Fischer. Ebenso werden Deichkind-, Placebo- und Tocotronic-Fans fündig. Nicht oder nur in Form einzelner Stücke verfügbar ist die Musik von Bands wie den Ärzten, den Toten Hosen und den Beatles - Angebotslücken, die auch Spotify aufweist, der wohl bekannteste Musik-Flatrate-Dienst.

Werbespruch wird zum Bumerang

Interessanterweise hat Tidal auch manchen Künstler an Bord, der dem großen Konkurrenten die Zusammenarbeit verweigert: So findet man Platten von Taylor Swift, die ihre Musik im November öffentlichkeitswirksam von Spotify entfernen ließ. In einem Interview sagte Swift damals : "Ich möchte mit meinem Lebenswerk nicht zu einem Experiment beitragen, das nach meinem Gefühl Autoren, Produzenten und Künstler nicht fair entschädigt."

Aufregung ums Geld gibt es nun aber auch bei Tidal - jedoch nicht wegen den Künstleranteilen. #TIDALforALL, der Twitter-Werbehashtag des Dienstes, löste am Montag direkt eine kleine Gegenbewegung aus: Unter dem Schlagwort #TIDALforNOONE  ärgern sich Nutzer über den hohen Monatspreis des Premium-Angebots. Tidal lässt sich derzeit zwar 30 Tage lang testen, ein werbefinanziertes und so für die Nutzer kostenloses Abo gibt es aber nicht.

Bei "Futurezone" hatte sich Tidal-Geschäftsführer Andy Chang vor Kurzem zu den Preisen geäußert. "Spotify ist ein Musikservice für jedermann, man muss nicht einmal zwingend dafür zahlen", sagte Chang dem österreichischen Tech-Magazin. "Tidal ist nicht für jedermann. Tidal ist für Leute gedacht, die von der immer schlechter werdenden Klangqualität bei Musik frustriert sind."

Ein Projekt von Jay Z

Hinter dem neuen Dienst steht unter anderem der Rapper Jay Z, er kaufte die Herstellerfirma Aspiro Anfang des Jahres. Mehrere bekannte US-Künstler machen derzeit Werbung für das Portal, darunter etwa Madonna, Beyoncé und Kanye West.

Tidal läuft auf iOS- und Android-Geräten, ebenso auf PC und Macs. Auch einige Lautsprecher und Audiogeräte verschiedener Hersteller  sind mit dem Dienst kompatibel. Wie bei den meisten Konkurrenten haben Flatrate-Nutzer die Möglichkeit, Songs auf ihr Mobilgerät herunterzuladen und dann unterwegs ohne Internetverbindung abzuspielen.

Bei einem ersten Test lief die Android-App recht rund. Die Suchfunktion ließ allerdings zu wünschen übrig: Die Suche nach "Coldplay Scientist" etwa führt zum Lied "The Scientist", aber vom falschen Künstler. Erst nach einem Tippen auf den Reiter "Album" findet sich die gewünschte Version von Coldplay.

Praktisch ist dagegen eine Musikerkennung im Stil von Shazam, die direkt in die App eingebaut wurde. Hört man irgendwo ein interessantes Lied, kann man schnell herausfinden, ob es Teil der eigenen Flatrate ist. Eine weitere Chance, neue Künstler zu entdecken, bietet das zu Tidal gehörende Musik-Magazin read.tidal.com , das sich vor allem unbekannteren Künstlern widmet.

Musikvideos bietet Tidal derzeit rund 75.000, der Dienst positioniert sich damit auch als Konkurrent zum Video-Primus YouTube. Dessen kostenpflichtiger Dienst Music Key befindet sich momentan noch in der Testphase. Auch Apple hat bereits eine eigene Streaming-Plattform angekündigt.

isa