Nach Todesfall: Verbotsforderungen gegen Facebook-Partys - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nach Todesfall Verbotsforderungen gegen Facebook-Partys

Was 2008 der Flashmob war, ist 2010 die Facebook-Party: Es ist Trend, via soziales Netzwerk Hunderte, mitunter Tausende von Menschen zusammenzubringen. In Frankreich führte ein so ein koordinierter Massenumtrunk nun zu einem Todesfall - und zu Forderungen, dem Trend ein Ende zu machen.
Öffentliches Besäufnis in Nante: "Düstere Veranstaltungen", zu der junge Menschen nur kämen, "um sich zu besaufen"
Öffentliches Besäufnis in Nante: "Düstere Veranstaltungen", zu der junge Menschen nur kämen, "um sich zu besaufen"

Öffentliches Besäufnis in Nante: "Düstere Veranstaltungen", zu der junge Menschen nur kämen, "um sich zu besaufen"

Foto: STEPHANE MAHE/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Für einen 21-Jährigen endete die sogenannte Facebook-Party mit dem Tod: Mit 2,4 Promille Alkohol im Blut stürzte der Franzose am Freitag in Nantes um 3.00 Uhr morgens von einer fünf Meter hohen Brücke. Das Drama rief umgehend französische Politiker, vor allem aber Bürgermeister französischer Kommunen, auf den Plan, denen das Phänomen seit längerem suspekt ist: Behörden stoßen sich daran, dass sich große Menschenmassen an öffentlich zugänglichen Plätzen zu vermeintlich spontanen Partys versammeln, ohne dass dies mit einer offiziellen Anmeldung des Ganzen und entsprechender Absicherung der Veranstaltung verbunden wäre.

Mehrere Abgeordnete und Bürgermeister forderten am Freitag eine stärkere Beschränkung solcher Massenaufläufe. Ein Verbot lehnte die Regierung in Paris allerdings vorerst ab. Innenminister Brice Hortefeux kündigte nur schwammig "präzisere Maßnahmen" an, "die es erlauben, sich solchen spontanen Ereignissen entgegenzustellen" und die jugendlichen Teilnehmer vor Risiken zu schützen.

Er will schnell handeln: Am 23. Mai werden unter dem Eiffelturm 50.000 Menschen zu einer solchen Party erwartet. Der Aufruf läuft seit längerem, wie viele Menschen dann tatsächlich auftauchen, ist unabwägbar: Nicht jeder, der per Facebook zusagt, taucht wirklich auf - und nicht jeder, der auftaucht, kündigt das auch an. Am Ende fehlt es dann von Sanitäranlagen bis zu Sanitätern an allem, was man normalerweise zur Abwicklung solcher Massenveranstaltungen für notwendig hält.

In Frankreich werden die "apéro géant" ("Riesenumtrunk") genannten Freiluftpartys seit dem vergangenen Jahr immer beliebter. In zahlreichen Städten zogen sie zuletzt mehrere tausend Menschen an. Regelmäßig landeten dabei mehrere Dutzend Menschen insbesondere wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus. Einige Städte haben sie deshalb bereits verboten.

Reine Saufgelage?

Der sozialistische Bürgermeister von Nantes, Jean-Marc Ayrault, forderte das Innenministerium auf, mit Kommunen und Behörden eine Strategie auszuarbeiten, "um dieses Phänomen in den Griff zu bekommen". Die Veranstaltungen seien "keine Partys", sondern "düster und jämmerlich". Die Jugendlichen kämen nur, "um sich zu besaufen".

Zu dem "Massen-Aperitif" in Nantes waren trotz Kälte mehr als zehntausend Menschen gekommen, nachdem ein Mann im Internet dazu aufgerufen hatte. Der 21-Jährige, der dabei starb, hatte nach Aussage von Freunden bereits zu Hause viel Starkbier getrunken, bevor er sich dem lockeren Fest in der westfranzösischen Stadt anschloss.

Bürgermeister Ayrault versuchte vergeblich, die Ereignisse zu kontrollieren: 41 Menschen wurden wegen Trunkenheit, Drogenbesitzes oder Randale festgenommen. Die Präfektur erklärte, der Tod belege den gefährlichen Charakter solcher Versammlungen, die zu riskantem Verhalten verleiteten.

"Wir können nicht zulassen, dass so was einfach passiert", sagte Ayrault dem Radiosender France Info. "Das ist ein nationales Problem und muss auf Staatsebene behandelt werden." Zahlreiche Politiker mahnten jedoch, spontane Partys nicht zu verbieten, sondern nur besser zu regeln. Schließlich gehe es um "Augenblicke der Solidarität in einer schwierigen Zeit", sagte der Sozialist Claude Bartolone.

Im November waren nach einem sogenannten Facebook-Treffen in Nantes 38 Menschen wegen Alkoholvergiftung behandelt worden.

pat/AFP/dpa

Mehr lesen über