Naenara-Browser: So surft man in Nordkorea - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Firefox-Variante Naenara Was ein Sicherheitsexperte von Nordkoreas Browser hält

Wenn Nordkoreaner im Web surfen, dann oft mit dem Naenara-Browser, der dem staatlichen Betriebssystem Red Star OS beiliegt. Ein Sicherheitsexperte hat die Software nun analysiert - und zieht daraus Rückschlüsse auf Nordkoreas Internet.
WhiteHat-Security-Artikel zum Browser aus Nordkorea: "Seltsamer, als wir dachten"
WhiteHat-Security-Artikel zum Browser aus Nordkorea: "Seltsamer, als wir dachten"

WhiteHat-Security-Artikel zum Browser aus Nordkorea: "Seltsamer, als wir dachten"

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Nordkoreas Naenara-Web-Browser: Seltsamer, als wir dachten ": Dieser Blogbeitrag von WhiteHat Security, einem kalifornischen Sicherheitsunternehmen, hat den Tech-Foren am Wochenende jede Menge Diskussionsstoff geliefert. In dem Beitrag nimmt der Sicherheitsexperte Robert Hansen Nordkoreas "Staats-Browser" Naenara auseinander  - und glaubt, aus diesem Stück Software auf die Zustände in Nordkorea schließen zu können.

Naenara ist eine völlig veraltete Version des Firefox-Browsers, die speziell an die Internet-Bedingungen in Nordkorea angepasst wurde. Sie liegt dem offiziellen Betriebssystem Red Star OS bei, einer Linux-Distribution , die im Auftrag der nordkoreanischen Regierung entwickelt wurde.

Mit Red Star OS versucht Nordkorea, unabhängig von westlichen Computerprogrammen zu werden; optisch orientiert man sich allerdings an Apples Betriebssystem OS X. Bis zur Veröffentlichung von Red Star OS liefen auf Nordkoreas Computern vorwiegend ältere Windows-Versionen. Red Star OS ist seit Dezember durch das Leak eines Dritten im Internet erhältlich  und wurde auf dem jüngsten Chaos Communication Congress, dem 31C3, vorgestellt .

Ein Internet, das an ein Intranet erinnert

Der Browser Naenara ist besonders interessant, weil man von ihm aus auf Nordkoreas Dateninfrastruktur schließen kann. Dazu muss man wissen: Nordkoreas Internet funktioniert ähnlich wie ein Intranet. Statt auf eine offene Netzinfrastruktur zu setzen, die selbst ihre Datenwege je nach Belastung organisiert, ist Nordkoreas Internet festverdrahtet: Wo wann welche Daten entlangfließen, wird zentral festgelegt. Funktionell ist dieses Kwangmyong genannte Netz vom Rest des Internets abgekoppelt, mit Ausnahme von ein paar Datenschleusen.

Ähnlich funktionieren in kleinen und mittleren Unternehmen die Datennetze, die Intranets der Firmen. Der Netzbau führt dazu, dass auch in Nordkorea jeder Internetnutzer eindeutig zu identifizieren ist, wie ein Internetanschluss an einem bestimmten Arbeitsplatz in einem bestimmten Büro.

WhiteHat-Security-Blogger Robert Hansen will aber noch mehr Hinweise auf staatliche Kontrolle mit Naenara gefunden haben: Der Browser übermittelt seinen Angaben zufolge einen eindeutigen Fingerabdruck an die staatlichen Server - und übermittelt ungefragt Fehlerberichte. Damit seien einzelne Nutzer demaskierbar, schreibt Hansen, außerdem sammle Nordkorea potenziell nützliches Wissen über Firefox-Sicherheitslücken.

Überhaupt arbeite der Browser höchst verdächtig: Alle E-Mails passieren Hansen zufolge einen staatlich gesteuerten Server, ebenso wie jeder Datenverkehr mit dem Internet außerhalb von Nordkoreas Intranet. Und es scheint so, als ob Nordkoreaner Zugriff auf Googles Suchmaschine hätten, allerdings über einen Datenumweg über den staatlichen Server.

Einklingen in Datenübertragungen möglich

Hansen schreibt, dass Naenara nur ein Sicherheitszertifikat akzeptiert und zwar das nordkoreanische. Damit könne die nordkoreanische Führung erfolgreich sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe durchführen und sich in vermeintlich sichere Datenübertragungen einklinken.

Hansens Erkenntnisse legen nahe, dass Nordkoreas Internet-Infrastruktur einen zentralen Knotenpunkt hat, über den alle relevanten Daten laufen müssen. Effizient sei das nicht und sicher auch nicht, urteilt der Experte. "Aber offenbar kümmert sich das Land sowieso nicht um die Vorzüge eines schnellen Internets."

Überhaupt scheint das vermutlich kleine Entwicklungsteam hinter Red Star OS und Naenara heillos überlastet zu sein. Sonst wäre ihnen wohl nicht entgangen, dass der Browser eine wichtige Kontrollfunktion des Betriebssystems aushebelt. Red Star OS versucht den Nutzern den Zugang zum Dateisystem zu verbauen, damit die nicht eigenständig Änderungen im Betriebssystem vornehmen können. Ausgerechnet die Kontrollinstanz Naenara aber ermöglicht genau das: unbegrenzten Zugang zu den Dateien, die einen Computer ausmachen.

kno