Napster Deal mit drei Konzernen perfekt
San Francisco - Nach US-Medienberichten soll Napster Songs der Plattenfirmen Warner Music (AOL Time Warner), BMG Entertainment (Bertelsmann) und der EMI Group in ihrem künftig gebührenpflichtigen Dienst anbieten können. Damit wären über Napster die Hits von Künstlern wie Whitney Houston, den Spice Girls und Madonna zu bekommen, ohne deren Urheberrechte zu verletzen.
Die Klage der Musikindustrie gegen Napster wegen Beihilfe zu Urheberrechts-Verstößen soll dadurch aber nicht beeinflusst werden.
Napster soll zunächst exklusiv Musik von der MusicNet- Allianz in Lizenz übernehmen. Mit dieser Unterstützung wäre Napster ein Pool lizenzierter Musiktitel für den ab 1. Juli geplanten Abo- Dienst sicher. MusicNet war von den drei Musikfirmen sowie der Internet-Firma RealNetworks für den Lizenz-Vertrieb über das Internet gegründet worden.
Bertelsmann war bereits im Herbst aus der Reihe der gegen Napster klagenden Unternehmen ausgeschert und hatte eine strategische Allianz mit der kalifornischen Start-up-Firma vereinbart. Bertelsmann will Napster in einen Abonnements-Service umwandeln und geht davon aus, dass die Mehrheit der mehr als 70 Millionen Napster-Nutzer für Musik aus dem Internet bezahlen wird.
Auch mit den anderen beiden großen Musikkonzernen Vivendi Universal und Sony Music werde verhandelt, hieß es in den Kreisen weiter. Vivendi und Sony hatten allerdings mit dem Joint Venture Duet einen eigenen Online-Großhändler gegründet. Zudem will Vivendi die US-Firma MP3.com kaufen, die in Konkurrenz zu Napster steht. Napster muss nach den Klagen der Musikunternehmen urheberrechtlich geschützte Titel aus dem Angebot herausfiltern und hat seitdem mit einem Rückgang der aktiven Nutzer zu kämpfen.
Die vor zwei Jahren gegründete Tauschbörse hat einen Strategiewechsel bei den Musikkonzernen ausgelöst, die sich jetzt verstärkt um den Online-Vertrieb von Musik bemühen. Die meisten Konzerne konzentrieren sich bei ihren Akquisitionen und Kooperationen dabei auf Technologien, mit denen Musikdateien heruntergeladen und im Computer gespeichert oder mit der "Streaming"-Technologie einmalig abgespielt werden können.
Mit der britischen EMI Group hat unterdessen aber erstmals ein großer Musikkonzern in die Technologie zum Brennen von CDs investiert. EMI beteiligt sich an dem US-Unternehmen Roxio, mit dessen Software aus dem Internet heruntergeladene Musikstücke auf CDs gebrannt werden können. Verhandlungskreisen zufolge soll EMI weniger als 50 Millionen US-Dollar für einen Minderheitsanteil an Roxio bezahlt haben.