Napster: Der Countdown läuft - DER SPIEGEL
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Napster Der Countdown läuft

Am Wochenende erhielt Napster Post: Die Musikindustrie übermittelte die Daten von 135.000 zu sperrenden Songs. Das muss nun bis Mittwoch abend passiert sein - sonst droht die Schließung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Wochenende dürfte für die Programmierer bei Napster flachgefallen sein: Die 135.000 angemahnten Titel sind nun umgehend zu sperren.

Sowohl die relativ "niedrige" Zahl der Titel, als auch der Auslieferungszeitpunkt der Liste kommen dabei fast einem Akt der Freundlichkeit gleich. Es wäre der Musikindustrie auch möglich gewesen, Millionen von Titeln zu benennen - einfach durch Weiterreichung ihrer Kataloge. Und da die Liste bereits am späten Freitagabend übergeben wurde, gewann Napster quasi zwei Tage: Das Wochenende zählt nicht hinein in das richterlich verfügte 72-Stunden-Ultimatum.

Jetzt oder nie heißt nun die Devise: Bis Mittwochabend hat Napster Zeit, die angemahnten Titel zu sperren. Was dann folgt, hängt erstens vom Ergebnis ab, zweitens davon, wie gutwillig sich die Vertreter der Musikindustrie zeigen.

Denn die Sperrung kann nicht gelingen. Napster kann die betreffenden Titel und Interpreten blockieren - aber nur so lang, wie die Musikstücke tatsächlich unter ihren richtigen Namen vertrieben werden. Längst haben sich die Fans auf die Filterversuche eingestellt und arbeiten mit Tricks wie Buchstabendrehern, Codenamen für bestimmte Gruppen und sogar software-basierten Codierungen dagegen an.

Da bleiben zwei Fragen, die bis Donnerstag ihre Antwort gefunden haben werden: Wird die Musikindustrie akzeptieren, dass Napster sein Möglichstes tat - aber von den eigenen Fans ausgetrickst wurde? Und zweitens: Falls nicht, wie wird das Gericht dann entscheiden? Ist Napster verantwortlich für das Fehlverhalten der User, wenn der Dienst nachweisen kann, das Möglichste dagegen getan zu haben?

Fragen, an denen sich die Zukunft Napsters entscheiden wird. Am Donnerstag geht es entweder munter weiter - oder Napster macht die Schotten dicht. Ob Bertelsmann dann im Sommer noch mit dem legalen, kommerziellen Napster-Modell kommt oder nicht, wird in diesem Fall niemanden mehr interessieren. Die potenziellen Kunden sind dann längst woanders - zum Schaden der Musikindustrie. Souveräner könnte die sich kaum selbst ins Knie schießen.

Frank Patalong

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