Napster: Friede mit Metallica - DER SPIEGEL
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Napster Friede mit Metallica

Für Napster war die Klage der US-Rockband Metallica der Anfang vom Ende: Der folgende Copyright-Prozess leitete eine Lawine von Klagen ein. Zumindest diesen ersten Streit konnte Napster nun beilegen. Billig wird das kaum gewesen sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Friede, Freude, Eierkuchen: "Wir haben nichts an dem Konzept auszusetzen, Musik auf diese Weise zu verbreiten", ließ Metallica-Drummer Lars Ulrich verlauten, und auch Kollege Dr. Dre, der ebenfalls gegen die Musikbörse klagte, hat "nun nichts mehr an Napster auszusetzen".

"Nun"?

Das ist ein kleines Wörtchen, mit dem der Rapper beschreibt, was es dazu braucht, aus verbitterten Kontrahenten gute Freunde zu machen. Dr. Dre übersetzt dieses Wort mit "Respekt": "Ich arbeite hart dafür, Musik zu machen - damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt." Das werde "nun" auch von Napster respektiert. Was zur eigentlichen Übersetzung des kleinen Wortes führt: Geld.

Wie viel, darüber wollen sich weder die Musiker noch Napster äußern.

Billig wird die für Napster äußerst wichtige Einigung kaum gewesen sein. Endlich wieder einmal hat Napster eine kleine, positive Nachricht zu verbreiten: Streit beigelegt und - man horche auf - den Deal geschlossen, künftig über Napster zum Beispiel auch Metallica-Songs anbieten zu dürfen.

Mit dem offiziösen Segen der Band, doch erst, sobald ein "akzeptables Modell installiert ist, das den Künstlern und den Verlagen die Bezahlung für die Verwertung ihrer Arbeit garantiert". Sprich: Erst dann, wenn der von Napster im Verbund mit Bertelsmann entwickelte Kommerzdienst eingeführt ist.

Vorher würde das wohl auch kaum Sinn machen, denn Napster ist offline. Vom einstigen König der P2P-Börsen ist heute nicht mehr übrig als der Markenname: "Existent" ist auf dem Web nur, was interagiert und funktioniert. Das aber darf Napster nicht mehr, trotz der für Napster-User zunehmend frustrierenden Implementierung immer besserer Filter.

Seit fast zwei Wochen herrscht nun völlige Funkstille, die - wenn es nach dem Willen der Richterin Marilyn Hall Patel geht - gern auch bis in alle Ewigkeit dauern könnte. Napster sucht nun den Weg zum Berufungsgericht - mit unsicheren Erfolgsaussichten.

Unter dem Strich bleibt also eine kleine positive Meldung für Napster, die fast schon keine mehr ist: Zwar herrscht nun Friede an zumindest einer Gerichtsfront, zwar darf Napster künftig wieder Songs von Metallica und Dr. Dre anbieten - aber anfangen kann das Unternehmen damit auf absehbare Zeit gar nichts. Geld ist geflossen, um einen alten Konflikt zum Ende zu bringen, und als Bonbon gibt's am Ende die Nachricht, nun sei bei Napster auch für Metallica-Fans bald wieder was zu holen.

Andererseits: Wenn Napster als kommerzielles Modell tatsächlich ein Erfolg wird, an dem die Musiker in Form von Tantiemen mitverdienen, dann wäre es für Metallica eine äußerst unkluge Entscheidung, dort nicht mitzumachen. Vorerst also gilt: Außer Spesen nichts gewesen.

Frank Patalong

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