Netzdepesche "Schnell und unsichtbar"
Art Coviello ist Chef von RSA Security , einem der weltweit führenden auf Verschlüsselungs-Software spezialisierten Unternehmen. Von der Aufhebung des Export-Stopps für kraftvolle Kryptografie-Programme erhofft sich Coviello einen Boom seiner Branche. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Coviello, wie er die neue Politik der amerikanischen Regierung bewertet.
SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von der neuen Krypto-Politik der amerikanischen Regierung?
Coviello: Es gibt immer noch kleinere Einschränkungen, aber wenn die Regierung nur ein wenig nachbessert, haben wir einen Freifahrtschein, unsere Produkte weltweit verkaufen zu können. Die Gesetzes-Novelle ist ein gewaltiger Schritt nach vorn.
SPIEGEL ONLINE: Was erhoffen Sie sich davon in wirtschaftlicher Hinsicht?
Coviello: Wir haben drei Produktlinien: Mit SecurID erzielen wir 70 Prozent des Umsatzes, mit dem PKI-Produkt Keon, einem Produkt für Public-Key-Infrastrukturen, fünf bis zehn Prozent und mit BSAFE fünf bis 20 Prozent. Bei SecurID erwarten wir keine nennenswerten Zuwächse. Bei BSAFE gehen wir von einer Umsatzsteigerung von 30 Prozent aus. Dabei handelt es sich um Entwicklungstools für Kryptografen, die wir bislang gar nicht exportieren konnten.
SPIEGEL ONLINE: Warum ist das Geschäft mit den Schlüsseln das Schlüsselgeschäft des nächsten Jahrzehnts?
Coviello: Indem die Geschäfte über das Internet abgewickelt werden, werden sie viel schneller. Doch der Handel im Internet kann nur funktionieren, wenn man sich sicher sein kann, mit wem man es zu tun hat. Mit einem Krypto-Schlüssel verleiht man dem Geschäftspartner eine überprüfbare Identität. Deshalb handelt es sich hier um ein Schlüsselgeschäft.
SPIEGEL ONLINE: Europäische Mitbewerber warnen aufgrund schlechter Erfahrungen mit Lotus Notes oder der Microsoft Crypto-API vor US-amerikanischen Sicherheitsprodukten. Wie wollen Sie das Vertrauen der europäischen Kunden gewinnen?
Coviello: Wir haben die amerikanischen Gesetze immer befolgt, aber wir sind auch vehement dafür eingetreten, dass sie geändert werden. Generell wird ein Verschlüsselungsprogramm schon dann unglaubwürdig, wenn die Schlüssellänge zu kurz ist. Dann braucht man keine "Hintertüren", es reicht schon, mit genügend Rechenkraft den Schlüssel zu errechnen. Bisher hat die US-Regierung die Schlüssellänge per Gesetz kurz gehalten. Mit der neuen Regelung können wir Schlüssel mit beliebiger Länge exportieren.
SPIEGEL ONLINE: Würden Sie hartnäckigen Zweiflern auch Ihren Quellcode zeigen?
Coviello: Wir haben bereits den Quellcode der BSAFE-Technologie lizenziert. Aber man kann seine Zeit auch damit verschwenden, nach etwas zu suchen, was nicht da ist.
SPIEGEL ONLINE: Auch in Deutschland gibt es jetzt Versuche, Krypto-Algorithmen zu patentieren.
Coviello: Nun, daran ist nichts falsch. Es erlaubt dem Erfinder, seine Idee ökonomisch zu verwerten. Mit der Zeit ist es doch so, dass der Wettbewerb einen nur stärker macht.
SPIEGEL ONLINE: Sie hatten nie einen Patentschutz in Europa.
Coviello: Ja, stimmt. Wir konnten unser Patent nur in den USA verwerten. Aufgrund der Exportkontrollen konnten wir unsere Technologien ja auch gar nicht ausführen. Aber es geht nicht nur darum, den Algorithmus zu haben. Man muss ihn ja auch optimieren, damit er effektiver und sicherer wird.
SPIEGEL ONLINE: An was arbeiten Sie in Ihrer Entwicklungsabteilung?
Coviello: Wir haben eine reine Forschungseinheit mit rund 20 Mitarbeitern. Dort haben wir einige der besten Köpfe versammelt. Das Labor arbeitet an biometrischen Technologien, drahtlosen Technologien und Entwicklungstools, um PKI-Infrastrukturen anzupassen. Sie entwickeln kryptografische Algorithmen und arbeiten an der Komprimierung von Public-Key-Algorithmen, so dass sie im drahtlosen Raum schneller arbeiten. Wir haben kryptografische Algorithmen für den High-End-Bereich entwickelt, die außerordentlich schnell sind.
SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie erreichen?
Coviello: Kunden wollen sich nicht wirklich mit Sicherheitsfragen beschäftigen. Kunden wollen auch nicht, dass ihre Arbeitsprozesse dadurch verlangsamt werden. Wir wollen Sicherheitslösungen entwickeln, die schneller und unsichtbar sind, aber trotzdem den höchsten Schutzbedarf erfüllen.