Netzwelt-Ticker: Amazon baut Supermarktkasse für Handys auf - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Amazon baut Supermarktkasse für Handys auf

Der Onlinehändler Amazon rüstet mit einer digitalen Handykasse zum Kampf gegen iTunes und PayPal. Außerdem: Die aktuelle Systemsoftware des iPhone 3Gs wurde geknackt, ein Hacker befreit US-Gerichtsdokumente, Spotify macht auf iTunes und ein Banking-Trojaner wehrt sich. Das und mehr im Überblick.
Mobiltelefon: Amazon will Handy-Bezahlung über eigene Kundenkonten abwickeln
Mobiltelefon: Amazon will Handy-Bezahlung über eigene Kundenkonten abwickeln

Mobiltelefon: Amazon will Handy-Bezahlung über eigene Kundenkonten abwickeln

Foto: LOIC VENANCE/ AFP
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Der Onlinehändler Amazon rüstet weiter zum Kampf gegen Apples Onlineshop iTunes und Ebays Online-Bezahldienst PayPal. Am Montag stellte das Unternehmen den "Amazon Mobile Payments Service" (Amazon MPS) vor.  MPS ist im Grunde eine digitale Supermarktkasse, die Entwickler von mobilen Anwendungen (z.B. fürs iPhone) in ihre Programme einbauen können. Statt umständlich und unsicher via Kreditkarte oder externe Websites bezahlen zu müssen, wickeln Kunden den Kaufvorgang in der Software über ihr Amazon-Konto ab.  Vorteil für den Kunden: Er braucht nur ein Amazon-Konto mit hinterlegten Kreditkartendaten, der Einkauf in der Mobile-Anwendung ist dann eine Sache von wenigen Klicks. Vorteil für den Entwickler: Er bekommt eine Zahlungsmethode frei Haus, die sich unaufwendig in die eigene Software integrieren lässt.

Was hat Amazon davon? Paidcontent.org meint, Amazon könne einen viel größeren Markt als etwa Apple ansprechen: Das Unternehmen muss sich nicht auf ein einziges Handy, namentlich das iPhone, beschränken, sondern kann die eigenen Dienste auf einer Vielzahl Handys und Netzwerken anbieten. Sollte sich MPS durchsetzen, könnte Amazon auf einen Schlag ein Superschwergewicht in Sachen Online-Bezahlung sein - noch vor iTunes und PayPal. Laut Paidcontent.org besitzt Apple dank iTunes rund 100 Millionen Kreditkartendaten, PayPal 68,8 Millionen.  Wie viele solcher Daten Amazon hat, ist nicht bekannt. Analysten gehen aber von mindestens 50 Millionen aktiven Amazon-Nutzern im Monat aus.

Vor allem aber könnte dem großen Gewinner noch etwas ganz anderes blühen: Sollte sich die mobile Bezahlmethode durchsetzen, könnte das auch zu neuen Bezahl-Angeboten für nicht-virtuelle, also echte Güter führen und Kreditkartenanbieter unter Druck setzen. Die wären dann auf eine Abwickler-Rolle für fliegende Megahändler wie Amazon festgelegt.

iPhone 3GS schon wieder geknackt

Die Promihacker vom iPhone Dev Team haben auch die aktuelle iPhone-Software OS 3.1 für das iPhone 3GS geknackt.  Mit Hilfe des PwnageTool 3.1.1 lässt sich damit auch der jüngste Spross der iPhone-Familie dazu überreden, von Apple nicht genehmigte Software abzuspielen. Im iPhone-Slang heißt dieser Knackvorgang: Jailbreak. Das PwnageTool knackt außerdem den iPod Touch zweiter Generation - für einen erfolgreichen Jailbreak müssen beide Geräte jedoch schon in der Vorgängerversion 3.0 mit dem PwnageTool entsperrt worden sein.

Hacker befreit Gerichtsdokumente, wird observiert

Weil der 22-jährige Aaron Swartz, ein amerikanischer Hacker, einem Bürgerrechtsaktivisten dabei half, Millionen von Gerichtsunterlagen der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich zu machen, wurde er von der US-Bundespolizei FBI observiert und einer Datenbank-Überprüfung unterzogen. So etwa lautet die Wired.com-Zusammenfassung eines gut gemeinten Hackangriffes und seiner Auswirkungen.  Swartz trickste das Bezahlsystem aus, mit dem sich die US-Justizbehörden pro Gerichtsunterlagen-Seite 8 Dollarcent bezahlen lassen und kopierte mit bestem Gewissen fast 20 Millionen Seiten in einen Netzspeicher. Wert: knapp 1,6 Millionen Dollar. Die Dokumente spendete er dem Open-Government-Projekt Public.resource.org.  Über seine Offline- und Online-Observation erfuhr er erst, als er aus Neugierde FBI-Aufzeichnungen zu seiner Person anforderte.

Offline: Spotify macht jetzt auf iTunes

"The Register" will's schon im Sommer vorhergesehen haben: Spotify hat sich Platzhirsch iTunes als Opfer ausgeguckt und bietet eine eigene Offline-Mediathek an. Heißt: Wer ein Spotify-Abonnement hat, kann Songs jetzt auch offline anhören - in einem kopiergeschützten Format, das nur die Spotify-Software lesen kann. Toll, meint The Register, "DRM hat nie besser gerochen."  Großer Nachteil: Spotify erlaubt nur 3.333 Songs in der Offline-Mediathek - das ist weniger als die Hälfte von dem, was ein typischer 14- bis 24-jähriger Brite auf dem Rechner hat: Laut UK Music sind das durchschnittlich 8.159 Songs! 

Kann deutschen SPIEGEL-ONLINE-Lesern aber eh fast egal sein: Spotify gibt's hierzulande aus Lizenzgründen nicht, es sei denn, man trickst und setzt einen Proxy-Server ein. 

Ein Banking-Trojaner wehrt sich

Ein Banking-Trojaner, der es auf Bankkunden aus Deutschland abgesehen hat, wehrt sich gegen Einmischung von Antivir-Spezialisten und Forschern. Den Sicherheitsexperten von RSA ist aufgefallen, dass der URLZone-Trojaner falsche Fährten legt um von infizierten, geknackten Bankkonten abzulenken.  Das geht so: Üblicherweise loggen sich Forscher, getarnt als Botnet-Rechner - in den Kontrollserver des Trojaners ein, tun also so, als ob sie selbst ein befallener Rechner wären, der auf neue Anweisungen wartet. Doch URLZone überprüft die Identität des angeblichen Neubots und setzt ihm eine gefälschte Liste von Kurier-Konten vor. Diese Konten werden vom Trojaner nicht ausgewrungen, sondern nur zum Geldtransport missbraucht. Die angeblichen Kurier-Konten erstellt der Trojaner aus zurückliegenden, legitimen Kontobewegungen der befallenen Rechner. Für den Forscher ist es damit schwieriger, wirklich befallene Rechner aufzuspüren und in Zusammenarbeit mit den Geldinstituten das räuberische Botnet zu behindern.

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